Freitag, 4. Oktober 2013

Herbstliches Strickmuster

Hallo,

wie schon befürchtet sind die dynamischen Entwicklungsmöglichkeiten der groß- und kleinräumigen Wettermuster im Oktober bei uns tendenziell (eher) beschränkt.

Um dennoch ein paar interessante Dinge zu finden muss man in Zentraleuropa dann schon in solchen "Abfällen" wie Inversionen und Kaltluftseen bohren. Zweifelsfrei stösst man dabei - wie in den meisten Mistkübeln - dennoch immer wieder aber auch auf brauchbare .. äh- blogbare Dinge. Wie z.B heute Nacht.

Die Situation:


Über die Frontenlegung kann man im Detail diskutieren, vor allem, wie man mit dem Wolkenschirm vor Skandinavien umgeht ... da mir dieser aber fürs erste recht wurscht ist, soll uns mit obiger Karte erst mal gedient sein.

Ein alternendes Tief schleppt seinen verwellenden Frontenzug von der Iberischen Halbinsel gen Nordosten. Ganz im Osten sieht man noch die Reste des ausgeprägten Tiefdruckwirbels, der Osteuropa einen der kältesten Einstände in den Oktober seit Jahren beschert hat.... und dazu zählt unter anderem auch die Osthälfte der Alpenrepublik.

Das selbe Bild mit Falschfarben-IR und äquivalentpotentieller Temperatur im Hintergrundfeld verdeutlicht dieses:


Die Grüntöne rücken an der Westflanke dieses Höhenwirbels mit seinem Kern über der Ukraine weit nach Süden und Westen. die zarten Lilatöne des Atlantiks haben in den zentralen und östlichen Teilen des Kontinents nichts zu melden. Dazwischen liegt eben jenes Frontensystem, das nun schon okkludierend auf den Westen Deutschlands übergegriffen hat und auch gerade eine neue Welle an der Grenze zwischen Spanien und Frankreich hervorbringt, die im Lauf des Samstags und Sonntags das killen wird, was sich gerade begonnen hat einzustellen:

Föhn in den Alpen sowie anderen zentraleuropäischen Mittelgebirgen.

Föhn ? Wo ? ... Nun .. einen Abdruck des Föhns finden wir momentan in den Temperaturen, machen wir mal einen Abstecher ins Heilige Land Tirol:



Zu sehen ist die *echte* und die äquivalentpotentielle Temperatur. Man sieht von Innsbruck westwärts eigentlich durchwegs Minimumtemperaturen von 10 Grad und mehr, gipfelnd in den höheren Tallagen, z.B Landeck 13.4 und Sonthofen 14.6°C Gut, der einigermaßen dichte Wolkenschirm der Warmfront hat gröbere Ausstrahlung verhindert, das es dennoch der Föhn ist, zeigt sich daran, dass dieser Schrim auch über dem Deutschen Alpenvorland liegt , dort aber nur 3-5 Grad gemessen werden.

Gegensätzlich dazu die ThetaE Werte in Landstrichen, die eher Post aus der Ukraine bekommen:


ThetaE Werte von 8 bis 12 würden im Fall von Niederschlag bedeuten, dass es bis Meeresniveau schneien würde. Zum Glück sind wir aber in einem Hoch und da ist von Niederschlag keine Rede... wär ja noch schöner.

Weiters sollte man den Föhn auch im Wind finden ... laut Modellen in jedem Fall:


Da sieht man im Lokalmodell so mehrere Strakwindinseln vorhergesagt.... im Wesentlichen stets stromab von markanteren Gebirgs- oder Hügelketten. Da Modelle ja im Einzelfall dazu neigen, eine recht eigentümliche Sicht der Wahrheit zu entwickeln, ist der Blick in die Beobachtungen als ultimatives Korrektiv da schon noch angesagt:



Man sieht, wie z.B der Alpenostrand kräftig von der Kaltluftsuppe aus Süden überströmt wird, genauso ist Sachsen derzeit eine zugige Ecke, weil die Kaltuft aus dem Böhmischen Becken durch die Scharten und über der Gipfel der Randgebirge drückt.... da sind auch ganz nette Böen dabei:


60 bis 80 km/h bei 2-4 Grad bedeuten schon einen netten Windchill Effekt....

Alles nicht überraschend und diese Windsituation ist in den betroffenen Gebieten nördlich des Erzgebirges, im Fichtelgebirge etc .. Bayerwald auch seit Jahrhunderten als der *Böhmische* verschrien und verflucht.

Einer der neuen Druckgradienten, jener zwischen Prag und Dresden spingt auch darauf an:


.. und der zeigt uns auch gleich an, wann die langsam nach Osten schreitende Kaltfront durch eine Umkehrung des Druckgradienten dem Trauerspiel ein Ende bereiten wird, nämlich morgen im Tagesverlauf.

Was folgt darauf ? ... Kurz und Bündig: Nix Besonderes (wettertechnisch :)


In diesem Sinne wünsche ich einen erbaulichen Freitag !

Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Für Föhnanalyse wäre theta geeigneter als thetaE, da die thetaE in den Tälern durch den leichten Warmfrontniederschlag erhöht wurde. Ich denke auch das diese hauptverantwortlich für die hohen Tmin ist (abgesehen den erwähnten Orten + Wipptal). Bei Taupunkten um 10°C kann es mit bei der dichten bewölkung kaum kälter sein.
    http://weather.uwyo.edu/cgi-bin/sounding?region=europe&TYPE=GIF%3ASKEWT&YEAR=2013&MONTH=10&FROM=0400&TO=0412&STNM=lowi

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    1. Hallo,

      man konnte es mir nie 100%ig erklären warum man thetaE gegenüber theta beim Föhn hintenanstellen sollte. In der Theorie sollte es ja so sein, dass im Fall von Regen da TP nach oben, T nach unten gehen sollte und das Ergebnis sollte mehr oder weniger neutral sein, da sich ja die feuchte statische Energie nicht ändert... Man sieht den effekt an der Station Patsch gegen 8Z Nachts Südostwind und ein Spread von 5K, um 08 und 09Z leichter Regen, Temperaturabfall, aber ThetaE konstant.... mit dem gleichen Wert wie am brenner oder in Steinach, ich bin also auch jetzt nicht 100% ig überzeugt :) Jedenfalls natürlich hat die Bewölkung mitgeholfen, interessant ist - und darauf wollte ich ja hinaus, dass die selbe Anfeuchtung unter gleich kompakter Bewölkung ja auch im westlichen Deutschen Alpenvorland stattgefunden hat, dort aber die Minima bei 5 Grad lagen, Mittenwald hatte dazu in der Nacht bis zu 30km/h Mittelwind aus Süd... wenn nun also ThetaE Luv und leeseitig gleich ist (was der Fall war..) auch das Alpenvorland unter dichten Wolken war... was ist dann der Helfer in den Alpen um die TMIN um bis zu 8K höher zu halten ?

      LG

      M.

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  2. Hallo,

    also meine Meinung zu den unterschiedlichen Tmins:
    - ich habe zugestimmt das es den Föhn gab. So auf den schnellen Blick vom Reschen bis etwa Landeck und im Wipptal und vermutlich wohl auch noch im bayerischen Alpenrand (die 30km/h in Mitenwald klingen überzeugend). Im Inntal (abgesehen von Landeck) gab es aber recht eindeutig keinen föhn, sondern schwache talein- und auswinde. Es war einfach zu stabil.
    - höhere Tmax inneralpin als im vorland (hier, IBK waren es 20°C; im Alpenvorland nur so um die 15°C.
    - die kaltluft im vorland war recht seicht (sieht man zb.im münchen temp), von der der kälteste teil wohl gar nicht in die alpen reingekommen ist.
    - die Taupunkte waren aber wohl der wichtigste Faktor: z.b. nehme man die von gestern 18 Uhr: im Inntal 8°C, in münchen 2°C, Obersdorf 12°C. Da hat sich schon vom Westen her langsam die wärmere luftmasse durchgesetzt. in BaWü gabs ja auch so "milde" tmin wie in den alpen.

    FÖHN:
    "Man sieht den effekt an der Station Patsch gegen 8Z Nachts Südostwind und ein Spread von 5K, um 08 und 09Z leichter Regen, Temperaturabfall, aber ThetaE konstant"
    genau das ist doch das problem: nach dem regen ist patsch kälter geworden, d.h. die föhnluft kann nicht mehr bis zu dieser station absinken weil die TROCKENadiabatische durchmischung nicht mehr gegeben ist(falls diese gleich warm geblieben ist). Die Föhnluft wird zwar durch den verdunstenden niederschlag auch gekühlt (dimmerföhn). Die luft im tal hingegen koppelt dann irgendwann von der föhnströmung ab und kühlt richtung feuttemperatur ab. Damit die Föhnluft feuchtadiabatisch absinkt müsste es schon sehr stark regnen (diese müsste ja ständig bis zu sättigung angefeuchtet werden), so dass man dann nicht mehr von föhn sprechen würde.
    Man könnte sich ja auch eine Anfangssituation vorstellen wo im Tal kalte, aber sehr feuchte Luft mit relativ hoher thetaE lagert, wobei oben drüber der föhn der absinkt zwar wärmer ist (also nicht bis ins tal absinken kann), aber um so viel trockener dass seine thetaE geringer ist.
    Das gleiche "problem" gibt es ja auch bei Gewitter nur umgekehrt: da kommt es ja auch oft vor das am boden die höchsten thetaE sind, aber diese Luft trotzdem nicht nach oben (wo die thetaE niedriger ist) aufsteigen kann, da dazwischen eine inversion liegt. => thetaE gibt keinen aufschluss darüber ob sich luftpackete vertikal bewegen können.

    Das ist so meine Überlegungen wieso thetaE für föhnanalyse ungeeignet ist, hoffe das ich da keinen fehler drin hab und es einigermaßen verständlich ist was ich meine :)
    In der Literatur hab ich auch noch nie gelesen, dass jemand über thetaE versucht hätte föhn zu analysieren. Da wird immer thte genommen.

    lg
    David

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    1. ...auf der thetaE karte: was ist das für eine station mit den 42°C, Kematen? ist ja höher als im wipptal und trotzdem sinkt die föhnluft nicht dort runter.

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    2. Hallo,

      Argumentation verstanden, ein paar Haken hat's ;)

      1 - Was sinkt ab / was nicht aufgrund von Theta .... Wir einigen uns darauf, dass wir versuchen eine Aussage über die potentielle Dichte zu treffen, da die ja gemäß Archimedes darüber entscheidet was schwimmt und was sinkt ... Ich kann ohne Taschenrechner nicht feststellen, was dichter ist: 13 über 8 oder 12 über 10. Wenn du automtatisch sagts, dass 13 über 8 die weniger dichte Luftmasse ist, schmeisst du ja z.B das ganze Drylinekonzept über den Haufen (unterschiedliche Gaskonstanten abh. vom Dampfgehalt). Hierbei hilft uns also weder Theta och thetaE zu einer Sofortaussage. Die Sofortaussage zu der mit ThetaE in dem Rahmen hilft ist di zu sagen: Ich kann zwar nicht feststellen ob dort GERADE JETZT Luft abgesunken ist, ich kann aber bei einem hohen Wert sagen, dass die Luft dort eine föhnige Historie hat. In Theta sehe ich jedoch *nur* dass es dort momentan gerade mglws kälter ist, weil es regnet.

      2 - denken wir an den Klassiker (den es selten genug gibt). Kondensation am Scheitel, sogar mit ausfallendem RR im Luv. Da ist Theta im Lee deutlich höher als im Luv, ThetaE u.U gleich. Dabei kann mir Theta allein mglws eine falsche Spur (absinken aus zu hohen Leveln) des Weges der Luftpakete geben, während das Konzept von ThetaE mehr darauf ausgelegt ist ein *Mascherl* für die Luftmasse zu sein. Warten wir mal auf den nächsten extremen Dimmerföhnfall im Gasteinertal und schauen uns dann Obervellach-Mallnitz-Böckstein-Bad Gastein an, eines der schönsten Dimmerföhnsets der Alpen.

      3 - Die Station mit den 42 ist Hochzirl. Ob der Föhn dort abgesteigen ist oder nicht ... kann ich nicht sagen, hab ich mir nicht angesehen.

      4 - Beim Schreiben dieser Zeilen ziehe ich den folgenden Schluss... was man sich eigewntlich an Stelle der Hilfsgrößen Theta und ThetaE ansehen sollte, ist die Analyse der potentiellen Dichte unter Einbeziehung aller Gaskomponenten. Dann muss man nicht mehr mutmassen was denn nun dichter oder weniger dicht ist sondern hat es *schwarz auf weiß* ..

      Lg

      Manfred

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  3. Hallo,

    ja du hast recht ganz korrekt wäre die virtuell potentielle temperatur. Da sich aber die virtuelle von der echten Temperatur nur um paar zehlte unterscheidet, hat sich wohl theta bewährt (oder oft einfach die trockene laps rate von 10K/km).

    Da wo der föhn wirklich weht da muss thetaE genau so gut gehen wie theta. Ich denke das einfach thetaE zu gefährlich ist wenn es abgekoppelte feucht-kalte täler gibt. Das sieht man auch auf deinen gepostetet karten wenn man jetzt genauer hinschaut: thetaE in (Ellbögen?) 38°C, in IBK auch 38°=> föhn geht bis IBK ?!
    Auch wenn man die 39°C von steinach nimmt, wenn nur noch 1 K fehlt, dann bricht der föhn immer durch, weill dann das bisschen was noch fehlt turbulent durchmischt wird (sieht man immer gut an dem steilen Temperaturanstieg im 1, 2 K bei föhndurchbruch).
    An der Temperaturkarte sieht man aber dann das ibk um 6K zu kalt ist für föhn (500 hm tiefer als ellbögen/wipptal, also +5K nötig).

    2 - das würde so nur mit der thermodynamischen föhntherorie funktionieren, welche ja nachgewiesenermaßen die realität nicht so ganz triff. Im Luv ist theta IMMER höher als im Lee, weil die Luft aus dem Luv (z.b. mallnitz) nicht über den berg kommt (blocking) da diese Luftmasse immer stabil geschichtet ist (blocking).

    4 - ganz "schwarz oder weiß" wird man es nie haben, denn es gibt immer physikalische vorgänge die die föhnluft auf dem weg zur talstation modifizieren (einmischen wärmerer luft von weiter oben, strahlung, nachts einmischung von kälterer luft aus seitentälern, ...) und dann gibt es noch messfehler...


    lg David

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    1. Ok, es geschehen noch Zeichen und Wunder, ich gebe Dir recht, dass nach Angabe dieser ganzen Argumente Theta zum Aufspüren des Föhns besser geeignet ist. Innerlich zaudere ich noch ein wenig, da im obigen Fall ja z. IBK durch die Äquivalenz in ThetaE genau genommen in der selben Luftmasse liegt wie z.B Steinach (wo es föhnig war und auch Patsch, wo es exakt 6K wärmer als am Brenner war .. 10K/km). Das als Kaltluft zu bezeichnen, das geht irgendwie nicht so ganz. Egal.. man kann ja auch über solche Dinge wie lokale Feuchteproduktion etc. pp. nachdenken. Im übrigen hab ich mir auch schnell mal einen *Dimmerföhn*fall rausgesucht, den man mal genauer unter die Lupe nehmen sollte...... 10-11.11.2012... sehr eindrucksvoll an vielen Stationen mit Theta und ThetaE sowie TP auf gleicher Höhe nach Norden hin steigend.

      UUUnd... eine kleine Einschränkung möchte ich noch anbringen. Classico/Blockieren/Bora/Gap/etc... ich hab ein Bild davon und was wo eher als Erklärung zum Einsatz kommt... dennoch gibt es (gar nicht so wenige) Fälle wo man Föhn hat, Theta aber im Luv und lee gleich ist. Es sind z.B viele Fälle bei voll durchmischter Atmosphäre... vielleicht nicht in IBK aber z.B am Alpenostrand (Sommertyp, Wechselföhn etc. pp.)

      LG Manfred

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  4. Dann freu ich mich schon auf die erste theta-Karte bei der nächsten föhnlage auf der man endlich etwas sieht :)

    ".... im obigen Fall ja z. IBK durch die Äquivalenz in ThetaE genau genommen in der selben Luftmasse liegt wie z.B Steinach.... Das als Kaltluft zu bezeichnen, das geht irgendwie nicht so ganz. "
    wie gesagt konnte die Föhnluft trotz der gleichen thetaE nicht nach ibk absinken. Als Kaltluft bezeichne ich das weil ich es mit aus der Sicht von theta sehe.

    " Steinach (wo es föhnig war und auch Patsch, wo es exakt 6K wärmer als am Brenner war .. 10K/km"
    Brenner ist immer deutlich kälter als die Föhnluft im Wipptal, da diese von dem breiteren einschnitt auf Sattelberghöhe kommt. Unten am Brenner kommt durch den engen einschnitt nur ein fast vernachlässigbar kleines luftvolumen durch.


    "dennoch gibt es (gar nicht so wenige) Fälle wo man Föhn hat, Theta aber im Luv und lee gleich ist."
    Eigentlich müsste theta im Lee nach allen mir bekannten Theorien zumindest etwas höher sein als im Luv (einzige erklärung die mir einfällt könnte überadiabate im windschwächeren Luv sein ?). Vielleicht kannst du ja mal ein beispiel posten wenn es wieder mal so etwas gibt.


    lg David

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !