Sonntag, 1. September 2013

Frontenzeitalter und Blognews

Werte Leserschaft,

beschämenderweise komme ich über einen Eintrag im Monat derzeit nicht wirklich hinaus, das wird dem Wetter nicht gerade gerecht, wie alles in der Wissenschaft gibt es auch dazu einen persönlich Aspekt... Wie dem auch sei, gerade eben habe ich den Kontinent und die Jahreszeit gewechselt und damit den heute anbrechenden Meteorologischen Herbst in Europa übersprungen, dem Winter vorerst eins ausgetrickst und bin im anbrechenden Meteorologischen Frühling dem A380 der QANTAS enstiegen. Was liegt da näher, als gleich einmal einen Blick, 180 Grad über die Schulter gen good old Europe zu werfen... und da gibt es natürlich Etwas, das man als Meteorologe ehrfürchtig würdigen muss:


Mein Blick ist sofort auf den riesigen Schirm an hohen Wolken gefallen, der von den Britischen Inseln kommend auf (Kontinental)Westeuropa übergreift.

Es handelt sich um ..


 .. ein Trumm von Warmfront. Um eine ähnliche Struktur in unserer Nähe zu finden müssen wir in den Satarchiven schon weit, nämlich in den März und April zurückgehen. So lange ist es her, dass markante atlantische Frontensyssteme ohne Mittelmeertief etc.pp. Gewitter... etwas bei uns zu melden hatten. Selbstredend läutet das neuerliche Auftreten der markanten Atlantischen Warmfrontschirme eine neue Epoche beim Wetter im Spiel der Jahreszeiten ein, den Herbst.


Die Warmfront hat auch sonst alles was, sie braucht.. :


.. zum Beispiel einen starken Jetstream auf ihrer kalten Seite. Mit 170 Knoten im Mittel geht es derzeit z.B von Island bis Südnorwegen dahin..

Warum braucht man eigentlich bei uns einen Frotschritt in die kalte Jahrezeit um schöne Warmfrontschirme auf dem Satbild zu sehen ? Nun, die Erklärung ist eher Hausbacken.... die Abkühlung im Norden Europas durch Strahlungsdefizit ist in vollem Gange und die Temperaturkontraste zwischen dem subtropischen Atlantik und den Polarregionen verschärfen sich zusehends. Damit werden die Druckgradienten stärker, die Strömungen schneller, die Tiefs tiefer, die Hochs höher, die Dynamik ist insgesamt auf dem aufsteigenden Ast. All das führt zu besseren Bedingungen für die Bildung von großen Aufgleitschirmen im Bereich von Frontalzonen. Auch im Sommer gibt es genug Warmfronten, meist versagen sie uns aber ihr Erscheinen auf den Satschirmen, da nur wenige hohe Wolkenfäden von der Höhenerwärmung erzählen, am Boden ist Atlantikluft in den meisten Fällen eh nicht wärmer als vor ihr liegende kontinental erwärmte 'Kaltluft'

Im praktischen Sinne können Herbst- und Winterkollektion dennoch erst noch im Kasten bleiben, da das Programm der neuen Woche eh erst einmal 'Spät- oder Altweibersommer' heißt. Das Hoch im Warmsektor der Zyklone, die uns obigen ästhetischen Eindruck oder Abdruck zur Verfögung gstellt hat, verlagert sich nach Zentraleuropa, das heißt etwas Nebel, viel Sonne und Höchstwerte in weiten Teilen Zentraleuropas näher an den 30° als an den 20...

z.B zu sehen am Meteogramm von Eisenstadt ...



Und damit kommen wir zu den News.... Ich habe für Euch ein paar weitere Sektionen aktueller Wetterkarten /Animationen hinzugenommen....

Das Panel mit den Animationen ...



zu finden mittig in der rechten Seitenleiste, wurde aktualisiert, die Parameter gesäubert und sichgetsellt, dass nun wirklich 2 Läufe am Tag da sind...


Ein beliebter Klassiker, das Vergleichspanel (Modelle gegen Beobachtungen)



 befindet sich gleich darunter. Wer hier weitere Stationen in Zentraleuropa (solche, die auch verlässliche Stationsmeldungen aufweisen) sehen möchte, bitte einen Kommentar mit Vorschlägen hinterlassen.

Neu und gleich darunter befinden sich nun Meteogramme von ausgewählten Orten in Mittel- und Zentraleuropa... und zwar vom Lokalmodell RACE




(2x täglich) bzw. GFS (4x täglich)...auch, wer hier Fragen zur Darstellung oder zu den Parametern hat, bitte einfach kommentieren.

Letzter Punkt: Crossections: Die sagen mir, wie das Modell die Entwicklung der vertikalen Parameter der Atmosphäre im Lauf der Zeit sieht... dargestellt sind Wind, Feuchte, Temperatur sowie vertikale Verteilung von Wolkenkondensat...  . z.B..



So, damit wünsch ich Euch einen erbaulichen ersten Meteorologischen Herbsttag :)

LG

Manfred

Mittwoch, 7. August 2013

Jump, don't walk..

Hallo,

nein, das wird kein Posting zu 40°C morgen ja oder nein ;) Es gibt Spannenenderes zu berichten :-D . Mithin zu den interessantesten Phänomenen, die in unserer Klimazone auftreten gehören Gewitter. Und da der Ofen für diese Geschichten in ein paar Wochen wohl für ca. 8 Monate ausgeht, widmen wir uns doch viel lieber den pulsierenden Lampions am Abend- und Nachthimmel als der Hitz'.

Ein Überblick zur Einstimmung:


Der Sommer steuert in diesem Land wohl auf seinen Höhepunkt zu. An der Vorderseite eines Troges über Westeuropa, der seine Frontengirlanden von Südwest nach Nordost verlaufend quer über Spanien, Frankreich, Benelux und Deutschland schickt, liegt der Alpenraum in einer zunehmend stärker werdenden südwestlichen Höhenströmung. Entlang der genannten Fronten herrschen starke Temperaturkontraste und über die letzten Tage kam es an diesen mehr oder weniger stationären Girlanden immer wieder zu massiven Ausbrüchen an organisierter Gewittertätigkeit, z.B über weiten Teilen der Schweiz und Deutschlands, aber auch über Westösterreich.

Ostösterreich, sonst eine Insel der besonders Seligen, war davon perifer betroffen, z.B gestern und heute Nacht. Obwohl wir alle schon Schlimmeres erlebt haben, lässt sich am gestrigen Ereignis so einiges vom Wesen und Ungestüm der organisierten Konvektion erläutern und erklären, das/der uns vorhersagenden Meteorologen das Leben nicht immer leicht macht. Fangen wir erst mit der unanimierten Bildstrecke an.


Gegen dreiviertel 5 greift eine Squalline von Baden-Württemberg kommend auf Bayern über. Soll ja hin und wieder mal vorkommen...


.. die propagiert allmählich ostwärts und verlängert sich nach Süden .... auch kein Wunder an sich.


gegen dreiviertel neun sieht man .. doch ein Stück VOR der alten Squall plötzlich neue Zellen entstehen.... (Bereich Grenze Oberösterreich/Bayern)






Es dauert keine 30 Minuten bis aus diesen Zellen ein Mordskomplex wird... der bald die alte, sterbende Squall an Aktivität überragt. Mir nichts dir nichts hat das System so einen Sprung von fast 100km hingelegt.



2 Stunden später das selbe in grün über dem Waldviertel. Weit vor dem Hauptkomplex schiessen mitten in der Nacht Zellen in die Höhe....




.. und der nächste Sprung geht dann direkt nach Wien, wo es um 2 in der Nacht ordentlich stürmt und scheppert.

Hier das Ganze in der Animation









Wie kommt es ? Nun, so große Systeme, die entsprechend lange leben, scheren sich irgendwann einmal nicht mehr um die großräumigen Verhältnisse sondern kreieren sich selbst die Felder in denen sie ziehen, wachsen und sterben. Diese Hüpferei kommt dadurch zustande dass der Komplex extrem ausflussgetrieben war. Woher weiß ich das ? Nun... in dem man sich die aufetretenenen Windspitzen ansieht:


.. gerade in Oberösterreich sieht man einige Windspitzen um die 90 km/h, in Enns sogar 108. Es handelt sich also um eine massive vorlaufende Druckwelle.

Die kam nicht ganz überraschend und war von den Lokalmodellen eigentlich ganz gut erfasst...


nur hab ich dem Modell gestern selber nicht geglaubt. Wieder was gelernt .. vielleicht ;-)


Normalerweise ist auch eine kräftige Druckwelle mitten in der Nacht nicht mehr im Stande auch in halbwegs labiler Luft so wie gestern, neue Linien zu triggern. In speziellen Fällen aber klappt es dann aber doch. z.B in Wien. Kollege Felix wies mich darauf hin, dass hier nicht nur eine, sondern 2 Druckwellen zusammenliefen.... eine ausgehend von der großen Bayrin/Oberösterreicherin, und eine ausgehend von der Waldviertlerin. Die liefen tatsächlich gegen 23 Uhr im Tullnerfeld zusammen und los gings...

Die wahre Macht der mesoskaligen Komplexe zeigt sich aber erst auf der größeren Skala. Sie bringen genug Energie auf um die die großräumigen synoptischen Höhenströmungen deutlich umzulenken ! (Ich hab hier mal ausgerechnet wie viele Atombomben man IN DER THEORIE zünden müsste um selbigen Effekt zu erreichen ... und es ist nicht nur eine .. )

Dazu hier eine Animation mit IR Bild, Blitzen und der 500 hPa Strömung aus dem Modell...

.....




Man sieht, dass sich die Zellen / Wolken anfangs an die Schiene, die die Höhenströmung vorgibt, gut halten und mit dieser nach Nordosten wandern. Allerdings.. in Richtung Dienstag Abend sieht man wie die Bewölkung exposionsartig aus dem Zentrum heraus sich in alle Richtungen ausbreitet und auf die Höhenströmung komplett pfeift. In weiterer Folge ist das Höhenfeld so zerstört, dass Kompoenten , die teilweise 90 oder 120 Grad gegen die synoptische Windrichtung gerichtet sind auftreten, man beachte die Wolkenfetzen bei der Auflösung des Komplexes, die über Deutschland und Tschechien nach Nordwesten ziehen !

Wie kommts ?

Nun, so ein Komplex setzt in hohen Atmosphärenschichten enorme Mengen an latenter Wärme frei, das Potential steigt und ein relatives Hoch bildet sich aus (die Konvergenz unten tut ihr übriges um das unterstützen....) Es entwickelt sich, wenn nur lange genug Zeit ist ein Dipol der Roation, die gar nicht so unähnlich einer tropischen Zyklone ist. In tieferen Schichten , dor t wo es anhaltende Konvergenz gibt, stellt sich ein zyklonaler Wirbel ein, während in Tropopausennähe ein divergierender, antizyklonaler Wirbel entsteht, der die Wolken aus dem Komplex in alle Richtungen rausschleudert ...

Zum Abschied noch ein Gustostückerl. Es gibt Blitzortungssysteme, wo man Wolke-Wolkeblitzen auch eine mittlere Höhe zuordnen kann. Was liegt hier also näher, als Blitze einmal 3Di,ensional darzustellen ? Hier seht ihr wie die 3D Blitzfront am Sonntag Nachmittag über Österreich nach Osten rollt.

(neg: Blau, pos. rot, Stromstärke via Größe des Symbols)




Wohl bekomms,

lg

Manfred