Montag, 21. Mai 2012

Phantom CAPE, pervertiertes Tief und weitere Entwicklung

Hallo,

Groß war mancherorts die Freude in so manchem Deutschen Beitrag in diversen Foren zur Wetterenwicklung, sollte doch die Modell-CAPE über dem Norden Deutschlands heute auf mehr als 1000 J/kg ansteigen.

Vielleicht ist momentan die Entäuschung mancherorts genausogroß, denn das Satellitenbild, jener unwiderlegbare Wahrheitsbeweis zeigt folgendes:


NICHTS. Ausser dicken Cirrenschleiern ist NICHTS konvektives zu sehen...

Dabei schaut die GFS-Karte soooo gut aus..



sie stimmt halt leider nicht. Ist das Modell schlecht ? Die Entwickler dumm ? Nein, keines von beiden .... um das aufzuklären und hier auch für die Zukunft einen Interpretationshinweis zu geben, hier ein Modellaufstieg des GFS..


Der entscheidende Punkt liegt in der grünen Taupunktskurve. Man sieht in Bodennähe eine extrem dünne, sehr feuchte Schicht. Das soll den Vegetationseinfluss widerspiegeln. Rechnet man CAPE mit diesem Bodentaupunkt kommt man auf 1464 J/kg.

Nimmt man einen Mittelwert der untersten 50 hPa um diese Bodennahe Überfeuchtung wegzumitteln kommt man bei ein paar hundert J/kg an, und das passt schon deutlich besser.

Warum gar nichts geht: CIN. Der Deckel ist viel zu stark und kann nicht überwunden werden. Man sieht das an der recht großen Fläche die die Aufstiegskurve mit der roten Temperaturkurve zwischen 900 und knapp 700 hPa bildet.

Und die Wahrheit ist noch dazu eine andere:


Die Inversion bei 850 hPa ist noch stärker als im Modell, da bleibt nichteinmal irgendein Fuzzerl an CAPE übrig. Wir lernen also wieder.

CAPE Karte ohne CIN Karte und Vertikalprofile ist sinnlos für die Vorhersage.

Gehen wir nach Südosten und wählen dafür den Weg über die Vogelperspektive..



Das ist die aktuelle Situation. Ein starkes Tief mit Zentrum über der Provence lenkt Okklusionsstaffeln nach Norden. Vor allem an der Ost und Nordflanke des Tiefs zirkluliert sehr warme, energiereiche Luft, während von Westen und Süden her in Staffeln kältere Luftmassen auf die Alpen zusteuern. Man sieht diese Perversion (warmer Norden, kalter Süden) am Besten an der Äquivalentpotentiellen Temperatur:


Morgen ..


dreht die Höhenströmung über Zentraleuropa mit dem Ostwärtseiern des Tiefs auf rein Ost. Der Vormarsch der kälteren Luft aus Süden nach Norden findet damit ein Ende. Die beiden Okklusionen verschmelzen im Wesentlichen zu einer, und am Rand der kompakten Bewölkung, von Tschechien über das Weinviertel, die Slowakei bis hinein nach Ungarn gibt es gute Bedingungen für organsiiertere Konvektion...

hier zb. ein Modellaufstieg aus der gegen von Györ ca. 30km östlich der Grenze..



Hier sieht man z.B dass der MLCAPE, also die CAPE die durch ein Mittel der untersten 500m entsteht, bei sehr feuchten Aufsteigen wie diesem eher kontraproduktiv ist. Einem Capepotential bis 480 J/kg steht ansehnliche Scherung (immerhin 50 kt Mittelwind im Ambossniveau) gegenüber..

Dramen sollten es nicht werden, ..


da der MSTI von (schnellziehenden) Gewittern vor allem mit Starkregenpotential ausgeht (gelb und grün) und Scherung bzw. Hagelgefahr (orange) tendenziell eine untergeordnete Rolle spielen wird.

Bin schon auf das radarbild morgen gespannt,

lg

Manfred

Kommentare:

  1. Hallo Manfred !
    Erstmals danke für den interessanten Beitrag !
    Als interessierter Mitleser hab ich ein paar Fragen und hoffe du kannst mir weiterhelfen :D
    und zwar....

    Was kann so einen Deckel spontan ABSCHWÄCHEN? Kaltluftadvektion in der Schicht in der der Deckel "draufliegt" ???

    Wenn eine dünne feuchte Schicht am Boden liegt und darüber eine Trockene, wie könnt diese angefeuchtet werden, durch eine kontinuierliche Bodenkonvergenz/Höhendivergenz sprich Hebung die die Feuchte raufpumpt???

    Wie viel Energie ersetzt eine trockene Schicht in Höherem Niveau, in Form von potentieller Labilität? Gibts da auch Werte wie Cape bzw wie genau kann man das aus einem Sounding rauslesen?

    und...
    Wie genau funktioniert eine Elevatet Mixed Layer

    Danke im Voraus !

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  2. Hi,

    1) Der Deckel wird durch alles zerstört, was die Instabilität fördert... z.B Erwärmung von unten, Anfeuchtung unten (bei Erwärmung), das sind die Normalfälle... Abkühlung oben wäre auch denkbar, ist jedoch eher unter *ferner liefen..* anzusiedeln. Sehr wichtig ist auch noch Forcing... wenn die Luft trotz Deckel gezwungen wird aufzusteigen, z.B durch Windkonvergenz oder synoptisches Forcing (Trogannäherung) aber auch durch orografische Hebung ... solch erzwungene Hebung baut, wenn sie nur lang genug dauert, den Deckel ab.

    2) Antwort ist: Konvektion schafft das (deine Vermutung) aber auch das horizontale Pendant dazu: Advektion, also der horizontale Herantransport feuchterer Luft

    3) Hier habe ich keine Zahlen, ich kann es auch nicht schätzen.. es gibt durchaus auch Wissenschaftler, die meinen dass der Effekt der potentiellen Instabilität (hebung einer Luftmasse, die unten feucht, oben trocken ist) ein theoretischer, aber kein wirklich auftretender ist. Was in jedem Fall gut ist , und da komme ich zu

    4, wenn man einen elevated mixed Layer hat, mit oder ohne Hebung. Der elevated mixed Layer kommt in den USA von den Rockies, bei uns von der Sahara. Es handelt sich um knochentrockene Höhenluft (elevated) (mittlere Höhen, 2-4 oder 5 km) mit starkem vertikalem Temperaturgefälle (gut durchmischt, also mixed). Wird in einen solchen von unten massiv hineinkonvektioniert, so ist der Temperatunterschied zwischen der trockenen Luft und der Aufstiegskurve des Konvektionsballens besonders hoch. WICHTIG: Das funktioniert nur wenn von unten ein großer Feuchtenachschub vorhanden ist, bei geringem Feuchtepool unten ist das Entrainment, also das Hineinmischen der trockenen Umgebungsluft in die Konvektionssäule zu stark und der Cumulus dörrt aus. Wenn man also über elevated mixed layer was erreichen will, braucht man unten eine dicke, feuchte Schicht, nicht nur ein paar Meter :)

    Lg, M.

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  3. Okay, dankeschön! Hast mir sehr weitergeholfen !

    Mfg, Andi

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !