Freitag, 27. Juni 2014

Radeln, DIF und Sommerausblick...

Hallo,

ich weiß, wieder ist ein Monat ins Land gezogen.. aber ich hab die Zeit auch anderwertig asinnvoll verbracht..... mit ein bissl Urlaub.... und ein bissl radeln ...




(die Playlist mit auch ungekürzten Versionen befindet sich... HIER.

... Umso mehr freue ich mich, dass jetzt die Zeit für einen Eintrag wieder reif ist und auch genug Muße vorhanden bzw. kein Tür-und-Angel-Feeling pressierend ist..

Das Jahr steht bei 50% und der Hochsommer bricht kalendarisch nächste Woche an. Den bisherigen Vorgeschmack auf diesen kann man mit Fug und Recht als .. lauwarm, durchwachsen .. klassifizieren und ich möchte Euch im lauf dieses Eintrages meine Meinung zum Charakter der nächsten 10, 14 Tage auftischen. Beginnen tun wir allerdings mit der näheren Zukunft.

In weiten Teilen des Landes ist es heute angenehm warm, und auch das Bufta-Bufta des größten Open Airs Europas schallt schon beinahe über die Landesgrenzen hinweg, es ist Donauinselfest-Wochenende. Und es wird ein wettertechnisch spannendes DIF....


Die aktuelle Lage:



Wenn ihr Euch mal nur auf die Farbverteilung dieser Karte konzentriert und mir glaubt, dass um diese Jahreszeit *lila* bei der 500-er Topografie für heiß/ und alles unter orange für kalt steht, so sieht man, dass eigentlich ein frisches Lüfterl weite Teile Kontinentaleuropas in der Mangel hat. Die Frontalzone, also der Drängungsbereich zwischen kalt und warm liegt vergleichsweise weit im Süden (z.B Spanien) und Österreich liegt ebenfalls in diesem Übergangsbereich. Ein Tief vor Großbritannien schickt sich an seinen Weg nach Osten fortzusetzen...


.. 24h später, also morgen zu Mittag hat sich etwas genatn, was in solchen Situationen gerne passiert. Das Tief bei GB elongiert sich nach Süden, der Trog bricht also etwas aus und in der Pendelbewegung steilt auch die Strömung über dem Alpenraum mehr auf Südwest. Allerings deutet die Isobarenausbuchtung über Deutschland und Frankreich schon die ziemlich behende heranrauschende Kaltfront des Systems an. Es wird jedenfalls leicht föhnig...

Der lustige Tag wird - nach Vorabgeplänkel am Samstag - der Sonntag.

Die Situation zu Mittag:


Die wellende Kaltfront des Systems ist mit Regen und Kaltluft bereits über Oberösterreich, der Westen hatte also durch diese Lage ungefähr für 3 Augenblicke Hochsommerwetter (genau genommen von Samstag 14:46 bis Samstag 18:03)

Vor der Front...



wird's mit lebhaftem Südwind leicht heißt (Maxima im unteren 30-er Bereich denkbar), bevor dann am Spätnachmittag/frühen Abend ...


teils kräftige Gewitter den Hauch des Hochsommers bis zum Abend nach Ungarn verpusten.

Das Setup für die Gewitter bei diesem Frontdurchgang ist gar nicht mal so übel,. das sei anhand von Wien und Graz demonstriert:





1) Labilität. In beiden Profilen können bei Erreichung einer Höchsttemperatur von 29 bzw. 30 Grad konsiderable Mengen an CAPE angezapft werden.

2) Wasserangebot: Ausfällbares Wasser liegt bei um die 30 Liter pro m²

3) Scherung. Die Windgeschwindigkeit legt vom Boden bei 10 kt auf 40 bis 45 kt in 500 hPa zu, das sind Bedingungen, wo nichts gegen die Bildung der einen oder anderen Superzelle spricht, wenn sonst alles andere passt.

Ins Bild passen würden hierbei Squallines, an deren Rändern, vornehmlich am südlichen sich auch SZ-artige Elemente befinden können. (mit allem was halt dazu gehört, sprich starken Böen, hohen Regenraten und auch klein/mittelgroßer Hagel)

Summa Summarum tut also am Sonntag jeder Open-Airler im Osten gut daran ab ca. 14 Uhr immer weider einen kritischen Blick nach Westen zu riskieren und rechtzeitig bei Verdunkelung die Heimreise anzutreten ....

Was dann? Nun, hier der KF wird es erst einmal kalt, das haben die meisten Kaltfronten so an sich :-)

Abseits dieser Binsenweisheit sticht dann für die ersten Julitage in den Modellen doch ein markantes Muster ins Auge..







Die grüne Ellipse markiert für die darauf folgenden 5-7 Tage die Manifestation eines Bereichs mit hohem Luftdruck bzw. warmer Luft im Bereich über den und nördlich der Azoren. Was gut für die Transatlantikschiff- und Luftfahrt ist und auch sicherlich für sehr sonnige Eindrückeüber dem dünn besiedelten Atlantik sorgen wird, ist für Sommerliebhaber in Europa weniger cool.

Ein solcher Keil lenkt an seiner Ostflanke immer wieder Tröge auf Ost bis Südostkurs gen good old Europe. Das verhatschte Azorenhoch zeigt uns also sprichwörtlich seinen kühlen Hinte*n, .. ähm die kalte Schulter. Das das nicht permanenten Nordwestwind und Mistwetter bedeutet, ist klar, es gibt durchaus auch Tage an denen vor einer hereinziehenden Wellen das Quecksilber in den Bereich nahe der 30 Grad steigen kann, z.B nächsten Freitag, mehr als einen Tag kann das aber bei der Wellenlage nicht halten.

So far so good, in Erinnerung an den letzten Sommer haben vielleicht aber auch diesmal die ersten Julitage nichts damit zu tun, ewas dann gegen Ende Juli und im August folgen mag.


In diesem Sinne LG und schönes WE,

Manfred

Sonntag, 25. Mai 2014

Superzelle vs. Multizellige Squalline - Ein meteorologischer Indizienprozess

Schönen Wahlsonntag !


Wie den Nachrichten , diversen Zeitungen und Facebook-Einträgen ja zu entnehmen war, hat gestern nach langer *Durststrecke* ein ordentlicher Brummer die Wienerstadt heimgesucht.

Der Blogger - ein Urwiener (definitionsgemäß ein Hybrid aus Niederösterreich und dem Burgenland) kann da, wenn in der Heimat was passiert nicht wirklich aus seiner Haut und muss seinen Senf dazu abgeben bzw. die Sache mal scheibchenweise auseinandernehmen.

Die Frage, die ich in dem Schauprozess beantworten möchte kommt dem Urteil gleich: War es eine Superzelle oder was anderes ?

Wieso kommt überhaupt eine Superzelle in Verdacht ?

Nun ...

Es gab ein Indiz:


Da, um 14:50 war auf der UBIMET Webcam, die nach Südwesten auf das heranziehende Konstrukt blickte etwas zu sehen... da hing was runter, was entfernt an einen Trichter erinnerte... bevor wir dem Trichter auf die Spur gehen und ihn bzw. andere aus anderer Perspektive beleuchten, zurück zu den Basics.

Was ist eine Superzelle ?

Sie ist eine spezielle Gewitterzelle, die einen sehr hohen Grad an Organsiation aufweist. Per Definitionem ist es eine Einzelzelle, also existiert für sich, abgetrennt /unabhängig von anderen Zellen über eine genügend lange Zeit (mehr als eine halbe Stunde/Stunde).

Definierend - und hierzu braucht es die lange Lebensdauer - für die Superzelle ist eine so genannte Mesozyklone. Die Mesozyklone kann man als solche nicht sehen, denn Mesozyklone heißt einfach nur: Eine Zyklone (Tiefdruckgebiet) auf der Mesoskala. Die Mesoskala fasst Phänomene zusammen, die eine Ausdehnung von ein paar bis 50 km haben und wird auch noch in Alpha, Beta und Gamma unterteilt.

In der Superzelle ist diese Zyklone am besten in mittleren Schichten (ein paar km über Boden) ausgeprägt. Diese Zyklone existiert so lange, dass der Wind darauf reagieren kann, ein Gleichgeichtswind zwischen Zentrfugal- und Druckgradientkraft stellt sich ein und wirbelt Wolkenmasse um das Zentrum der Zyklone, sodass der Wolkenturm weithin sichtbar zu rotieren beginnt.

Die Stärke der Mesozyklone - und das ist ein Ergebnis der normalen Bewegungsgleichungen in der Atmosphäre und in keiner Art und Weise besonders, hängt wenn man es einfach sagen möchte vom Produkt zwischen Vertikaler Winscherung und Stärke des Aufwindes ab. Der Aufwind in einem Gewitter wiederum ist proportional der Wurzel aus zu Verfügung stehender CAPE. In Blogterms kann man also sagen.. die Mesozyklonigkeit einer Zelle ist proportional dem Produkt aus Scherung und CAPE.

Ist beides hoch (USA-Fall) ist die Rotation enorm, es gibt aber auch Fälle mit wenig Cape und enormer Scherung die zum selben Ziel führen (England-Fall) oder Bombencape mit wenig Scherung (meist unser Fall), was Zellen über weite vertikale Strecken rotieren lässt.

Das wichtigste Indiz, um was es sich handeln könnte liegt also in der Analyse von CAPE und Scherung, das können wir aus dem Sondenaufstieg von 14:00 ablesen:




..... die Werte sind erst mal ernüchternd. Mixed Cape liegt bei etwas über 300, es ist ein Deckel mit CIN -46 vorhanden, das Windprofil ist sehr schwach scherend. In den untersten 1500m liegt die Scherung bei nur 8kt (10kt Südost am Boden auf 10 kt Südwest in 850), der Deep Layer Shear zwischen 850 und 400 hPa liegt bei 15 kt. Alle Levels haben Winde um Süd herum. So sieht kein Superzellensounding aus, da wesentliche Kriterien der Scherung nicht erfüllt werden.

Hingegen nimmt das ausfällbare Wasser (PWAT)  immerhin Werte von 24 an, was nicht so schlecht ist.....


Gehen wir weiter. Es gibt noch bessere Bilder dieses Trichters....



.. da hängt eine fransige Struktur nach rechts (Westen) in Richtung des Niederschlages runter.

Es gibt noch was Besseres, nämlich ein ziemlich gutes Video der Zelle , gefilmt von J. Steinhäuser (Sykwarn.at), auf youtube zu bewundern:




Das Video beinhaltet den Titel das Wort Wallcloud, ich möchte das vorerst ausklammern sondern darauf eingehen was ich sehe:

Von Sekunde 42 bis 1:00 sieht man diese rotierende, fransige Struktur, die nach rechts richtung Westen und damit dem Niederschlag hängt. Man sieht, wie zeitweise kleine Fetzerln ferner ab enstehen und dann in dem Trichter aufgehen.

Von 1:00 bis 1:22 sieht man von weiter weg auf die Zelle. Augenscheinlich ist dass der Hauptteil der Wolkenbasis von links nach rechts zieht, aus SüdSüdost nach NordNordwest. Aus dem Trichter von vorher hat sich nun ein abgesenkter Wolkenteil entwickelt, der dem Niederschlag vorangestellt von Nordwest nach Südost durchs Bild zieht. Das Gesamtsystem scheint zu rotieren...

Hier ist es mal an der Zeit sich ein ausgeprägtes Exemplar einer unbestrittenen Superzelle anzusehen:




Dieses Trumm stammt nicht aus den USA sondern von der Ostküste Australiens. Im Lauf des Videos kommt ganz klar heraus dass der gesamte Wolkentrum schnell und bis in große Höhen rotiert, an der Basis ist die Wallcloud, ebenfalls rotierend sehr gut ausgeprägt. Die Wallcloud ist ein abgesenkter Teil der Wolkenbasis, sie markiert den Aufwindschlauch des Gewitters und ist deswegen abgesenkt, weil der Sog so stark ist dass schon Luft, die vom rückseitigen Regen bereits gekühlt wurde und damit ein tieferes Kondensationsniveau hat in den Aufwind gezwungen wird. Der Sog kommt von der starken Mesozyklone ein paar km höher.

Im Video aus Wien sieht man hingegen, dass , wenn man ganz genau hinsieht, nur dieser kleine abgesenkte Teil aus W-NW durchs Bild zieht, die Wolkenmassen dainter allerdings, genau wie die Wolkenmasse am Vorderrand aus Süd nach Nord. Hier rotiert also nicht die Basis, sondern der Wolkenteil fegt unter der Wolkenbasis aus einer anderen Richtung durchs Bild.

Gehen wir auf den Radarloop (ich hab nur die ganzen 2 Tage verfügbar, leider)


Darauf ist zu sehen, wie sich am Samstag am späten Vormittag Zellen ausgehend vom Grenzgebiet Niederösterreich/Steiermark zunächst langsam nach Norden verlagern und recht lange vor Wien stehen bleiben, ehe eine dann doch eher plötzlich den Sprung nach Osten macht, und in schneller Folge eine weitere Zelle über dem Nordswesten der Stadt aufpoopt und das ganze System hernach unter Beschleunigung stark linienförmig aussehend nach Nordosten ausbricht.

Es fällt also schwer hier von einer Zelle zu sprechen, es ist ein ganzer Verband aus zusammenhängenden Zellen. Noch deutlicher wird dies, sieht man sich die Einzelbilder an:






Zunächst zieht ein Zellendipol aus Südwesten herein, dann entwickelt sich vorlaufend über Döbling / Floridsdorf/Klosterneuburg eine neue Zelle, die im weiteren Verlauf die dominante Zelle wird, die hintere, ursprünglich starke Zelle geht ein.  Ein solches Verhalten sieht man oft in Multizellenkomplexen, wenn der Niederschlagsgekühlte Ausfluss einer Zelle die warme vorlaufende Luft hebt und so eine neue Zelle triggert. (Ausflusdominantes System)

Die Überschwemmung in Döbling war also quasi hausgemacht...... aber auch diese Zelle hatte anscheinend einen Trichter:




Nun blicken wir auf die neue Zelle über Döbling. Der Niederschlagsbereich ist der schwarze Vorhang links. Der Trichter hängt also nach links in den Niederschlagsbereich hinein (Nota bene, der erste, bei der Urzelle nach rechts).

Der Aufwindbereich ist gut definiert, allerdings sieht man keine abgesenkte Wolkenbasis (Wallcloud) sondern nur eben diesen Fasrigen Trichter. Es ist ein Fractus, der in dem Moment ensteht, wenn Regenluft mit tiefem Kondensationsniveau einbezogen wird, sich aber keine Wallcould daraus bildet, sondern ein Vorläufer der Böenfront (Arcus) der wiederum definierend für eine outflowdominate Squalline wird. Diesen Übergang vom Trichterl zum Arcus sieht man auch gut im zweiten Teil des Videos von Johannes Steinhäuser.

Das letzte Indiz ist die optische Erscheinung der Zellen.... hierzu bemühe ich mein eigenes YOUTUBE Video, das ich aus einzelslides der UBIMET CAM zusammengstellt habe:




Hier liegt der aussagende Teil am Anfang. Man beachte die Linie vom Zellen, die noch unter sonnigen Bedingungen am westlichen Bildrand vorbei ziehen. Die Türme sind ganz gerade, nahezu symmetrisch. In einer Umgebung , die Superzellen begünstigt, würde man schiefe Türme mit vorlaufenden Amboss und vielleicht auch einem zurückgescherten Amboss erwraten. Das ist aber nicht der Fall, im Gegenteil, die Form dieser Zellen passt hervorragend zum (schwachen) Scherungsprofil.


Damit ist der Indizienprozess abgeschlossen, ein Beweis fehlt mir, da ich ja nicht vor Ort war. Die Indizien deuten aber für mich darauf hin, das nicht alles, was eine super Zelle ist eine Superzelle ist, und auch nicht alles, was sich dreht eine Mesozyklone. Wir sehen meines Erachtens Nach in allen 3 Fällen die Ansätze der Bildung eines Arcus und dmit sprechen die Indizien gegen Superzelle und für eine multizellige Squalline.

LG

Manfred