Freitag, 9. November 2012

Unheilige Zyklonenallianz: Föhnsturm und viel Wasser am Wochenende

Hallo,

die Großwetterlage in Europa gestaltet sich dieser Tage leicht repetitiv  (neunmalklug für *zur Wiederholung neigend*), was aber gerade mit dem Zoom auf die Alpen alles andere als gleichbedeutend mit 'langweilig' ist, ganz im Gegentum. Würde ich an der Alpensüdseite leben, würde ich mir so schnell keine Wiederholung der Ereignisse vom Wochenanfang wünschen. Doch leider genau danach sieht es aus.

Zur Einstimmung das aktuelle Infrarotbild, unterlegt, wie so oft mit dem Geopotential der 500 hPa Fläche:


Zwei Systeme springen ins Auge: Eine dicke Zyklone mit dem Zentrum bei Island, die eine formschöne Okklusion aus West bis Nordwest auf den Kontinent lenkt. Das andere relvante System für die nächsten Tage ist das recht zahnlos aussehende Tief vor der Küste Portugals. Es ist fürwahr ein uraltes Tief, lenkt aber an seiner Vorderseite sehr warme und auch energiereiche Luft aus Nordafrika nach Nordosten.

Man sieht diese beiden Systeme, bzw. was sie tun, auch ausnehmend schön in der aktuellen Verteilung der Äquivalentpotentiellen Temperatur in 850 hPa.


Zur Auffrischung: ThetaE ist ein Maß für die Gesamtenergie der Luft in einem Niveau, die sich aus innerer Energie , Energie der Lage und latenter Energie zusammensetzt, anhand dieser Größe kann man sehr gut verschiedene Luftmassen voneinander unterscheiden. Schön zu sehen die warme Zunge der Okklusion des Islandtiefs, wie sie sich um das Zentrum wirbelt, sowie der doch recht dicke Warmluftberg, den das Portugaltief langsam nach Norden schiebt.

Ab Morgen verschmelzen die beiden Systeme, was dazu führt, dass ie ehemalige Isländerin die Portugiesin in ihre Vorderseite einbettet und nach Nordosten, geradewegs hin zu den Alpen führt.

Diese Allianz ist es, die ich als für die Alpensüdseite als unheilig bezeichne, weil sie genau das en masse bringen dürfte, was keiner in Osttirol, Kärnten, der slowenischen Krajna nach dem letzten Montag wirklich braucht: Viel Regen bei einer Schneefallgrenze im Hochgebirge.

Die Simulationen der Lokalmodelle sehen hierbei nicht gut aus...



Diese direkte Output ist, so einfach er zu interpretieren scheint, ist dann wirklich doch nur etwas für Meteorologen, die auch um die Technik hinter Lokalmodellen wissen.

Man interpretiert, als Tipp, solche Karten nicht als Zahlen, sondern als Größenordnungen, und diese Größenordnungen sagen uns, dass, so keine wesentlichen Änderungen der Großwetterlagenentwicklung eintreten werden, Regenmengen in der Größenordnung von 50 bis 200mm im 4 Länder und Provinzeneck Italien/Osttirol/Slowenien/Kärnten möglich sind, und zwar von Samstag Nachmittag bis Montag Mittag.

Beachtlich ist der scharfe Gradient der Regensummen am Alpenhauptkamm. Das ist natürlich auf das gebrigsmeteorologische Phänomen des Föhns, der sich abenfalls einstellen wird, zurückzuführen. Einstellen tut er sich am Samstag ...


Noch stärker wird er aber am zentralen Alpenhauptkamm am Sonntag blasen ...
  



Aus den vielen Gesichtern, die der Föhn hat, wird er sich diesmal das recht seltene, aber klassische Gesicht des *deep Föhn* mit Starkniederschlag im Luv aufsetzen.

Wie direkt sich das alles auf die Wasserführung der Flüsse in den südlichen Ostalpen auswirken wird, wage ich nicht bekanntzugeben, bin ja Meteorologe, kein Hydrologe, schon aber rein aus der Vorgeschichte und der Prognose heraus, ist es ein leichtes zu sagen, dass das alles zusammen nicht gut ist...

Zusammenfassung:

Samstag: Aufkommender Föhnsturm in den Zentralalpen, einsetzender Regen im Süden der Tauern

Sonntag: Föhnsturm in den Zentralpen, sehr windig auch in den Nordlapen und im Flachland, gewittrig durchsetzter Starkregen im Süden der Tauern, Schneefallgrenze durchwegs oberhalb 2000m, mit Ausnahme des Westens.

Montag: Unsicherheit, wie lange die Regenfälle andauern, nur geringfügige Abkühlung in der Höhe.


Ich denke aber, dass die potentiell betroffenen leute und v.a die Behörden nun schon recht sensibilisiert auf das, was da kommen könnte oder wird, sind.


Jedenfalls, auch auf längere Sicht scheint uns die Großwetterlage mit Trogvorstößen über dem Ostatlantik und der Pendelbewegung der Zuführung warmer Luft aus Südwesten zu den Alpen, erhalten zu bleiben. So sieht kein Winterwetter aus, nein, nein, .. es ist ja auch erst Herbst.


Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Ich denke es ist wieder an der Zeit, sich für Deine auch für Laien zumindest halbwegs verständlichen Ausführungen zu bedanken.
    Danke Manfred !

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  2. Genau!
    Schließe mich Richard an.

    Elena

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !