Sonntag, 13. Januar 2013

Vom Greis zum Frischling

Hallo,

dieser Tage ist ein guter Zeitpunkt um zu demonstrieren, dass das natürliche Prinzip des Alterns, vom Werden zum Sterben zumindest auf Zyklonen nicht immer anwendbar ist.

Zwar kann man in vielen Fällen auch bei unseren aussertropischen Zyklonen eine typische Lebenslinie von der Geburt über die Phase maximale Aktivität bis hin zum schnellen oder langsamen *Tod* eines Systems ziehen, es gibt aber deutliche Abweichungen von dieser Standardlinie.

Eine solche, die einer eigentlich todgeweihten Zyklone frisches Leben einhaucht (und dieses frische Leben bringt uns auch den Schnee in weite Teile des Landes, möchte ich heute ein bisschen durchleuchten, man kann das durchaus als das Follow up zu meinem letzten Eintrag sehen.


Am Besten, wir starten mit der Situation, wie sie sich von METEOSAT um 04:45 heute früh darstellt:


Die Zyklone, um die es geht, ist die, die sich schon beschwerlich über Frankreich und der Iberischen Halbinsel windet. Sie ist der alte Überrest eines Systems, das vom Atlantik kommend nach Südosten abrauchen musste, da sich, wie angekündigt, über Skandinavien ein starkes Hoch befindet, das Nichts und niemanden vorbeilässt.

Sieht man sich die momentane thermische Struktur des Systems an, so lässt sich in allen Fällen das fortgeschrittene Alter festmachen:



Anhand der Temperaturverteilung in 500 und 850 hPa sieht man, dass der gesamte Kernbereich von (atlantischer ) Kaltluft erfüllt ist, das heisst, die Temperaturdifferenzen im Kernbereich sind ausgesprochen gering. Blogleser kennen aber das Urprinzip, aus dem unsere Zyklonen ihre Energei zur Entwicklung schöpfen: Horizontale Temperaturunterschiede auf engem Raum. Hieraus kann das System also Nichts mehr gewinnen, es füllt sich auf.


ABER: In quasi allerletzter Minute kommt dem System seine Zugbahn entgegen. Der Komplex wandert nach Süden und erreicht gerade das Mittelmeer. Sieht man sich die Bodennahen Temperaturen im westlichen Mittelmeerraum an, so erkennt man, das die schwächelnde Kaltfront nun auf Vorderseitige Luftmassen trifft, die eine Temperatur von gut und gern 12 bis 15 Grad aufweisen:



Das kommt eine deutlichen Verschärfung des Temperaturgradienten an der Front gleich, ein Umstand, der sogleich auch Wirkung zeigt, denn an den Pyrenäen hat sich schon eine Welle gebildet, in deren Bereich es zu deutlich verstärkter Bewölungsbildung durch Konvektion kommt, z.B hier zu sehen:


Gutes Stichwort, Neben den horizontalen Gradienten verstärken sich auch die vertikalen, da die Kaltluftblase nun beginnt über vergleichsweise warmes Wasser zu ziehen. Die Bildung von Organisierter Konvektion über große Flächen hinweg mündet auch immer in einer Zunahme der Zirkulation (wir kennen das von tropischen Zyklonen !), mit dieser dann auch die horizonatlen Gradienten weiter zunehmen und man ist bei einem schönen selbstverstärken Prozess angelangt.

Als dritte Hilfestellung zum neuen Leben kommt die Jetkonfiguration hinzu:


Die Welle liegt im linken Ausgangsbereich eines starken Rückseitenjets, das liefert einen weiteren Beitrag zur Vertiefung.

Somit kommt man in den nächsten 24 Stunden zur Bildung eines (nicht übermäßig starken, aber dennoch akzeptablen) Tiefs über dem westlichen Mittelmeer, während die *Mutter* über Nordfrankreich  das  Zeitliche segnet.


Es gibt prinzipiell mehrere Mechansimen, wie sich im Bereich einer sterbenden Zyklone Temperaturunterschide nochmals aufbauen können und so neuer Brennstoff zur Vertiefung zur Verfügung steht. Das ziehen alter Kerne über warmes Wasser ist eine Möglichkeit.

Bisweilen kommt es auch vor, dass in die Rückseite alter Zyklonen kleine Kurzwellentröge mit hochreichender Kaltluft im Gepäck hineinziehen.

Manchmal reicht auch schon der Zug einer Front über ein Gebirge, z.B die Alpen.  Nehmen wir eine Kaltfront, die aus Nordwest über die Alpen will. Die Kaluft überschreitet den Alpenhauptkamm erst dann, wenn sie vertikal mächtig genug ist, den immerhin durchschnittlich mehr als 2500m hohen Kamm zu überschreiten. An den Westlapen und auch am Alpenostrand hat die Kaltluft das Hindernis aber schon längst umströmt und die Kaltluft fließt gen Süden. Man endet mit sehr starkren horizontalen Differenzen über Oberitalien und den Südalpen, die Geschichte kann beginnen.

Und weitere Jungbrunnen sind denkbar.


In unserem Fall wird die Entwicklung nicht allzu intensiv, für ordentlichen Neuschnee in den südlichen und östlichen Landesteilen wird es aber reichen.

10 bis 50cm zwischen dem Winviertel und Oberkärnten stehen im Raum, die 50 natürlich in Oberkärnten, die 10 im Weinviertel, der Rest irgendwo dazwischen ;) Für die Details sind da meine Kollegen auf www.uwz.at bzw. dem enstprechenden Facebookkanal zuständig.

Lg und schönen, frischen Sonntag,


Manfred




Kommentare:

  1. Danke für den Beitrag!

    Eine Frage an dich: Schau dir mal den ECMWF 12er vom 13.01. an. Und da den Verlauf der 850er Temperatur über Nordösterreich von Freitag 18.01 00z bis Montag 21.01. 00z. Was passiert da? Ich kann mir das absolut nicht erklären. Zum Höhepunkt der 'Kaltluftentstehung' am Samstag um 12z berechnet das Modell -18° auf 850 hPa und gleichzeitig -12° auf 700 hPa, und das bei quasi gesättigter Luft und andauernder Kondensation.

    Grüße aus Innsbruck
    Manu

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    1. Hi,

      die -18 am Samstag 12Z sehe ich nicht ? *nur* -13, was aber mit 700 nahezu isotherm ist. Was im Modell passiert (und das bleibt abzuwarten) ist, dass nördlich des Tiefs über Tage hinweg die bodennahe Luft teils über Schneedecke auskühlt (Polen, Deutschland) und mit dem Nordost langsam gegen die Alpen driftet und darüber gehoben wird. Wenn du so möchtest ist die 850-er Kaltluftblase durch Kühlung (Hebung stabiler Luft) von unten entstanden und nicht klassisch advektiv.

      Lg

      Manfred

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    2. Hallo Manu,

      wo hast du die -18°C auf 850 hPa in ECMWF gesehen?? Am Samstag in Nordösterreich auf 850 es war nur -12°C aber keine -18°C.

      Grüß dich,
      Robert

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  2. Hallo!

    was ist mit RADF Produkt von ARW 4 km passiert? Es ist immer noch auf Lauf von 8 Dezember geblieben und nicht mehr aktualisiert.

    Robert

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    1. Hm,

      ich habe die Karten *eingestellt*, weil sie mir nicht mehr gefallen haben. Ich werd den Loop über die nächsten Tage durch etwas vergleichbares ersetzen. Sorry und Lg

      Manfred

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  3. Extra für euch der Beweis :)

    Klickt euch den Verlauf vorher und nachher durch. Ja das dachte ich mir auch, kann eigentlich nur die Hebung als Ursache haben. Aber so in der Form wie man es im Verlauf sieht, ist das für mich nicht nachvollziehbar. Wie gesagt: -18° auf 1340m und -12° auf 2820m.


    https://pbs.twimg.com/media/BAh3jUCCMAA4RFx.gif:large

    https://pbs.twimg.com/media/BAh3pGSCMAAkmfY.png:large

    Manu

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    1. Sorry,

      Das gibt es ja nicht, dass ich da so belämmert war. Ich hab GFS geschaut, dachte es wäre EZ. Ja, da sind -18 in 850 hPa auch in meinen Karten drinnen und das geht nur durch erzwungene Hebung sehr kalter Bodenluft...

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    2. Sorry auch von mir:)
      Ich habe das richtige Modell angeschaut aber für die falsche Datum, d.h. für 12-13 Januar. Für die nächste we hast du recht mit sehr niedrige T850.

      Robert

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  4. Guten Abend Manfred,

    jetzt sind die stündliche Niederschläge wieder da aber leider ohne Temperatur am Giiterpunkte. Kannst du diese irgendwo wieder zurücklegen?
    Noch etwas, die N-3h (Dreistundige Niederschlag) läuft in eine zeitliche Auflösung von 1h. Irgendwie passt nicht so gut wenn 1h mit 3h gemischt sind, oder vielleicht kanns du mir ein bischl aufklären wie soll soll ich das Resultat nehmen.

    Gruß,
    Robert

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