Hallo,
am Samstag war hier von einem giftigen Montagstief zu lesen. Was ist aus diesem an jenem besagten Montag geworden ?
Zoomen wir egoistischerweise auf Österreich ...
Das sind die Spitzenböen am Montag Abend bezogen auf die letzten 24 Stunden.
Man sieht 101 km/h in Mühldorf/Bayern, ein paar 70-er und 80 er in Oberösterreich, Salzburg und im Ausserfern, sowie 90 km/h in Wien. Also ganz ordentlich, wenn auch nicht allzu dramatisch.
Eschlkam, im Bayrischen Wald nördlich des Ausschnittes hatte allerdings 126 km/h, wobei die Talform dort mitgeholfen haben sollte...
Interessant war der Zeitpunkt des Auftretens der Sturmböen im guten alten Österreich.
Hier zwei Diagramme, eines von Enns / OOE und eines aus Wien-Wieden.
Man sieht in beiden Diagrammen den Durchgang der Front in aller Früh, (Drucktal), in Enns etwas früher, in Wien etwas später.
Mit dem ersten Auffrischen des Windes gab es aber an beiden Stationen hinter der FRiont keine allzu dramatischen Böen (40-er bzw. 68).
Auf einmal im Lauf des Vormittages, also zeitlich weit hinter der Kaltfront, gab es in Enns auf einmal 83, in Wien 90 km/h. Zu einem Zeitpunkt als der Höhenwind nachliess... wie das ?
In Enns zog ein Schauer drüber, in Wien zwar nicht, aber dafür kam die Sonne durch. Beide Phänomene haben eins gemeinsam: Sie erhöhen die Durchmischung der untersten Luftschichten und über die Turbulanz kann so die Höhenströmung besser heruntergemischt werden. Also: Nicht immer ist mit der Front alles vorbei...
Zu heute:
Aus Nordwesten zieht etwas auf uns zu.. nur was, das lässt sich nicht so genau aus dem Bild allein ableiten.
Drum fragen wir das Modell um Hilfe. Und da führe ich heute einen neuen Parameter ein, die Relative Topografie ein:
In Farben die Relative Topografie. Um diese zu erhalten subtrahiert man die geometrische Höhe der 1000 hPa Fläche von der der 500 hPa Fläche, berechnet also wie viele Meter 1000 und 500 hPa von einander entfernt sind.
Wir wissen, dass in Kaltluft der Druck mit der Höhe schneller fällt als in Warmluft, wenn die Luft kalt ist liegen also die Flächen näher beieinander als wenn es warm ist. Die Relative Topografie stellt somit ein Mass für die mittlere Temperatur in der unteren Troposphäre dar, und man kann sie also verwenden, um Fronten, wie oben dargestellt, zu finden.
Aus Nordwesten rauscht also derzeit eine Warmfront heran.... die gehört zu einer Polarfrontzyklone mit Kern über Schottland. Polarfrontzyklone, die Aussage lässt die Jetkarte zu:
Der Kern und mglws. ein zweiter Kern über der Nordsee liegen linksseitig eines Jetstreaks, aber nicht mehr in der optimalen Zone am linken Ausgang. Wir haben es also mit einer recht alten Dame zu tun.
Der Tiefkern verlagert sich bis morgen unter Abschwächung nach Polen, wie die folgenden Sequenz zeigt:
Für uns heisst das: Nach Warmfrontdurchzug heute Vormittag folgt am Abend rasch die Kaltfront, der Westwind frischt alpennordseitig stürmisch auf und kann in der zweiten Nachthälfte sowie morgen in der Früh wirklich ruppig werden ...
Die Karte zeigt eine empirische Wahrscheinlichkeit für Böen über 90 km/h morgen um 7 in der Früh. Neben den Böen gibt es noch etwas interessantes zu sehen. Das Wellenmuster des reduzierten Bodendrucks im Lokalmodell... was ist das ? Modellfehler ?
Ganz und gar nicht. Es ist der Fussabruck von Schwerewellen im Modell, die bei halbwegs stabiler Schichtung und geschertem Windprofil zwingend auftreten müssen. Bekannt sind Schwerewellen vor allem von Fotos von Föhnfischen. Die Amplitude der Wellen auf dem Bild (etwa 1 bis 2 hPa) entsprechen dem Wert den man bei Schwerewellen erwarten würde, die Frequenz, die mit man Barografen messen kann liegt bei ein paar bis 30 Minuten ... Optisch wäre es auf der Karte vielleicht besser, diese auszubügeln... aber das geht halt nicht.. und.. die Wahrhheit ist dem Menschen zumutbar :)
Also: morgen in der Früh den Regenschirm in der Osthälfte zu Hause lassen, es gibt die nicht verschwindende Wahrscheinlichkeit, dass er es nicht überlebt.
Lg
Manfred
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Samstag, 3. Dezember 2011
Giftiges Montagstief
Hallo,
In der Schnellbahn kommen'd Leut zamm, wie man so schön sagt. Wo man zusammen kommt, kommt man auch ins Reden, so geschehen am Freitag in der Früh zwischen Zentralfriedhof und Geiselbergstraße. Schnell war heraussen, dass ich Meteorologe bin, und schnell war das Smartphone meines freundlichen Gegenüber gezückt, darauf die App einer bekannten Österreichischen Versicherung mit einer Sturmwarnung der Kollegen von der ZAMG, ausgegeben um 02:27 des selbigen Tages... gültig für den MONTAG.
Zum Glück für die Kollegen kommt wirklich ein bissl ein Sturm, wobei Österreich, nicht wie wir uns gerne sehen, einmal mehr NICHT im Zentrum des Geschehens steht, sondern Süddeutschland, Tschechien und Südpolen.
Die Situation:
Quer über Europa liegt die altende Front einer alternden Polarfrontzyklone mit Kern vor Norwegen. Das Frontensystem läuft leicht verwellend bis auf den Atlantik hinaus.
Die Position des Jets unterstützt das oben gesagt, er läuft leicht mäandrierend aber im wesentlich zonal (West-Ost orientiert) über den Ostaltlantik und Europa. Über dem Atlantik ist er auch sehr stark mit Mittelwinden an die 200 knoten.
An dieser Frontalzone über dem Atlantik bildet sich in ca. 18 Stunden eine Welle, die auf Europa zusteuert. Das erste mal kann man sie Sonntag Mittag über Irland sehen, als ganz schwachen Isobaren*knick*
Die Welle liegt nicht zufällig dort, es gibt besondere zyklogenetische Bedingungen, da aus Westen aus Jetstreak hereinrast und die Region um Irland im linken Ausgangsbereich des Jets liegt:
Das weitere Schicksal dieser Welle ist spannend: Die Globalmodelle GFS und auch EZ in der 00 Version lassen die Welle nur unter leichter Vertiefung nach Osten ziehen (Route über Frankreich und Deutschland nach Tschechien und Polen). Dabei gäbe es an der Südflanke ein Sturmfeld, aber nichts allzu dramatisches.
Was das eine oder andere Lokalmodell daraus macht, ist prickelnder..
z.B geht das WRF in seinen letzten 4 Simulationen von einer deutlichen Vertiefung der Welle hin zum eigenständigen, abgeschlossenen Tief mit einem mesoskaligen, also sehr kleinräumigen Sturm- und womöglich Orkanböenfeld aus....
im Detail:
Hier gibt es im Warmsektor des Wellentiefs, wenn man so will die Gefahr von Böen über 100 km/h in einem breiten Feld von Baden-Württemberg, Bayern, Böhmen, Mähren bis nach Südpolen hinein, der Kerndruck ist hier ca 10 hPa tiefer als im GFS.
In Österreich bleibt der Wind lange auf Südwest.. hier kann es im Alpenvorland also im Warmsektor kaum Sturm geben, prädestiniert wären das Mühl- und Waldviertel für die stärksten Böen vor der Kaltfront.
Die Kaltfront zieht am Montag Vormittag rasch durch, und erst rückseitig muss man dann entlang der gesamten Alpennordseite mit Sturmböen rechnen, Dramen sollten sich nicht ergeben:
Obwohl auch dies nur eine von vielen Simulationen ist, die halbwegs stimmen kann, aber sicher nicht muss, zeigt sie das Überrasschungspotential bei dieser Lage, nach oben und unten, auf... sowie die Tatsache, dass es um sehr kleine Strukturen gehen kann. Um hier den Kreis zu schließen ...
wie kann man das 4 Tage im Voraus vorhersagen ? Hm :) Ich weiß es nicht, wir lasssen die Frage daher offen im Raum stehen !
Lg
Manfred
In der Schnellbahn kommen'd Leut zamm, wie man so schön sagt. Wo man zusammen kommt, kommt man auch ins Reden, so geschehen am Freitag in der Früh zwischen Zentralfriedhof und Geiselbergstraße. Schnell war heraussen, dass ich Meteorologe bin, und schnell war das Smartphone meines freundlichen Gegenüber gezückt, darauf die App einer bekannten Österreichischen Versicherung mit einer Sturmwarnung der Kollegen von der ZAMG, ausgegeben um 02:27 des selbigen Tages... gültig für den MONTAG.
Zum Glück für die Kollegen kommt wirklich ein bissl ein Sturm, wobei Österreich, nicht wie wir uns gerne sehen, einmal mehr NICHT im Zentrum des Geschehens steht, sondern Süddeutschland, Tschechien und Südpolen.
Die Situation:
Quer über Europa liegt die altende Front einer alternden Polarfrontzyklone mit Kern vor Norwegen. Das Frontensystem läuft leicht verwellend bis auf den Atlantik hinaus.
Die Position des Jets unterstützt das oben gesagt, er läuft leicht mäandrierend aber im wesentlich zonal (West-Ost orientiert) über den Ostaltlantik und Europa. Über dem Atlantik ist er auch sehr stark mit Mittelwinden an die 200 knoten.
An dieser Frontalzone über dem Atlantik bildet sich in ca. 18 Stunden eine Welle, die auf Europa zusteuert. Das erste mal kann man sie Sonntag Mittag über Irland sehen, als ganz schwachen Isobaren*knick*
Die Welle liegt nicht zufällig dort, es gibt besondere zyklogenetische Bedingungen, da aus Westen aus Jetstreak hereinrast und die Region um Irland im linken Ausgangsbereich des Jets liegt:
Das weitere Schicksal dieser Welle ist spannend: Die Globalmodelle GFS und auch EZ in der 00 Version lassen die Welle nur unter leichter Vertiefung nach Osten ziehen (Route über Frankreich und Deutschland nach Tschechien und Polen). Dabei gäbe es an der Südflanke ein Sturmfeld, aber nichts allzu dramatisches.
Was das eine oder andere Lokalmodell daraus macht, ist prickelnder..
z.B geht das WRF in seinen letzten 4 Simulationen von einer deutlichen Vertiefung der Welle hin zum eigenständigen, abgeschlossenen Tief mit einem mesoskaligen, also sehr kleinräumigen Sturm- und womöglich Orkanböenfeld aus....
im Detail:
Hier gibt es im Warmsektor des Wellentiefs, wenn man so will die Gefahr von Böen über 100 km/h in einem breiten Feld von Baden-Württemberg, Bayern, Böhmen, Mähren bis nach Südpolen hinein, der Kerndruck ist hier ca 10 hPa tiefer als im GFS.
In Österreich bleibt der Wind lange auf Südwest.. hier kann es im Alpenvorland also im Warmsektor kaum Sturm geben, prädestiniert wären das Mühl- und Waldviertel für die stärksten Böen vor der Kaltfront.
Die Kaltfront zieht am Montag Vormittag rasch durch, und erst rückseitig muss man dann entlang der gesamten Alpennordseite mit Sturmböen rechnen, Dramen sollten sich nicht ergeben:
Obwohl auch dies nur eine von vielen Simulationen ist, die halbwegs stimmen kann, aber sicher nicht muss, zeigt sie das Überrasschungspotential bei dieser Lage, nach oben und unten, auf... sowie die Tatsache, dass es um sehr kleine Strukturen gehen kann. Um hier den Kreis zu schließen ...
wie kann man das 4 Tage im Voraus vorhersagen ? Hm :) Ich weiß es nicht, wir lasssen die Frage daher offen im Raum stehen !
Lg
Manfred
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