Hallo,
Der Winter 2010/2011 zeichnete sich in Europa durch nicht allzu viel aus, bis auf den strengen Dezemberwinter in Teilen Nord- und Nordwesteuropas. Andere Regionen der Welt blicken auf die Monate November 2010 bis April 2011 mit Angst und Schrecken zurück, allen voran Indonesien, Papua-Neuguinea und weite Teile von Australo-Ozeanien. Damit verbunden zwei Worte: La Nina.
Die kalte Schwester von El Nino zeichnet sich durch eine Absenkung der pazifischen Wassertemperaturen westlich Südamerika aus, im Gegenzug stiegt die Wassertemperatur im westlichen Pazifik deutlich an, mit teils gravierenden Auswirkungen.
Das kalte Wasser unterdrückt die Konvektion im zentralen Pazifik, die Gewitter bleiben aus, rund um Fidschi herrschte und herrscht immer noch teils katastrophale Trockenheit.
Im Gegenzug wird die Konvektion über dem Westpazifik durch die hohen Wassertemperaturen angetrieben, Ostaustralien und hier allen voran Queensland blickt auf eine Serie von verheerenden Überschwemmungen zurück. Nicht nur das, auch die Brodelküche für Pazifische Zyklone wird durch La Nina nach Westen verschoben, näher an Australien und Indochina heran. Kat4 Zyklon YASI war das beste Beispiel dafür. Hier, und das wissen die Leute auch, kann man nach El Nino und La Nina die Uhr stellen. El Nino bedeutet Dürre im westpazifischen Raum, La Nina Land unter.
Das unsignifikante Europawetter zu Zeiten der starken letztjährigen La Nina Phase spiegelt die Meinung der Wissenschaft wieder. Man tut sich schwer, einen generellen Zusammenhang von La Nina und El Nino Phasen zu charakteristischen Entwicklungen im Europäischen Wettergeschehen zu sehen. Allenfalls fand man einen gewissen Zusammenhang zu einer Verstärkung der winterlichen West-Jets über good old Europe, eben mit verstärktem Hang zu atlantischen Orkanen (z.B Kyrill) heraus.
Über den USA ist der Durchgriff der ENSO stärker als in Europa, die Meteorologen des NCEP sprechen oft von einer Dipolbildung über Nordamerika bei La Nina: Einem zu warmen Süden steht in einem La Nina Winter ein zu kalter Nordosten gegenüber. Das heisst, die Aussichten auf mehr North-Easter Zyklonen mit Schneemassen an der nördlichen Ostküste sind in einem La Nina Winter nicht schlecht, wem es halt gefällt.
Waren die Langzeitvorhersagen von La Nina und El Nino im April noch optimistisch dahingehend, dass sich La Nina normalisiert, was die böse Tochter auch bis September tat, so schlägt das Pendel jetzt wieder in die andere Richtung. In den letzten 4 Wochen sind die Wassertemperaturen westlich Peru um teils mehr als 1 Grad gefallen, die Prognosen für die kommende Sommer (bei uns Wintersaison) sind pessimitisch: Es wird abermals zu einer La Nina Saison kommen, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt, wie letztes Jahr:
So sieht es beispielsweise das Ensembleforecastsystem des NCEP. Nicht viel besser sieht der Forecast von verschiedenen, voneinander unabhängigen Modellen, hier veröffentlicht beim ECMWF aus:
.. Die Dürre über Zentralozeanien wird vermutlich schlimmer, der Ostküste Australiens stehen auch in dieser Sommersaison mit hoher Wahrscheinlichkeit feuchte Verhältnisse ins Haus und die pazifischen Zyklone werden wieder tendenziell weiter im Westen und damit näher an Australien und Papua-Neuguinea entstehen.
Aufgrund dieser recht eindeutigen La Nina Vorhersage wird der Klima-Ausblick auf den Europäischen Winter umso uneindeutiger, und umso schwächer und wertloser werden Langzeitvorhersagen, die in den kommenden Tagen wieder durch den heimischen Blätterwald segeln werden.
Die neutralen Klimamodelle reagieren nämlich mit sehr ambivalenten, schwer interpretierbaren Vorhersagen. Das Charakteristischte dürfte hierbei der Hang zu Hochdrucklagen über Zentraleuropa im November (das zeichnet sich ja jetzt ganz deutlich auf den Wetterkarten ab) und auch im Dezember sein. Hochdruck im Dezember geht zwangsläufig mit unternormalen Bodentemperaturen einher, ein Wintertraum ist das aber bei fehlenden Niederschlägen fürwahr nicht. Wir verwenden den wenig freundlich klingenden Namen KAHLFROST dafür. Für den Jänner und Februar verschwinden charakteristische Signale im Moment komplett, es ist schlicht und einfach keine Aussage zu treffen.
Für die Interessierten hier ein paar Links zum NCEP:
Die aktuelle La Nina Diskussion: (wird immer upgedatet)
http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/analysis_monitoring/enso_advisory/
Kartenportal für Saisonalprognosen des NCEP:
http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfs_fcst/
Das ECMWF stellt, der traurigen bis nahezu verwerflichen Haltung der Europäischen staatlichen Wetterdienste, der 100%-igen Finanzierung durch den Europäischen Steuerzahler und die Europäischen Wirtschaftstreibenden zum Trotz, in guter Tradition folgend für die Öffentlichkeit keine oder nur kaum Informationen zur Verfügung. Ein paar sporadische Karten kann man hier ergattern:
http://www.ecmwf.int/products/forecasts/d/charts/seasonal/
Dabei sind die gar nicht mal so schlecht, dass man sie verbergen müsste ...
Lg
Manfred
Dienstag, 15. November 2011
Sonntag, 13. November 2011
Die Wichtigkeit von Jetstreams - Hintergrundwissen
Hallo,
bevor ich ins Thema einsteige ergeht folgender Hinweis: Aufgrund einiger Anregungen .... (: .... Die Loops im Loopkastl sind nun in unterschiedlichen Geschwindigkeiten verfügbar (Slowfood/Fastfood) als Option auswählen und auf GO klicken !
Weiters werden aus Nutzerfreundlichkeit nur noch 2 Blogbeiträge auf der Startseite angezeigt, da ich normalerweise mit großen Bildern nur so urasse, sollte nun kein Browser mehr einfrieren.
ZUM THEMA:
es ist mir durchaus bewusst, dass ich manchmal mit Fachchinesisch ein bisschen über das Ziel hinausschiesse. Kein Problem, man kann ja versuchen, rückwirkend ein paar Dinge aufzugreifen und erklärenderweise noch einmal aufzubereiten.
Schon mehrfach habe ich im Zusammenhang mit den prominenten Zyklonentypen - Polarfrontzyklone und Shapiro-Keyserzyklone als Unterschiedungsmerkmal die Position des Tiefkerns relativ zum nächsten Jetstreak genannt. Dann mir die Leserschaft so abnehmen, vorstellen, warum das wirklich essentiell für viele Vorgänge in der Atmosphäre und damit auch in der Vorhersage ist, kann man es sich wahrscheinlich ohne nähere Erklärung nur schwer.
Zur Begriffsdefinition:
Ein Jetstream ist ein Starkwindband in der hohen Troposphäre, meist nahe der Tropopause, also in 8-12 km Höhe, je nach Jahreszeit. Er ist ein Phänomen der Subtropen und gemässigten Breiten.
Ein Jetstreak ist ein lokales Geschwindigkeitsmaximum entlang eines Jetstreams. Hier auf einem Bild:
Einen Jetstream sieht man hier von den Azoren über England nach Norden verlaufen, darin eingebettet befindet sich südwestlich von England ein lokales Geschwindigkeitsmaximum, ein Jetstreak.
Um zu verstehen, warum die Betrachtung der beiden so essentiell ist, muss man ganz zurück an den Anfang gehen und sich fragen, wie denn Wind und Druckunterschiede zusammenhängen und welche Fälle man da betrachten muss.
Hierzu bedient man sich in der Lehre zunächst eines sehr vereinfachten Modells, nämlich des geostrophischen Windes. Man geht davon aus, dass sich dieser Wind so einstellt, dass sich Corioliskraft (rechtsablenkende Kraft auf der Nordhalbkugel durch die Erddrehung) und Druckgradientkraft die Waage halten. Es resultiert ein Gleichgewichtswind:
ABER: Das gilt nur bei...
- Vernachlässigung der Reibung
- Geradliniger, zeitlich konstanter Strömung.
Summa summarum merkt man schnell, dass der gesotrophische Wind nur eine ganz grobe Approximation sein kann, da Strömungen bei uns zeitlich meist nicht konstant sind und auch Krümmungen aufweisen.
Krümmung ist ein gutes Stichwort. Ist die Strömung zwar zeitlich konstant, aber gekrümmt, so kommt eine weitere Kraft hinzu, die man einbeziehen muss: Die Zentrifugalkraft. So einfach wie beim Gradientwind ist das nun nicht mehr, da man jetzt eine Fallunterschiedung machen muss, und zwar zwischen zyklonal gekrümmter Strömung und antizyklonal gekrümmter Strömung.... was anhand der folgenden Grafik deutlich wird:
Damit einen schönen Sonntag nach Österreich,
lg
Manfred
bevor ich ins Thema einsteige ergeht folgender Hinweis: Aufgrund einiger Anregungen .... (: .... Die Loops im Loopkastl sind nun in unterschiedlichen Geschwindigkeiten verfügbar (Slowfood/Fastfood) als Option auswählen und auf GO klicken !
Weiters werden aus Nutzerfreundlichkeit nur noch 2 Blogbeiträge auf der Startseite angezeigt, da ich normalerweise mit großen Bildern nur so urasse, sollte nun kein Browser mehr einfrieren.
ZUM THEMA:
es ist mir durchaus bewusst, dass ich manchmal mit Fachchinesisch ein bisschen über das Ziel hinausschiesse. Kein Problem, man kann ja versuchen, rückwirkend ein paar Dinge aufzugreifen und erklärenderweise noch einmal aufzubereiten.
Schon mehrfach habe ich im Zusammenhang mit den prominenten Zyklonentypen - Polarfrontzyklone und Shapiro-Keyserzyklone als Unterschiedungsmerkmal die Position des Tiefkerns relativ zum nächsten Jetstreak genannt. Dann mir die Leserschaft so abnehmen, vorstellen, warum das wirklich essentiell für viele Vorgänge in der Atmosphäre und damit auch in der Vorhersage ist, kann man es sich wahrscheinlich ohne nähere Erklärung nur schwer.
Zur Begriffsdefinition:
Ein Jetstream ist ein Starkwindband in der hohen Troposphäre, meist nahe der Tropopause, also in 8-12 km Höhe, je nach Jahreszeit. Er ist ein Phänomen der Subtropen und gemässigten Breiten.
Ein Jetstreak ist ein lokales Geschwindigkeitsmaximum entlang eines Jetstreams. Hier auf einem Bild:
Einen Jetstream sieht man hier von den Azoren über England nach Norden verlaufen, darin eingebettet befindet sich südwestlich von England ein lokales Geschwindigkeitsmaximum, ein Jetstreak.
Um zu verstehen, warum die Betrachtung der beiden so essentiell ist, muss man ganz zurück an den Anfang gehen und sich fragen, wie denn Wind und Druckunterschiede zusammenhängen und welche Fälle man da betrachten muss.
Hierzu bedient man sich in der Lehre zunächst eines sehr vereinfachten Modells, nämlich des geostrophischen Windes. Man geht davon aus, dass sich dieser Wind so einstellt, dass sich Corioliskraft (rechtsablenkende Kraft auf der Nordhalbkugel durch die Erddrehung) und Druckgradientkraft die Waage halten. Es resultiert ein Gleichgewichtswind:
ABER: Das gilt nur bei...
- Vernachlässigung der Reibung
- Geradliniger, zeitlich konstanter Strömung.
Summa summarum merkt man schnell, dass der gesotrophische Wind nur eine ganz grobe Approximation sein kann, da Strömungen bei uns zeitlich meist nicht konstant sind und auch Krümmungen aufweisen.
Krümmung ist ein gutes Stichwort. Ist die Strömung zwar zeitlich konstant, aber gekrümmt, so kommt eine weitere Kraft hinzu, die man einbeziehen muss: Die Zentrifugalkraft. So einfach wie beim Gradientwind ist das nun nicht mehr, da man jetzt eine Fallunterschiedung machen muss, und zwar zwischen zyklonal gekrümmter Strömung und antizyklonal gekrümmter Strömung.... was anhand der folgenden Grafik deutlich wird:
Im Fall der Strömung um ein Tief wirken Zentrifugalkraft und Corioliskraft gemeinsam gegen den Druckgradienten. Da die Corioliskraft nur von Windgeschwindigkeit und Breite abhängt muss der resultierende Wind nicht so stark wie bei gleichem Gradienten aber gerader Strömung sein, da der Rest ja von der Zentrifugalkraft beigesteuert wird.
Um ein Hoch herum ists anders. Hier wirken Druckgradient und Zentrifugalkraft gemeinsam gegen die Corioliskraft. Mit dem selben Argument von oben muss nun der Wind umso stärker sein um die geballte Summe von Druckgradient und Zentrifugalkraft auszubalancieren. Dabei kann bei gegebenem Gradienten die Krümmung nicht beliebig groß werden, irgendwann ist die Strömung unbalanciert (Imaginäre Lösung einer quadratischen Gleichung) und das Hoch wird so lange abgebaut, bis Gradient und Krümmung wieder eine Balance zulassen.
Beim Jetstreak kommt nun auch noch die zeitliche Instationarität zu all dem gesagten hinzu. Aus der Sicht eines Luftmoleküls wird es beim Durchlaufen eines Streaks zunächst beschleunigt und dann abgebremst, womit sein Impuls so gut wie nie durch den Druckgradienten, Zentrifugalkraft und Coriolikraft balanciert werden kann, da sich das potentielle Gleichgewicht mit jeder Sekunde ändert. Die Strömung wird dadurch ganz stark ageostrophisch, das heisst es treten Bewegungskomponenten quer zu den Isobaren auf:
.. hier zwar auf Niederländisch, aber man versteht es :) G steht für dei Druckgradientkraft, C für die Coriliskraft, in Blau ist der Weg/Ablenkung des Moleküls dargestellt.
Als direkte Folge dieser Bewegungen quer zu den Isobaren kommt es zu einer ganz charakteristischen Verteilung von Divergenz (Auseinanderströmen) und Konvergenz (Zusammenströmen) in den hohen Luftschichten, es ergibt sich das klassische 4-er Muster mit Divergenz rechts hinten und links vorne.
Diese Div/Kon Verteilung in der Höhe steht natürlich mit den unteren Luftschichten in Verbindung, denn wo in der Höhe etwas netto auseinanderströmt, muss von unten Masse nachgeliefert werden, es herrscht Aufsteigen, die Konvergenz steht hingegen mit Absinken in Verbindung.
Genau daher kommt es, dass rechts hinten und links vorne ideale Bedingungen zur Intensivierung von Tiefs herrschen, an den anderen beiden Punkten jedoch Hochs gefördert werden.
Da nun wiederum die Stärke des Jets auch die Intensität der Fronten und der Hebungsvorgänge an diesen bestimmt, ist es wiederum klar, dass an der SHPK-Zyklone rechts hinten die Warmfront vom Jetstreak profitiert, an der Polarfrontzyklone die Kaltfront und dem entsprechend die Bewölkungsbilder der beiden Zyklonentypen so unterschiedlich ausgeprägt sind.
Zm Abschluss noch das Satellitenbild von heute Nacht, das Sükrü auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung als SHPK Zyklone zeigt, ein Schwammerl zum anbeissen ....
lg
Manfred
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