Freitag, 4. April 2014

Sandler....

.. bekommt dieser Tage eine neue Bedeutung.

Hallo nach langer Pause aus dem staubigen Wien,


Sandler ist für den Blogger dieser Tage ein staubiger Höhenwind, der irgendwann mal schon die Saharaoberfläche geküsst hat. Sand in der Luft bringt zwar die Atmosphäre nicht durcheinander, wohl aber die Modelle, die diese zu beherrschen versuchen. Teils gigantomane Fehlprognosen sind die Folgen ....

Wie ? Das bissl Sand blockt die Sonne ?


Nicht direkt... aber indirekt. Sand in der Luft fördert die Bildung von *normalen* Eis und Wasserwolken massiv. Sand in der Luft kann normale Gewitter auslösen oder begünstigen.....

Hier sehen wir solch sandinduzierte Wolken auf dem EU-NA Auschnitt:


Auffallend ist der sich antizyklonal kringelnde Schirm über Frankreich/Benelux/Deutschland, sowie das Band, das sich von diesem ausgehend nach Osten über die Alpen zieht.

Die Strahlungstemperatur beträgt beinahe -70 °C, sie sind also extrem hochreichend und auch optisch dick.

Hier der Zoom auf das Band über den Alpen:


Dieses Band war in keinem Modell vorhergesagt und obwohl es nur aus hohen Wolken besteht sind diese so dick, dass die Stimmung darunter sehr sehr trüb blieb und die Temperaturen letztendlich 7 Grad unter dem Sonne-pur Niveau liegen...

Die grazilen Details offenbaren sich bei tiefem Sonnenstand in der Früh:


Hier wird aus der Einheitsgrauen Fläche des IR Kanals ein zierlicher Rippelteppich, die gesamte Oberseite der Wolkendecke besteht aus kleinen und kleinsten Quellungen.

Auch dafür ist der Sand verantwortlich ... Luft allein kühlt ohne Kontakt zu einer festen Oberfläche auch in der Nacht von sich aus kaum ab, verliert keine langwellige Strahlung ins Weltall. Ist aber viel Staub da oben .. und dieser ist ein Festkörper ... verliert er in der Nacht der wohl Wärmstrahlung , kühlt ab und kühlt die Luft durch Kontakt mit. Abkühlung am Oberrand der Troposphäre führt zu Labilisierung, die ursprünglich stratiforme Cirrendecke wird konvektiv durchsetzt.

Der selbe Prozess hat vorgestern am Vormittag zur Bildung eines gewitters geführt, das unter nicht sandigen Bedingungen nicht entstanden wäre....

Woher kommt der Sand ? Nun, vorgestern ging über Marokko der Sturm ...



Vor einer vom Atlantik hereinrauschenden Kaltfront erreichte der Wind aus der Wüste in Spitzen mehr als 100 km/h. das wirbelt natürlich jede Menge Zeug auf... das die Höhenströmung mit sich trägt...


erst nach Nordosten:


.... und dann durch die Amplifzierung und Abschnürung des Mittelmeertiefs direkt nach Norden, gen Frankreich....



.. und von dort über Deutschland an der Vorderseite des sich Amplifizierenden Höhenkeiles aus Nordwesten zu den Alpen. Eine lange Reise ... mit bösen Folgen für die Modelle, die eben nur mit Standardaerosolkonzentrationen arbeiten ....


Nun, wenn es so weiter geht, dann brauchen wir bald keinen Wüstenwind mehr um Sand und Staub aufzuwirbeln. Es ist gerade am Alpenostrand - no - na - ned - staubig und extrem trocken. Auf die nächsten 4 Tage ...


.. ist kaum mit Regen zu rechnen, abgesehen von der Chance auf ein paar Gewitter am Sonntag.

In den nächsten 10 Tagen ...



... geht der Osten behende weiter Richtung Steppenklima. 0-10mm Niederschlag (Achtung: Einheiten auf obiger Karte sind in cm) sind so gut wie nichts.

Mal schaun, wie viel Kamele dieser Tage kosten....


LG

Manfred

Freitag, 7. März 2014

Frühling und Herbst....

Hallo,


Das hier der Frühling bereits Einzug gehalten hat, ist eigentlich eine Binsenweisheit... aber wo ist den der in der Überschrift zitierte Herbst  ?

Nun, auf der anderen Seite der Erde geht der Sommer nun dem Ende entgegen. Zwar geht es mit den Temperaturen in Australien lnagsam nach unten, das tropische Meer hat jedoch genau jetzt seine höchste Temperatur..... Zyklonzeit !


Nicht dass ich jetzt krampfhaft auf der Suche nach einem blogbaren Thema bin, aber ich möchte mich trotzdem eingangs auf Australien stürzen, weil das erste Mal seit 4 Wochen ein tropisches Tief ins Netz unseres hochauflösenden Lokalmodells gehen könnte. Und in Lokalmodellen sehen diese Biester dann vorhersagetechnisch umso eindrucksvoller aus.


Jetzt...


.. befindet sich eingekreist ein interessantes Gebiet organsisierter Konvektion über dem 29 Grad warmen Korallenmeer, und alles deutet darauf hin, dass sich in den nächsten paar Stunden ein Zyklon daraus formieren wird.... 

Hier nun die Animation der vorhergesagten Radarreflektivität...


.. Und die Animation des Bodendruckes und des Windfeldes..



Der Zyklon (wohl Kategorie 2 der 4-teiligen australischen Skala mit Mittelwinden bis knapp 100 km/h) trifft nach dieser Vorhersage etwas nördlich von Townsville an die Küste, bildet für einige Zeit sogar ein Auge und bleibt dann aber für lange Zeit stehen....... was dazu führt...


..dass im  Gebiet südlich des Kernses mit auflandigem Wind wohl mit mehreren 100mm (die 1000 der obigen Karte wage ich nicht für bar zu nehmen) .. (weiters Achtung, Falle, der Niederschlag ist hier in cm, nicht mm angegeben, um besser mit den Zahlen zu Rande zu kommen ..) .. zu rechnen ist.

Das Verweilen eines Kernes an der Küste ist bei einem Zyklon ein worst-case Szenrio, da die sonst normalerweise einsetzende Abschwächung über Land deutlich verzögert wird.

Man wird sehen, was daraus wird. Die Varianz der Zugbahn ist recht groß....

So ungestüm lässt sich der Europäische Frühling nicht an .....




Hinter dem nach Osten abwandernden Tiefdruckkomplex über dem östlichen Mitteleer und vor einer exemplarisch schönen Shapiro-Keyser Zyklone [ :-) ] über dem Atlantik ...



baut sich am Wochenende unter kräftiger Warmluftadvektion ein Keil über Zentral/Westeuropa auf, der vor allem den Kollegen im Westen Deutschlands am Sonntag ein veritables Frühlingslüfterl bescheiden könnte...



.. Die Chancen stehen gut, dass der erste 20-er deutschsprachige 20-er der Saison fällt.

Mittelfrostig .. ähm .. Mittelfristig gebietet einem das Holzauge jedoch wachsam zu sein.... auch nach dem mildesten Winter kann es noch bis in den April hinein polare *Watschen* geben, da sich die Gesetze der Strahlungs- und Energiebilanz auch durch den Klimawandeln nicht aushebeln lassen ... und die Sonne am Nordpol erst in knapp 2 Wochen überhaupt erst aufgeht....

EZ und GFS geben uns zur Mitte des Monats in ihren deterministischen Läufen immer noch Szenarien, die auf einen Kaltluftausbruch - wie wir ihn im Winter kaum hatten - hinauslaufen könnten....




Straffe Weströmung über dem Atlantik, die sehr kalte von sehr warmer Luft trennt und *Ausbruchsdruck* in der polaren Kaltluft aufbaut.. sowie tieferes Potential über Osteuropa, was tendenziell die Rutsche von Nordwesten nach Südosten lenkt...

Unterstützt wird dies auch durch eine sehr wirre Ensemble-Lage.... (große Streubreite der Vorhersagen  des EZ Modells.. ..)




.. was nichts anderes heißt, dass in den nächsten 10, 14 Tagen zwischen Vollfrühling und Frostwetter alles möglich ist.

Das wäre die letzte, hinterlistige Schandtat, die uns der Unwinter 13/14 noch antun könnte...  unnötiger Spätwinter im Vorfrühling...

Aber auch diesbezüglich .. wo die Reise hingeht .. sollte Mitte der kommenden Woche mehr Klarheit abrufbar sein.

In diesem Sinne wünsche ich vor allem der westlichen Leserschaft ein schönes Frühlingswochenende, und dem Osten etwas mehr Geduld.

LG

Manfred