Samstag, 4. Mai 2013

Waschechte Schwergewitterlage am 3.5.2013

Hallo,

es ist ja irgendwie schade, wenn man den ersten wirklich gröberen Konvektionstag des Jahres aus der wirklich fernen Ferne miterleben muss. Im novemberlich-herbstlichen Melbourne erscheinen die Wetter- und radarkarten des gestrigen Tages wirklich eher unglaubwürdig, und dennoch, es hat sich so Einiges in und um die Alpen zugetragen ...

wir starten mit der Satanimation der letzten Tage:







Da sieht man, wie Zentraleuropa an der Vorderseite eines ausgeprägten Troges über Westeuropa liegt. In dessen lebhafte Südwestvorderseite sind einige Kurzwellen eingelagert, die behende nach Nordosten ziehen und in deren Bereich sich immer wieder großangelegte konvektive Komplexe bilden.


Es sei ein Detailblick auf den Alpenraum gestattet, hier nehmen wir nun auch Blitzaktivität und Radar hinzu:





Nun zeigt sich folgendes: Während am Donnerstag und in der Nacht auf Freitag vornehmlich die Oststeiermark, das Burgenland , weite Teile Ungarns und der Slowakei mit teils lauter Geräuschkulisse zu kämpfen hatten, tut sich am Freitag über dem Westen im Lauf des Vormittags vor der nächsten Welle aus Südwesten ein Sonnenfenster auf, die Werte steigen nahe an 25 Grad in den Tälern. Und nun kommt der erste echte Sommerklassiker, eine alte Bekannte, genannt Miss Reutte ins Spiel. Am Freitag gegen 15 Uhr greift eine Zelle von der Schweiz kommend auf Vorarlberg und den Bezirk Reutte über. Dort mausert sich die Dame zu einem großen Komplex und fegt stark rechtssausscherend die Kalklalpen entlang nach Osten. Über der westlichen Obersteiermark hinzutretende Zellen aus Südwesten lassen das Ganze am Abend und in der ersten Nachthälfte in einen Mesoskaligen Konvektiven Komplex mit unzähligen kurzlebigen Aktionszentren übergehen, bevor dem System über dem Südburgenland schlußendlich die Luft (Cape ) ausgeht und es sich selbst entleibt.

Ausserordnetlich schön sieht man das oben gesagt in den Blitz- und Hagelspuren der letzten 2 Tage:

Donnerstag bis Freitag Früh: Pannonische Zuckungen


Freitag Früh bis Samstag Früh: Miss Reutte zieht Ihre laaaaaaaange Spur durch die Alpenrepublik.-


War das antzipierbar ? Vor allem der Freitag ? Nun .. Irgendwie schon. Lokalmodelle sind dem was da kommen mag recht rasch auf die Spur gekommen, ich nehme als Exempel eins, das mit EZ angetrieben wird:




  Gut zu sehen ist der Fortschritt der organisiserten Konvektion vom Tiroler Oberland bis hin ins Burgenland, natürlich darf man die Form der einzelnen Zellen nicht für bare Münze nehmen.

Wenn man auf die Karte für 16UTC, und da nach Oberitalien schaut.... auch da ist im Modell eine dicke Zelle... und auch in realiter war dort eine wirklich dicke  Zelle...





die es in sich gehabt hat, eine waschechte Superzelle mit Tornado inklusive:

Rechtsdrehende, tornadische Superzelle mit ausgeprägtem Hookecho. Viel schöner sind die in den USA auch nicht, bsp. Oklahoma:


Schauen wir noch kurz auf die Zutaten des Tages:

CAPE / LI / CIN



Wir sehen über dem betreffenden Gebiet in Italien schwach gedeckelte (CIN -10 bis -30) CAPE bis etwas über 2000 J/kg. Das ist guter Stoff. Nun der obligate Blick auf die Scherung, z.B Deep Layer shear zwischen Boden und ca 5700m:


Die Scherung liegt über dem Tornadoteil unter Einbeziehung der Richtungsscherung bei maximal 30-35 kt, also bei 16-18 m/s knapp unterhalb der typischen Schwelle, die oft für favorisierte Superzellenbildung angegeben wird.

Uns Europäer wundert das weniger als viele US Amerikaner, denn auch in Italien , in diesem Fall stromab des Appeninenbogens können lokale Effekte wie Leewellen, Bodenkonvergenzen , Seewindkonvergenzen das nötige Äutzerl zum Deeplayer Shear beitragen, sodass dann doch rotierende Zellen mit 1A Haltungsnoten entstehen.

Wahrlich kein schlechter Einstand in die Saison 2013, wogleich man auch festhalten muss, dass derartige konvektive Spompernadeln in der nächsten Woche  seltener werden, da der Atlantik ab Wochenmitte mit Trogvorstößen seiner Position in der Klimatlogie Mitteleuropas gerecht wird, womit ersteinaml die Luft aus dem Konvektionsofen raus sein wird.

Lg

Manfred

Samstag, 20. April 2013

Wasserdampffräse

Hallo,

nun, ich erspare mir die nun schon obligate Entschuldigung von wegen zu wenig Zeit etc pp. (obwohl es wirklich so ist...).. aber ich würde keinen Eintrag machen, hätte ihc nicht wieder etwas bloggenswertes auf den Bildern und in den Datenfeldern entdeckt... und zwar das hier:


Im Moment hat ein wunderschönes *T* den Alpenraum im Griff. Die Fronten des *T*'s separieren ziemlich kalte Luft im Nordwesten (im sonst so schönen Vorarlberg rieselten heute Nacht die Flocken ..)  von warmer Luft im Südosten. Frequent-Leser haben vielleicht schon den berechtigen Verdacht, dass ich bei *T* Formen auf dem Infrarotbild im nächsten Atemzug auf den Wasserdampf zu sprechen kommen werde, und das ist natürlich richtig:


An der Rückseite des *T* tiefs wird sehr trockene Kaltuft über das westliche  Mittelmeer nach Süden geweht, zum Teil aber auch in den Tiefkern hineinspiraliert.

Gestern in der Früh hat das Bild noch ganz ganz anders ausgesehen ... und zwar so:


Gestern in aller Frühe ist sowas von überhaupt keine Spur eines *T*'s (Ich bin mittlerweile Vegetarier, deswegen habe ich die Assoziation T-Bone_Steak vollkommen abgelegt..). Was man sieht, ist eine markante Kaltfront an der Vorderseite eines markanten Höhentroges, dessen Achse sich von Skandianvien über den Ärmelkanal bis nach Spanien erstreckt.

Die Frage, wie aus so einer geraden Front ein T-Tief werden kann, die beantwortet anschaulich die Animation des Infrarotbildes gemeinsam mit dem Geopotential in 500 hPa.











... gemeinsam mit der Animation des Wasserdampfbildes für den selben Zeitraum...



Beide Animationen erzählen die selbe Geschichte aus - synoptisch-theoretisch gesehen- verschiedenen Gesichtspunkten...


Fangen wir mit dem IR Loop (mehr die klassische Interpretation) an: Man sieht, wie der Höhentrog hinter der Front im Lauf des Freitags immer schärfer wird und sich schlußendlich ein neuer, eigener Höhenwirbel ausbildet, der ins Mittelmeer abtaucht und dabei der vor ihm liegenden Frontengirlande seine neue Form aufprägt. Es entwickelt sich ein Bodentief über dem westlichen Mittelmeer, die Front verwellt, eine markante Warmfront südlich von Österreich bildet sich auf, mit zunehmender Verwirbelung setzt auch der Okklusionsprozess ein.


In der Wasserdampfwelt sieht man, wie die hereinbrechende trockene Luft (in Gelb und Rot) in mehreren Schüben Keile in die Wolkenmasse der ehemaligen Kaltfront schneidet und sich dadurch sehr sehr rasch eine Spiralstruktur bildet. In weiterer Folge spiraliert die trockene Luft mehrfach um den Kern des neuen Systems.

Wir haben es also abermals mit dem Prozess einer RapidCyclogenesis / bzw. Shapiro-Keyserartige Zyklonenbildung zu tun, ohne dass sich dabei, wie sonst auf dem Atlantik üblich, ein Sturmtief exorbitanter Tiefe bildet, obgleich es über dem westlichen Mittelmeer recht ungemütlich - breezy ist.


Es sind wie gesagt 2 Seiten einer Medaille. In dem sich abschnürenden Höhentief, das aus dem vorher noch offenen Trog hervorgegangen ist, intrudiert sehr sehr trockene Stratosphärenluft, die Tropopause sinkt auch deutlich ab. Neben den ganzen Forcing-Mechanismen wie Temperaturadvektion und Vorticityadvektion (lassen wir die echt mal bei Seite) liefert auch das kanppe Nebeneinander von feuchter und trockener Luft einen merklichen Anteil an der Zunahme der Zirkulation, mit entsprechenden Wettererscheinungen.

Wie geht es weiter ?

Nun es könnte übler sein..

Bis morgen bildet sich im Bereich des momentanten Okklusionspunkten ein neues, flaches Tief...


Damit dreht der Wind östlich einer Linie Obergurgl-Ulm zunehmend auf Ost..


.. und die Warmluft aus Osten setzt sich in diesem Bereich also durch. Die Regionen weiter westlich erwähnen wir mal lieber nicht....

In weiterer Folge schleift am Montag/Dienstag ein Frontensystem vorbei, das jetzt noch nördlich von Schottland herumgurkt... mehr als ein Streifschuss wird das aber nicht.

Dann - und das sind die wirklich guten Neuigkeiten ...


bricht mit gewisser Wahrscheinlichkeit zum Ende der Woche ein Trog über den Ostatlantik aus, an seiner Vorderseite wölbt sich im Gegenzug ein Keil bestehend aus sehr warmer Luft auf... sodass zumindest die Wahrscheinlichkeit nicht vollkommen dagegen spricht, dass wir am nächsten Wochenende verbreitet und nicht mehr nur in Innsbruck einen Hauch von Sommerluft schnuppern werden können.

Schönen Samstag noch !

Lg

Manfred