Donnerstag, 21. Oktober 2010

Ein Jahr wetterinfos.blogspot.com

Werte Gemeinde,


vor genau einem Jahr, an einem Donnerstag, wurde gedanklich der Grundstein zu diesem Wetterblog gelegt. Für die die erst später hinzukamen, sei erwähnt, dass dem MS-Egotrip eine kleine Dokumentation des Solarautorennens von Darwin nach Adelaide, 3000km quer durch die Steppe Australiens, dem ich als Meteorologe und Berater beiwohnen durfte, voranging. Dieses war das Erstlingsposting. Und ich empfehle, die genannte Berichterstattung durchzuklicken, das war insgesamt für mich ein Schlüsselerlebnis.

Während dieser Reise (5 Tage kein fließend Wasser und lediglich Dosennahrung ..) reifte schließlich der Wetterblog-Gedanke zur Vollendung. Schreibenderweise, nicht unbedingt sprechender Weise war ich, zumindest was das Wetter betrifft, nämlich schon immer mitteilungsbedürftig.

Der interne Mailverteiler der Firma war dafür aber auch nicht wirklich das richtige Pflaster, da in einem operationellen Betrieb im Lauf des Tages so viel an Wichtigem zusammenkommt, dass man nicht unbedingt als Met noch ein unmotiviertes Mail vom Chefmet kommentieren muss.

Damit komme ich vielleicht auf einen des Pudel Kerne. Für sich selbst schreibt man die Dinge ja nicht, denn da wär es schneller und einfacher, sich selbst die Dinge auf den Computer zu diktieren und im Jahre Schnee der Malitant vorzuspielen... sprich: Sinnentleert. Der Gedanke eines kleinen, aber umso feineren Publikums hat für den Blogger also seinen Reiz und ist auch der Sinn seines Schaffens.

Darum auch meine Ehrerbietung an die Stammleserschaft, vielleicht können wir uns ja auch einmal beim Wirten unserer Wahl zum Meinungsaustausch vergesellschaften. Die Idee behalte ich zumindest im Hinterkopf, denn gar so schnell wird des nix werden.

Nächsten Mittwoch unterziehe ich mich nämlich dem hier:


Ziel: Dummer Tourist und Genießer bei ausgeschaltetem Handy und minimalem Emailgebrauch zu sein.

Danach kann sich die geneigte Leserschaft denken, dass ich nicht auf halbem Wege verweilen werde sondern:



Und irgendwann, Ende November wage ich mich schließlich die Erde umrundend ins vorweihnachtliche Wien zurück. Ich müsste ob der Jahreszeit lügen, sagte ich, ich freute mich.

Jedenfalls, die Möglichkeit der Weltenbummlerei erfüllt mich weniger mit Stolz als mit gebotener Demut als dass ich weiß,  dass sich jene nicht als selbstverständlich darstellt. Ich wünsche jedenfalls jeder und jedem, der und dem die eigenen Grenzen zu eng werden, dass ihr und ihm die selben Möglichkeiten zuteil werden mögen.

Den Bogen, nunmehr dass ich so abgedriftet bin, zurück zu spannen ist unmöglich, deswegen mache ich es wie der ORF und schreibe etwas vollkommen unzusammenhängendes:

Das nächste Wochenende wird Dank Hochdruck und Föhn in weiten Teilen Österreichs ganz nett, und mit etwas Glück wird der Hochnebel im Oschten nicht zu brutal und uns sogar zeitweise die Gnade der Lichtung erweisen. Fenstertag und Staatsfeiertag werden Regenschirmtage.

N8

Manfred

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Letztes (Stänker)Post zu MEGI

Hallo,

Taifun MEGI ist von der Bildfläche verschwunden. Nein, nicht von den Schirmen der Meteorologen, er hat sich über dem Südchinesischen Meer wieder auf  KAT4, also zur zweithöchsten Stufe regeneriert und ist damit im Moment mit Mittelwinden über 200 km/h extrem gefährlich. Verschwunden ist er nur aus den mitteleuropäischen Medien. Mit einem atlantischen Kat1 Hurrikan würde das nicht geschehen, über den würde noch berichtet, wenn er sich vor Land längst aufgelöst hat.

MEGI gehört zu der Handvoll der stärksten Wirbelstürme, die jemals beobachtet wurden, ein paar Fakten dazu gibts auf dem WETTER-TV Blog, den heute mein Kollega Andreas (II) verfasst hat.


Und dabei sind die weiteren Szenarien durchaus brisant. GFS hat eine Extremvorhersage für MEGI in Petto, die ihn recht weit östlich auf direkter Bahn auf die dichtbevölkerte Insel Taiwan, und zwar hauptsächlich auf den Südwesten um die Millionenstadt Kaohsiung lenken würde, Orkan und heftiger Regen wären die Folge. Weniger dratische Szenarien lassen MEGI etwas weiter westlich unter Abschwächung auf das Südchienesische Bergland ziehen. Da ist also noch Potential für Weltschlagzeilen drin... Blogleser sind da aber vorher informiert.

Ich habe das schon einmal zu beginn der Wirbelsturmsaison gesagt, ich verstehe nicht warum die Europäischen Medien die Hurrikans von Beginn an verfolgen und die pazifischen erst, wenn a schon Hunderte Menschen gestorben sind oder B die Zerstörung weiter Landstriche unmittelbar bevor steht.

Nirgends war zu lesen, dass Megi als zweiter Sturm neben Wilma die magische 900 hPa Kerndruckgrenze unterschritten hat. (Hausverstand sagt: 885 hPa: da fehlen mehr als 10% der gesamten Atmosphärenmasse, so heftig ist das System).
Und ich will, ich weiß ich wiederhole mich, nicht darüber nachdenken, wie es in anderen Bereichen der Weltnachrichten zugeht, in denen ich nicht so kompetent bin, mich selbst zu bilden.

Gruß

Manfred