Hallo,
die Überschrift ist natürlich nur wetterpolitisch zu verstehen :) . Der heuitige Eintrag erfolgt, weil es wirklich Hoffnung gibt, dass das derzeitige Hochdrucktrauerspiel über Europa seinem Ende zugeht.
Die aktuelle Situation:
Etwas verworren, drum wollen wirs aufdröseln. Südostlichz von Grönland liegt der Kern eines umfangreichen, gealterten Tiefs, vor Gibraltar ein hochkonvektives, beinahe Frontenloses Höhentief. Über Mitteleuropa sieht man noch das Hoch, allerdings schon geschwächt von einem zarten Trog quer über Deutschland. Das für Österreich interessanteste System befindet sich allerdings vor der Norwegischen Küste. Ein schwaches Frontensystem, das zunächst auf Ostkurs ist, aber ab Wochenmitte unser Wetter maßgeblich, wenn auch nicht mit dramatischen Auswirkungen beeinflussen wird. Dennoch, es könne Flocken rieslen lassen.
Die Höhenströmungskarte dazu:
Auf der Jetkarte findet man all die oben genannten Elemente wieder. Das System vor Skandinavien ist beispielsweise durch einen schwachen Kurzwellentrog repräsentiert...
Schauen wir uns an, was es im GFS über die nächsten zweieinhalb Tage macht...
Bis heute Mitternacht kommt der Trog zur Ostsee voran, allerdings sieht man auch, dass die Ostwärstbewegung nicht mehr haltbar ist. An seiner Rückseite weht nun ein starker, direkt nach Süden gerichteter Jet, eine Folge der Verstärkung des Hochkeils über der Nordsee, der wiederum vom Islandtief aufbaut wird. Klassisches Downstream Development. Der Trog kann also gar nicht mehr anders als nach Süden vorszustossen...
Was er bis Dienstag Mitternacht auch macht. Dabei verkürzt er seine Wellenlänge und schnürt sich zunehmend ab...
Bis Mittwoch Mitternacht haben wir ein abgeschlossenes Höhentief über Polen, einen Kaltlufttropfen, der nun an der Südflanke des Skandienavienhochs nach Westen wandert und an seinem Südrand auch den Alpenraum streift.
Was nun tatsächlich aus dieser Situation wird, ist unklar. Tatsache ist, dass es im Bereich eines Kaltlufttropfens zu Hebungsvorgängen kommen kann, insbesondere auf seiner Rückseite, das ist in diesem Fall seine Ostflanke. Hier gleitet milde Luft aus Süden über den Kaltluftkörper auf, und die Bodentemperaturen sind im Bereich der Kontinentalluft teils im Frostbereich:
Tatsächlich gibt es bei der Konfiguration im GFS später Niederschläge an der Ostseite an der Höhenwarmfront des Tropfens...
.. solche würden dann nach Wochenmitte als Schnee fallen.
Gut, jetzt muss man natürlich wieder zurückrudern. Obwohl ein ähnlicher Wetterablauf in vielen Modellen zu finden ist, ist der Kaltlufttropfen sehr sehr klein und mit dem entsprechender Vorhersageunsicherheit behaftet. Das heisst, er kann sich ganz anders entwickeln... und das hier Gesagte kann schon in 12 Stunden wieder verfallen sein.
Das weitaus wichtigere ist... hintenraus besteht keine auch nur irgendwie geartete Chance auf winterliches Wetter, denn der Atlantik beginnt immer stärker zu brodeln, wie man auf der Samstags-Jetkarte schön sieht:
Man würde hier vermuten, dass die Tendenz in Richtung einer zyklonal angehauchten Vorderseitenlage vor einem Ostatlantikmonstrum mit übernormalen Höhentemperaturen und auch deutlicher Südföhnneigung geht. Das kann kein Kaltlufttropfen verhindern, würde ich jetzt meinen.
Succus: Hoch ade, was allerdings nachkommt ist mit Ausnahme eines 48-stündigen Intermezzos als nicht wirklich winterlich zu bezeichnen, und auch der Trockenheit wird es auf weiteres keine Abhilfe leisten ...
Lg
Manfred
Sonntag, 20. November 2011
Donnerstag, 17. November 2011
Qualität von Wettermodellen im Vergleich
ich glaube, der Blog geht wettertechnisch in seinem 2-jährigen Bestehen durch eine seiner schwierigsten Phasen.
Die derzeitige Wetterlage über Mitteleuropa im speziellen Österreich, ist zwar rekordverdächtig (siehe die anhaltende Trockenheit, die vor allem im Westen des Landes um diese Jahreszeit beinahe konkurrenzlos dasteht), aber nichts desto trotz rekordverdächtig langweilig. Hochdruck bis zum Abwinken, wenn man so möchte Hochdruck bis beinahe zum Ende des Vorhersagezeitraumes der derzeit prominentesten Wettermodelle ECMWF und GFS.
Die beiden Produktbezeichnungen sind das Stichwort zum heutigen Eintrag.
Oftmals wird vom ECMWF gesagt, es sei das weltweit beste und verlässlichste Wettermodell und dabei wird auf eine oder eine ähnliche Grafik verwiesen:
Was ist hier zu sehen ? Auf der unteren Achse verläuft die Vorhersagezeit in Stunden. Im oberen Teil der Grafik ist der mittlere quadratische Vorhersagefehler einzelner Modelle über alle Gitterpunkte der Welt gemittelt für die Vorhersage der Höhe der 500 hPa-Fläche dargestellt. Je geringer der ist, desto 'besser' ist das Modell. Zu allen Vorhersagezeiten hat das ECMWF hier die Nase vorne.
Was die Grafik allerdings nicht aussagt, ist die Bedeutung der Höhe der 500 hPa für die tatsächliche Vorhersage bzw. die Wettererscheinungen.
Fehlvorhersagen können z.B aus 2 Quellen rühren:
1 - die Höhe wird systematisch falsch berechnet. Das ist halb so wild, da die Höhe allein kein relevantes Merkmal ist.
2 - die Position der Tröge und Keile wird falsch berechnet. DAS ist der gravierendere Teil. Das Modell, dass die Tröge und Keile besser vorhersagt hat auch die Nase vorn bei der Vorhersage der Wettererscheinungen, die für uns Erdenbürger relevant sind. Denn nicht auf die richtigen Absolutwerte kommt es an, vielmehr auf die richtigen Differenzen oder Gradienten.
Schauen wir uns also ein Vergleichsfeld an. Wie sieht die obige Aussage für die Temperatur z.B in 850 hPa aus ?
Auch hier hat das ECMWF die Nase vorne. Zum unteren Teil der Grafik: Hier werden die anderen Modelle im Vergleich zum GFS ausgewertet. Kurven unter 0 und ausserhalb der abgebildeten Kasteln sind statitisch hochsignifikant (besser) und Kurven oberhalb 0 und ausserhalb der Kasteln sind statistisch hochsignifikant schlechter.
Schränken wir beide Vergleichsgrössen auf die dicht besiedelte Nordhemisphäre ein:
Hier liegen für die Betrachtung der 500 hPa Fläche beiden Modelle näher aneinander und nähern sich auf große Vorhersagedauern an.
Wie sieht es bei der Temperatur aus ?
Hier fällt der Unterschied noch geringer aus...
Zusammenfassend: Auf der Nordhemisphäre nehmen sich die beiden Modelle nicht allzuviel.
Gehen wir in die Tropen (jetzt beide Grafiken hintereinander)
Hier ist das GFS in der Temperaturprognose besser, in der 500 hPa Prognose sind beide gleich gut.
Weils interessant ist: In der 1000 hPa Temperatur-Prognose ist das GFS um Welten besser als das ECMWF:
Nun zur Südhemisphäre:
Hier macht das ECMWF also den entscheidenden Schritt, mit Recht den Ruf als das beste Wettermodell zu tragen. Wohlgemerkt NICHT in den Tropen, nur EINGESCHRÄNKT auf der Nordhemisphäre, aber absolut eindeutig auf der Südhemisphäre. Wie das ?
Nun, das Wetter funktioniert auf der Südhemsiphäre nicht anders, und durch das viele Wasser mag man glauben, das Wetter sei noch viel einfacher gestrickt als auf der NH.
Das viele Wasser und die Antarktis haben einen ganz anderen, negativen Einfluss: Es gibt auf der Südhalbkugel nur vergleichsweise sehr wenige Beobachtungsdaten von Wetterstationen, Radiosonden und anderen Beobachtungsinstrumenten. Hier kommen dem ECMWF, ohne das jetzt im Detail eruiert zu haben, seine sehr umfangreichen Algorithmen zur Initialisierung als wohl auch die kleinere Maschenweite voll zu Gute.
Zusammenfassung:
Erstens und immer gilt: Glaube keiner Statitik, die du nicht selbst gefälscht hast. Dennoch traue ich mir nach Durchsicht der Grafiken für die letzten 30 Tage folgende Schlüsse zu:
- Auf der Nordhalbkugel ist das ECMWF im Vergleichszeitraum zwar das bessere, aber nicht allzu signifikant bessere Modell in der Mittelfrist.
- In den Tropen gewinnt das GFS das Rennen für sich.
- Auf der Südhalbkugel Sieg auf allen Linien für das EZ.
Irgendwie witzig, dass sich die Investitionen der Europäer im Bereich der Wettervorhersage vor allem für die Mets auf der Südhalbkugel auszahlen. Na ja, ist vielleicht auch eine ganz ganz ganz geringe Kompensation dafür, dass gerade die Europäer zu Kolonialzeiten nicht gerade nett zu den Bewohnern der SH waren ...
Anbei noch der Link zu der NCEP-Seite, die die Modellvergleiche regelmässig und laufend durchführt:
http://www.emc.ncep.noaa.gov/gmb/STATS_vsdb/
Lg
Manfred
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