Samstag, 21. März 2015

From Zero to Hero - Die erste Frühlingswoche 2015

Wunderschönen Samstag,

nach einer wieder langen Pause (ich kann mich auf das fade Anti-Wetterwetter ausreden) ist mittlerweile neben dem meteorologischen auch der kalendarische Frühling ins Land gezogen. Nun sind dem Wetter fixe Datumsgrenzen bekanntermaßen ziemlich wurscht (deutsch: egal), 2015 ergibt sich aber vielleicht eine erstaunliche Koinzidenz zwischen der ersten Woche des kalendarischen Frühlings und das, was man man unter Frühlingswetter gemeinhin versteht... Nicht nur Sonne und Wärme, sondern auch die ersten Anwandlungen der konvektiven (Gewitter-) Saison.

Bevor wir dorthin kommen starten wir in bekannter Manier mit der aktuellen Lage:


Das aktuelle IR Bild zeigt eine delikate weil ziemlich verworrene Wetterlage. Dröseln wir das einmal auf. Ganz markant finden wir in der Nordwesthälfte das langgezogene, wellende Wolkenband, das die nordatlantische Frontalzone markiert. Über Südwesteuropa lagert ein altes Höhentief mit eher undeutlichen Strukturen und dennoch wird es gerade in Zentraleuropa eine nicht unbedeutende Rolle in der Winterabwehr spielen. Das für die Kurzfrist interessanteste System ist der Frontenzug über Dänemark und Nordwestdeutschland, es markiert die Vordergrenze eines polaren Kaltluftvorstosses, der momentan mehr oder weniger direkt gegen die Alpen gerichtet ist und dort am heute Nachmittag/Abend ankommt. Jetzt mag sich die geneigte Leserin wundern, wie ich ob eines Kaltluftvorstosses aus Norden von Frühlingswetter reden kann.. das ist doch grausig .... !

Wie heißt es so schön, Schein und Sein sind 2 verschiedene Dinge und oftmals ist eine Verkettung von glücklichen Umständen beim Wetter in der Lage, Unglück (Kaltluftvorstoss) abzuwehren.



Was tut sich in den nächsten 12 Stunden ?


Das System über Dänemark kommt rasch nach Süden voran, wobei sich der zugehörige Höhentrog beginnt abzuschnüren und nach Südwesten auszubrechen. Die im Satellitenbild angedeute Welle des Frontenzuges nordwestlich der Britischen Inseln vertieft und amplifiziert sich weiter, während gleichzeitig auch das Südwesteuropa-System etwas näher an die Alpen rückt. Da wird Mitteleuropa also von 2 Seiten her drangsaliert.


24 Stunden später ....


.. ist das ursprünglich zum Dänen gehörige Höhentief schon nach Frankreich/Spanien gezogen... die einstige Kaltfront, die den Kaltluftvorstoss markiert hat ist kanpp südlich der Alpen picken geblieben und kommt nicht mehr weiter nach Süden voran, weil eben die Zirkulation des Höhentiefkomplexes über dem Mittelmeer mehr und mehr dagegen hält. Gleichzeitig hat sich die Nordatlantikwelle weiter vertieft, die Warmluftzufuhr an ihrer Vorderseite baut ein Hoch über Norddeutschland auf, das in weiterer Folge den Rest des Kaltluftvorstosses rasch nach Osten abdrängt.

Am Montag .....


lagert die Luftmassengrenze nach wie vor inaktiv irgendwo knapp südlich der Alpen, während die Nordatlantikwelle mittlerweile Norwegerin geworden ist und eine Kaltlfront aus Nordwesten gen good old Europe steuert.... die aber...


am Dienstag zunehmend verwellt.... statt Durchmarsch etabliert sich an der Vorderseite der verschmelzenden Systeme (Heirat Atlantik-Mittelmeer) zunehmend die Advektion feucht-milder Luftmassen aus dem Süden, was am Mittwoch in folgendem Bild kulminieren könnte:


.. eine kräftige Frontalzone trennt Nord-Südorientiert hereinströmende Atlantikkaltluft über Westeuropa von Warmluft Nordafrikanischen Ursprungs über Osteuropa. Und diese Warmluft ist zunehmend instabil....




.. wie die Karten der äquivalentpotentiellen temperat sowie der CAPE zeigen. Bei angenommen Höchsttemperaturen von 20 Grad ohne Föhn und Volumseffekthilfe kein besonderes Wunder.


Das alles ist freilich erst einmal nur eine Geschichte von vielen. Selbstverfreilich kann sich bei dieser permanenten Verkettung von Ereignissen und Systemen bis zum Mittwoch noch viel ändern... dennoch ist der Trend ...

1) Abwehr des polaren Kaltluftausbruchs
2) Ablenkung des nächsten Kaltluftausbruchs nach Südwesteuropa
3) Aufsteilung der Strömung und kräftige Verschärfung der Temperaturunterschiede quer über Europa mit einem warmen Osten und kalten Westen schon ein paar tage in den Modellen erkennbar und es könnte damit für die vom Wetter seit letzten August schwer gestraften Flachländer doch einmal die glückliche Fügung von ersten zarten Anwandlungen von Äktschn Realität werden.


LG

Manfred

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