Freitag, 17. April 2015

Downstream Development ... des Briten Freud, des unsren Leid

Hallo,

viel Wasser ist seit dem letzten Eintrag die Donau gen Australien geflossen, wenig Wasser hingegen von oben gekommen. Endlich , heute hat die allgemeine Großwetterlage wieder etwas zu bieten, das sich lohnt mit der werten Leserinnenschaft zu teilen......

Ausgangspunkt für heute ist das Bild einer Atlantikzyklone von gestern:


Diesmal habe ich den sichtbaren Kanal des Satelltiten gewählt. Wir sehen den Kringel mit Hammerkopf-Anwandlungen einer Shapiro-Keyserartigen östlich von Labrador.

Das korrespondierende Wasserdampfbild....


zeigt eindrucksvoll den trockenen Eindringling (dry intrusion) auf der kalten Seite des Jetstreams die in den Kernbereich hinein gewickelt wird.

Sehr spannend ist die Genese dieses Systems im IR Kanal mit dem Druck unterlegt...

IR + MSLP



.... im Wasserdampfkanal....

WASSERDAMPF



.. und im IR Kanal mit dem Geopotential unterlegt

IR + GEOPOT 500



(Man sieht, der Blogger geht mit 3 Jahren Verspätung mit der Zeit und bindet nun statt  früherer Flashplayer neuerdings MP4 Videos mittes html5 Standard ein ;-)

Sehr schön sieht man wie die Dry Intrusion einen Keil in die Wolkenmasse der kernnahen Warmfront frisst und daraus nach und nach eine Okklsuion formt. Insgesamt ist das System mit einem Kerndruck von 960 hPa für Mitte April sehr kräftig.... jetzt fragt man sich... was hat das mit uns zu tun ?

Na ja... zwar beglückt uns diese Zyklone nicht persönlich, sie macht aber einem Nachbarn (dem kalten Walter) die Türe auf..... schaun wir uns das an:




Mittlerweile hat sie sich südwestlich von Island postiert und schaufelt fleißig Warmluft in die Polarregion. Dies hat zur Folge dass ein nörldich von Schottland liegendes Hoch durch diese Warmluftadvektion (=Potentialanstieg) gestärkt und nach Norden ausgeweitet wird. Das habe ich über die Pluszeichen markiert. Östlich dieses erstarkenden Hochs wird nun die Bahn frei für einen Vorstoß polarer Kaltluft aus NordNordOst gen Mitteleuropa.... durch den blauen Pfeil markiert...

Diesen Vorgang, dass an der Ostflanke eines sich ampflifizierenden Hochs, das sich deswegen amplifiziert, weil es an der Westflanke mit Warmluft gefüttert wird, ein Kaltluftvorstoß nach Süden geschieht, das nennt man in der Meteorologenwelt gemeinhin "Downstream development". Deswegen weil eine Ursache stromaufwärts indirekt eine Reaktion stromabwärts verursacht.



Nach den gestrigen Höchstwerten von bis zu 28,3 °C ist der Alpenraum heute also von 2 Systemen in die Mangel genommen worden..... aus Norden von der Kaltfront des sich anbahnenden Kaltluftvortosses, von Süden her von der Okklusion eines alten Tiefs über dem nördlichen Mittelmeer...


Interessant sich die Rippeln im Cirrusschirm der Okklusion... hier ist viel Saharastaub mit im Spiel, der dafür sorgen kann, dass die Oberseite der Wolken verstärkt in den Weltraum abstrahlen, es labil wird und Konvektion im Cirrusniveau eben diese Rippeln erzeugt. Die Kaltfront liegt hier um 11 Vormittags noch quer über Tschechien.... und bereits durch die ersten Blitze angdeutet haben sich über Bayern und Oberösterreich im späteren Verlauf veritable Gewitter gebildet. Die Gewitter enstanden im Bereich der allmählich gegen die Alpen gedrückten und ausgequetschten Restwarmluft, gemeinhin werden solche Gewitter auch Sandwichgewitter genannt.....




Abschließend eine neue Karte, die ich entwickelt habe....




Sie zeigt das kombinieter HRV/IR Satelltitenbild mit Blitzentladungen und einer 12-teiligen Kategoriserung von potentiellen Gewittern mit Hilfe von Modellfeldern auf Basis von CAPE und Scherung.... das wird über die nöchsten Woche spannend zu evaluieren...

Die Aussichten sind so traurig, dass ich sie nur am Rande streife..... 





Das durch freundliche Warmluftadvektion gestützte Britenmhoch bleibt bis in die neue Woche hinein ziemlich ortsfest, was den Briten selbst ein paar feine Tage bescheren wird.... uns zeigt es an der Ostflanke sprichwörtlich die kalte Schulter...


damit dennoch schönes Wochenende

LG

Manfred

Samstag, 21. März 2015

From Zero to Hero - Die erste Frühlingswoche 2015

Wunderschönen Samstag,

nach einer wieder langen Pause (ich kann mich auf das fade Anti-Wetterwetter ausreden) ist mittlerweile neben dem meteorologischen auch der kalendarische Frühling ins Land gezogen. Nun sind dem Wetter fixe Datumsgrenzen bekanntermaßen ziemlich wurscht (deutsch: egal), 2015 ergibt sich aber vielleicht eine erstaunliche Koinzidenz zwischen der ersten Woche des kalendarischen Frühlings und das, was man man unter Frühlingswetter gemeinhin versteht... Nicht nur Sonne und Wärme, sondern auch die ersten Anwandlungen der konvektiven (Gewitter-) Saison.

Bevor wir dorthin kommen starten wir in bekannter Manier mit der aktuellen Lage:


Das aktuelle IR Bild zeigt eine delikate weil ziemlich verworrene Wetterlage. Dröseln wir das einmal auf. Ganz markant finden wir in der Nordwesthälfte das langgezogene, wellende Wolkenband, das die nordatlantische Frontalzone markiert. Über Südwesteuropa lagert ein altes Höhentief mit eher undeutlichen Strukturen und dennoch wird es gerade in Zentraleuropa eine nicht unbedeutende Rolle in der Winterabwehr spielen. Das für die Kurzfrist interessanteste System ist der Frontenzug über Dänemark und Nordwestdeutschland, es markiert die Vordergrenze eines polaren Kaltluftvorstosses, der momentan mehr oder weniger direkt gegen die Alpen gerichtet ist und dort am heute Nachmittag/Abend ankommt. Jetzt mag sich die geneigte Leserin wundern, wie ich ob eines Kaltluftvorstosses aus Norden von Frühlingswetter reden kann.. das ist doch grausig .... !

Wie heißt es so schön, Schein und Sein sind 2 verschiedene Dinge und oftmals ist eine Verkettung von glücklichen Umständen beim Wetter in der Lage, Unglück (Kaltluftvorstoss) abzuwehren.



Was tut sich in den nächsten 12 Stunden ?


Das System über Dänemark kommt rasch nach Süden voran, wobei sich der zugehörige Höhentrog beginnt abzuschnüren und nach Südwesten auszubrechen. Die im Satellitenbild angedeute Welle des Frontenzuges nordwestlich der Britischen Inseln vertieft und amplifiziert sich weiter, während gleichzeitig auch das Südwesteuropa-System etwas näher an die Alpen rückt. Da wird Mitteleuropa also von 2 Seiten her drangsaliert.


24 Stunden später ....


.. ist das ursprünglich zum Dänen gehörige Höhentief schon nach Frankreich/Spanien gezogen... die einstige Kaltfront, die den Kaltluftvorstoss markiert hat ist kanpp südlich der Alpen picken geblieben und kommt nicht mehr weiter nach Süden voran, weil eben die Zirkulation des Höhentiefkomplexes über dem Mittelmeer mehr und mehr dagegen hält. Gleichzeitig hat sich die Nordatlantikwelle weiter vertieft, die Warmluftzufuhr an ihrer Vorderseite baut ein Hoch über Norddeutschland auf, das in weiterer Folge den Rest des Kaltluftvorstosses rasch nach Osten abdrängt.

Am Montag .....


lagert die Luftmassengrenze nach wie vor inaktiv irgendwo knapp südlich der Alpen, während die Nordatlantikwelle mittlerweile Norwegerin geworden ist und eine Kaltlfront aus Nordwesten gen good old Europe steuert.... die aber...


am Dienstag zunehmend verwellt.... statt Durchmarsch etabliert sich an der Vorderseite der verschmelzenden Systeme (Heirat Atlantik-Mittelmeer) zunehmend die Advektion feucht-milder Luftmassen aus dem Süden, was am Mittwoch in folgendem Bild kulminieren könnte:


.. eine kräftige Frontalzone trennt Nord-Südorientiert hereinströmende Atlantikkaltluft über Westeuropa von Warmluft Nordafrikanischen Ursprungs über Osteuropa. Und diese Warmluft ist zunehmend instabil....




.. wie die Karten der äquivalentpotentiellen temperat sowie der CAPE zeigen. Bei angenommen Höchsttemperaturen von 20 Grad ohne Föhn und Volumseffekthilfe kein besonderes Wunder.


Das alles ist freilich erst einmal nur eine Geschichte von vielen. Selbstverfreilich kann sich bei dieser permanenten Verkettung von Ereignissen und Systemen bis zum Mittwoch noch viel ändern... dennoch ist der Trend ...

1) Abwehr des polaren Kaltluftausbruchs
2) Ablenkung des nächsten Kaltluftausbruchs nach Südwesteuropa
3) Aufsteilung der Strömung und kräftige Verschärfung der Temperaturunterschiede quer über Europa mit einem warmen Osten und kalten Westen schon ein paar tage in den Modellen erkennbar und es könnte damit für die vom Wetter seit letzten August schwer gestraften Flachländer doch einmal die glückliche Fügung von ersten zarten Anwandlungen von Äktschn Realität werden.


LG

Manfred