Montag, 8. Oktober 2012

Fronten im Doppelpack, viel Wasser im Westen

Hallo,

gestern Vormittag habe ich die letzte Etappe im doch recht zachen Flugplan von Melbourne nach Wien auf der Strecke London-Wien absolviert.

Dabei gab es zwei interessante Aspekte:

- Eine um 25 Minuten kürzere Flugzeit als sonst
- Frontbewölkung, aus der in sondererbarer Regelmäßigkeit Konvektions-Kohlköpfe- und zwar in Zugrichtung - aneinandergereiht waren.

Grund genug sich das Ganze genauer anzusehen.

Jeder Alpenbürger hat gestern ja etwas von einem doch recht markanten Kaltfrontdurchgang mitbekommen. SO hat diese Front aus der Vogelperspektive ausgesehen:

 

Jetzt richtet Euren Blick einmal auf den Bereich München bis Prag. Da sieht man in Rippenform angeordnet genau diese Konvektionselemente, die ich zuerest in Augenhöhe bestaunen durfte. Eine Reihe von Elementen, parallel zur Front, aber mit Ihrer Achse quer zur Front angeordnet.

Es gibt dafür keine super Erklärung, sondern nur konzeptionelle Modelle, die sagen, dass solche Strukturen auftreten, wenn ein Jet eine Front direkt überlagert oder kreuzt.

Das war ja der Fall:



Man sieht, dass der Rückseitenjet das frontale Wolenband genau dort kreuzt, wo diese Rippen dann aufgetreten sind.

Es abgesehen von diesen akademischen Betrachtungen abgesehen, auch eine sehr markante Front, hier das kombinierte Radar/Satellitenbild vom frühen Nachmittag:


Im Osten des Landes hat sich als Substruktur zum frontalen Regenband ein ganz schmales Band hoher Radarreflektivitäten ausgebildet, dessen Durchzug auch mit Sturmböen einherging. Das ist die Substruktur, eines so genannten schmalen Kaltfrontbandes (na no na ned) und kommt gerne bei diesem Typ Fronten vor, die in der Übergangsjahreszeit mit starken Jetstreams verbunden sind. Ganz ähnlich hat auch die Kaltfront des letzten uns gröber heimsuchenenden Surmtiefs EMMA Anfang März 2008  ausgesehen, nur dass der Durchgang des schmalen Bandes auch mit Blitzen verbunden war, wovon diesmal abgesehen wurde.

Markant war es allemal, hier im Meteogramm der Station Leiser Berge im Nordosten Niederösterreichs:


Und um die Kaltfront abzuschließen, hier noch ein Querschnitt von London nach Budapest quer durch die Front, Zeitpunkt gestern Vormittag:


Links ist London, rechts Ungarn. Dargestellt ist die relative Feuchte in Farben, die Winde, die Isothermen sowie die Vertikalbewegung, in gelben Stricherln: Aufsteigen.

Man sieht den scharfen Abfall der Temperatur vor allen in den unteren Schichten an der Frontline, einen markanten Windsprung von Südwest auf NordNordwest sowie starkes Aufsteigen an der Front. Passt.

Nun der Blick nach Westen und der ist ein für die Vorarlberger und Oberländer recht nasser:


Ihr seht nichts ? Na ja dafür bin ich ja da ;) Es handelt sich um das aktuelle Luftmassenbild. Man kann ganz gut sehen, wie das Ostatlantiktief in seiner Drehbewegung warme und energireiche Luftmassen nach Kontinentaleuropa lenkt. Zwischen dieser und den bei uns vorherrschenden Grüntönen liegt eine kräftige Warmfront, derzeit mitten über Frankreich. Diese kommt bis morgen langsam Richtung Westösterreich voran.


Hier folgt nun ein Prognosequerschnitt von Südwest nach Nordost quer durch diese Warmfront für den Dienstag zu Mittag:


Man sieht von rechts nach links kommend durch die Front einen kräftigen Temperaturansteig vor allem in den tieferen Schichten, die anderen Felder sind durch die Alpen ein bisserl gestört.

Anders als die letzte Kaltfront zieht diese Front aber nicht so einfach durch... ich zeige das im Schnelldurchlauf:



 Auf dem ersten Bild sieht es noch nach raschem Warmfrontdurchzug aus, schon am Dienstag um Mitternacht sieht man aber, wie sich eine Delle der Temperatur von Großbritannien her auf den Weg zu den Alpen macht. Es ist ein Randtief, das am Okklusionspunkt entsteht und an seiner Rückseite wieder der kühleren Luft aus Norden zum Vormarsch verhilft. Wir nennen das Warmfrontwelle.... in der weiteren Folge bleibt vor allem der Westen Österreichs immer wieder mehr oder weniger direkt unter der Frontalzone..








Was im Bereich der schleifenden Front zumindest am Dienstag und am Mittwoch, verbunden mit Weststau zu ordentlichen Regenemengen in den Modellen, hier sei RACE genannt, führt:


Die Simulation der Maxima ist natürlich unsicher, da hier 50 km auf und ab der Position der Front zu deutlichen Unterschieden führen werden, dennoch ist eine schleifende Front verbunden mit energiereichen Luftmassen in der Umgebung immer eine leicht brenzlige Angelegenheit.. man bleibt dran.

Lg


Manfred

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !