Montag, 3. Oktober 2011

Ophelia bringt den Herbst zurück

Hallo,

mein letztes Australisches Posting für eine Weile... in 6 Stunden geht's 18.000km zurück nach Wien. Und in jenem vielbesungenen Land, dessen Hauptstadt Wien immer noch ist, wird sich in der neuen Woche endlich einmal wieder etwas beim Wetter tun.

Langzeithoch SEPDIEH geht in Pension, das Westwindregime wird endlich wieder seiner klimatologischen Rolle bei uns gerecht. Und auch die Temperaturen werden sich der Jahreszeit besinnen. Wie das Ganze von Statten geht ist dabei recht interessant, das Besondere ist , dass Ex-Hurrikan OPHELIA dabei die Rolle der Frau General zukommt.

Wo ist Ophelia zur Zeit ?

Hier:


Gerade ist OPHELIA noch ein KAT 1 Hurrikan östlich von Neufundland, schwächt sich aber ab. Ihr Leben ist aber noch lange nicht vorbei, der Frontalzone und dem Jetstream sei Dank.

Zunehmend gelangt der Sturm nämlich an die Südflanke des Jets, der das Gebilde über die nächsten Tage behende nach Osten über den großen Teich zieht:



Am Dienstag sieht man OPHELIA südwestlich von Island als Welle, die in die Frontalzone eingegliedert ist. Das erkennt man daran, dass die Temperaturunterschiede im Bereich des Ex-Sturms deutlich zunehmen, da Arktikluft an ihrer Rückseite nach Süden strömt...



Am Mittwoch ist Ophelia immer noch als Welle etwas westlich von Schottland zu sehen ...


-- läuft aber in diesem Augenblick von rechts hinten kommend in den Bereich eines Jetstreaks..




und ist damit.. Wochen nach der Entstehung abermals unter guten Voraussetzung für eine Zyklogenese, also Tiefdruckbildung bzw. Verstärkung der Zirkulation, diesmal aber, wenn man so will, nach Europäischem Reglement für Zyklogenese... Hier zu sehen resultierend als kräftiges Frontalzonentief mit Kern nordöstlich von Schottland.


Der Hintergund, also die Historie als Hurrikan und das von hinten Hineinlaufen in einen Jetsreak legt nahe, dass wir auf dem Satellitenbild Shapiro-Keyser-Strukturen, mit mächtigem Warmfrontschirm, und T-Bone Ähnlichkeit im Zusammenspiel von Okkusion und Warmfront sehen sollten. Freitag Früh sollte uns die Kaltfront der Frau General dann erwischen...



Auf die 5 Tage wird sich an den Details natürlich noch manches ändern, und da das Einkoppeln eines tropischen Sturms in die Frontalzone immer ein Prozess ist, der mit prognosetechnischen Risken verbunden ist, kann das Freitagsbild im Ergebnis tatsächlich noch kräftig schwanken..

Wenns jedoch klappt, wäre es ein Prachtbeispiel für eine Nordsee-Shapiro-Keyserin mit westafrikanischem Migrationshintergund.


Die nächsten 25.5 Stunden verbringe ich jedenfalls in diesen Gebilden... (in zeitlicher Abfolge)..


Melbourne - Singapur - 7,5h


Singapur-Frankfurt 12,5h


Frankfurt - Wien 1h


Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Hi!

    Was ist das eig. für ein zyklonales Gebilde ohne jedweden Jetstream, das in der letzten 300-er Karte in Nordskandinavien auftaucht?

    Lg, Stefan

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  2. Hi Stefan,

    sorry, flugbedingt kann ich erst jetzt antworten. Wollte dir einen exklusiven Kommenar aus Singapur zukommen lassen, dennoch liess der dort installierte InternetDrecksplorer keinen Kommentar zu. Jedenfalls, was du ansprichst ist ein Tief im Endstadium, ein uraltes Höhentief, mit wenig Strömung (deswegen kein Jet, keine nennenswerte Vorticityadvektion) und kaum Auswirkung auf den Druck am Boden.. das Ende vieler Polarfrontzyklogenesen.

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !