Samstag, 14. Dezember 2013

Mushroom Bombing

Hallo,

Zur Prognose der nächsten 7 Tage: Mitteleuropa -> LANGWEILIG
Weiße Weihnachten, winterliches Wetter -> Hölle unwahrscheinlich

Gut, warum dennoch ein Blogeintrag ? .. Hölle ist ein gutes Stichwort, über dem Atlantik vollzieht sich eine beinahe von infernaler Kraft getriebene Zyklonenentwicklung. Innerhalb von 24 Stunden geschieht sich quasi aus dem Nichts die Bildung eines Orkantiefs wobei sich das Tief mehrere 1000km verlagert und den Kerndruck in dieser Zeit um 50 hPa absenkt. Solche Entwicklungen - in Ahnlehnung an die Tatsache dass die Isobaren eines solchen Tiefs gezeichnet der Topografie eines Bombentrichters entsprechen, werden gelegentlich als Bombing bezeichnet --- politisch ist das umstritten, von der Knackigkeit des Ausdruckes her aber mehr als zulässig.


Wie man so schön sieht ....



... ich gebiete einen Moment Einhalt. Sieht die geneigte Leserin die Bombe denn überhaupt  ?

Eine kleine Hilfestellung:



Es handelt sich um den Bumerang östlich Labrador und südwestlich von Island. Dort hat sich an einer langen Kaltfront letzte Nacht eine Welle gebildet und bereits optisch giftige Züge angenommen.

Verfolgen wir die Bombe auf den Modellkarten:


Das ist die aktuelle Situation. Die Welle hat sich gegenüber der letzten Nacht von 1000 schon auf 990 hPa vertieft, man sieht einen breiten Warmfrontschirm, der sich zyklonal um das Bodentief nach hinten wirbelt, sowie ein sehr schmales Kaltfrontband mit einem ausgeprägten wolkenfreien Streifen dazwischen. Der Kern sitzt auf einem Buckel der Relativen Topografie ( grüne gestrichelte Isolinien- > warme Luft). Optisch erinnert wieder mal so Einiges an eine entstehende Sahpiro-Keyser Zyklone.



... und das passt auch .. bis heute Abend geht die Vertiefung rasant weiter, ein Pilzkopf bildet sich aus.




.. Um Mitternacht weitere Vertiefung, die Warmluft schiebt sich an der Rückseite des Bodentiefs weit nach Westen


In der Früh kommt das Tief am Höhepunkt seiner Entwicklung an, der Pilzkopf verschwindet und vollzieht eine Transition zu einer Spirale.



.. was sich bis Mittag unter nur mehr geringfügiger Vertiefung weiter fortsetzt.

Nun habe ich hier das EZ Modell mit grober Auflösung verwendet, das einen Kerndruck von 950 hPa annimmt. In voller Auflösung simuliert das ECMWF hingegen noch beeindruckenderes:


.. 943 hPa ! Das enspricht einer Vertiefung innert 36h von 57 hPa. Dazu geht das Modell in Kernnähe, genau gesagt an seinem Südrand von Mittelwinden bis 75 kt aus, volle Orkanstärke.

Greifen wir uns ein weiteres bestimmendes Merkmal heraus, die Feuchteverteilung:









Dies ist einmalig schön. Man sieht wie im Lauf der Entwicklung extrem trockene niederstratosphärische oder obertroposhärische Luft bis weit in die tiefe Atmosphäre an der Südflanke des Kernes herabsteigt (Werte der RF unter 5% auf 2200m Höhe) und im Zuge der Entwicklung um den Kern sprialiert wird. Dabei ist um 03Z die schärfste Ausprägung zu sehen, ein Sting-Jet Feature Zum Höhepunkt hin verblasst dieses Phänomen, da verliert das System  auch die optischen Merkmale der SHPK.

Zusammenfassend vollzieht sich gerade eben ein Bombing nach dem Mutser einer SHPK Zyklone, das innerhalb von ca. 24 h den Prozess von der Geburt bis hin zur höchsten Entwicklungsstufe vollzieht, was extrem kurz ist.


Aufgrund der Zugbahn des Kernes wird es die Bombe nur in die Irisch-Schottischen Medien schaffen, der schlimmste Bereich bleibt als Fisschsturm diesmal über dem Meer und wird nur die Frachter durchbeuteln.

In diesem Sinne... fröhlichen Samstag im tristen Wettersumpf Kontinentaleuropas

LG

Manfred

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