Mittwoch, 7. Dezember 2011

Kurzer Rück-und Ausblick ..

Hallo,

am Samstag war hier von einem giftigen Montagstief zu lesen. Was ist aus diesem an jenem besagten Montag geworden ?

Zoomen wir egoistischerweise auf Österreich ...



Das sind die Spitzenböen am Montag Abend bezogen auf die letzten 24 Stunden.

Man sieht 101 km/h in Mühldorf/Bayern, ein paar 70-er und 80 er in Oberösterreich, Salzburg und im Ausserfern, sowie 90 km/h in Wien. Also ganz ordentlich, wenn auch nicht allzu dramatisch.

Eschlkam, im Bayrischen Wald nördlich des Ausschnittes hatte allerdings 126 km/h, wobei die Talform dort mitgeholfen haben sollte...

Interessant war der Zeitpunkt des Auftretens der Sturmböen im guten alten Österreich.

Hier zwei Diagramme, eines von Enns / OOE und eines aus Wien-Wieden.




Man sieht in beiden Diagrammen den Durchgang der Front in aller Früh, (Drucktal), in Enns etwas früher, in Wien etwas später.

Mit dem ersten Auffrischen des Windes gab es aber an beiden Stationen hinter der FRiont keine allzu dramatischen Böen (40-er bzw. 68).

Auf einmal im Lauf des Vormittages, also zeitlich weit hinter der Kaltfront, gab es in Enns auf einmal 83, in Wien 90 km/h. Zu einem Zeitpunkt als der Höhenwind nachliess... wie das ?

In Enns zog ein Schauer drüber, in Wien zwar nicht, aber dafür kam die Sonne durch. Beide Phänomene haben eins gemeinsam: Sie erhöhen die Durchmischung der untersten Luftschichten und über die Turbulanz kann so die Höhenströmung besser heruntergemischt werden. Also: Nicht immer ist mit der Front alles vorbei...

Zu heute:


Aus Nordwesten zieht etwas auf uns zu.. nur was, das lässt sich nicht so genau aus dem Bild allein ableiten.

Drum fragen wir das Modell um Hilfe. Und da führe ich heute einen neuen Parameter ein, die Relative Topografie ein:


In Farben die Relative Topografie. Um diese zu erhalten subtrahiert man die geometrische Höhe der 1000 hPa Fläche von der der 500 hPa Fläche, berechnet also wie viele Meter 1000 und 500 hPa von einander entfernt sind.

Wir wissen, dass in Kaltluft der Druck mit der Höhe schneller fällt als in Warmluft, wenn die Luft kalt ist liegen also die Flächen näher beieinander als wenn es warm ist. Die Relative Topografie stellt somit ein Mass für die mittlere Temperatur in der unteren Troposphäre dar, und man kann sie also verwenden, um Fronten, wie oben dargestellt, zu finden.

Aus Nordwesten rauscht also derzeit eine Warmfront heran.... die gehört zu einer Polarfrontzyklone mit Kern über Schottland. Polarfrontzyklone, die Aussage lässt die Jetkarte zu:


Der Kern und mglws. ein zweiter Kern über der Nordsee liegen linksseitig eines Jetstreaks, aber nicht mehr in der optimalen Zone am linken Ausgang. Wir haben es also mit einer recht alten Dame zu tun.

Der Tiefkern verlagert sich bis morgen unter Abschwächung nach Polen, wie die folgenden Sequenz zeigt:





Für uns heisst das: Nach Warmfrontdurchzug heute Vormittag folgt am Abend rasch die Kaltfront, der Westwind frischt alpennordseitig stürmisch auf und kann in der zweiten Nachthälfte sowie morgen in der Früh wirklich ruppig werden ...


Die Karte zeigt eine empirische Wahrscheinlichkeit für Böen über 90 km/h morgen um 7 in der Früh. Neben den Böen gibt es noch etwas interessantes zu sehen. Das Wellenmuster des reduzierten Bodendrucks im Lokalmodell... was ist das ? Modellfehler ?

Ganz und gar nicht. Es ist der Fussabruck von Schwerewellen im Modell, die bei halbwegs stabiler Schichtung und geschertem Windprofil zwingend auftreten müssen. Bekannt sind Schwerewellen vor allem von Fotos von Föhnfischen. Die Amplitude der Wellen auf dem Bild (etwa 1 bis 2 hPa) entsprechen dem Wert den man bei Schwerewellen erwarten würde, die Frequenz, die mit man Barografen messen kann liegt bei ein paar bis 30 Minuten ... Optisch wäre es auf der Karte vielleicht besser, diese auszubügeln... aber das geht halt nicht.. und.. die Wahrhheit ist dem Menschen zumutbar :)

Also: morgen in der Früh den Regenschirm in der Osthälfte zu Hause lassen, es gibt die nicht verschwindende Wahrscheinlichkeit, dass er es nicht überlebt.

Lg

Manfred

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