Hallo,
zum Einstieg muss ich mich wieder einmal für die doch recht geringe Frequenz an Beiträgen über die letzten Wochen entschuldigen. Diese steht in direkter Proportion der zur Verfügung stehenden Freizeit, die gerade am Ende des Jahres eh immer schon recht spärlich gesäat ist. Über die letzten tage habe ich mich auch wieder ans andere Ende der Welt begeben. Und bei momentan 38 Grad in Melbourne fällt der Blick auf das Wetter in good old Europe recht neutral und dennoch nicht weniger fasziniert aus. Wir haben es momentan damit zu tun...:
Wie der Titel des Eintrages schon sagt haben wir es hier mit einem besonderen Kaliber einer Warmfront zu tun, die ihren breiten Wolkenschirm von der Nordsee quer über Deutschland bis hin über die Alpen spannt.
Nachstehend ein ähnliches Bild mit dem Versuch hinterlegt, die Lage der niederatmosphärischen Fronten widerzugeben:
Und damit einem die Kontraste nicht allzu sehr den Blick auf das Wesentliche versperren, das selbe noch einmal über dem Wasserdampfbild:
Der breite Wolkenschirm ist die Spur aufsteigender, feuchter Atlantikluft, die sich über den Rest des verbliebenen Kaltluftkörpers über Mitteleuropa schiebt.
Auch in den Modellfeldern ist diese Paradefront ausnehmend gut in der Luftmassenanalyse zu erkennen:
Nun ist es Zeit mit ein paar Ammenmärchen Warmfronten bzw. Tiefs betreffend aufzuräumen, die einem immer wieder mal so entgegenschwirren, sei es in Foren oder quasi-offiziellen Wetterberichten.
1) These: Atlantische Warmfronten kommen aus Westen. Dies ist unrichtig. Schaut man auf den Satellitenloop, sieht man eindeutig, wie sich der Wolkenschirm aus Nordwest bis Nord über die Alpen legt...
Mit diesem Loop kann man gleich auch Märchenkapitel 2&3 in den Bereich der Legenden schieben, die da wären: Warmfronten befinden sich an der Vorderseite eines Troges, der die milde Luft aus Niedrigen Breiten nach Norden führt UUUUND Im Rahmen der Evolution eines Tiefs holt die Kaltfront die Warmfront ein und bildet so die Okklusion. Alles Stuss, zumindest sind es Behauptungen ohne Allgemeingültigkeit.
Der Loop zeigt, wie sich der Warmsektor über die letzten Tage stets breit geöffnet gehalten hat bzw. sich sogar zwischenzeitlich weiter verbreitet, keine Chance für die vergleichsweise schwache Kaltfront auf die voraus weglaufende Warmfront aufzulaufen.
Unsere guten, alten Warmfronten liegen in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle an der Vorderseite von Keilen der Höhenströmung, da macht auch diese keine Ausnahme, was man schön an der Position des Jets sehen kann:
Der Jet ist stark antizyklonal, also wie ein Hoch gekrümmt und drückt die Wolkenmassen aus Nordwest bis Nordnordwest gegen die Alpen. Das ist die Normalkonfiguration für diesen Wettertyp, der im übrigen genau in die Singularität *Weihnachtstauwetter* passt.
Fürwahr anders ist die Struktur von Zyklonen über den USA, die sich im Lee der Rockies bilden. Dort liegen Bodentrog und Höhentrog meist genau übereinander, ich hatte dazu schon mal ein Post verfasst, was dazu führt, das die Warmfront tatsächlich an der Vorderseite des Höhentroges zu liegen kommt, die Kaltfront an der Trogachse. Dort steckt aber auch ein anderer Bildungsmechanismus dahinter.
Zum Abschluss, weil es so schön ist, noch eine Querschnittssequenz von Ost nach West durch die Warmfront, von Bratislava bis München...
Am Sonntag zu Mittag erreicht die Warmluft in der Höhe bereits Bratislava, die Temperatur in 2000m Höhe (800 hPa) liegt schon bei 0 Grad. Darunter hält sich aber noch die Kaltluftmit bodennahen Werten teils deutlich unter 0 Grad.
Über Wien setzt sich die Warmluft schon viel näher an den Boden durch, die Kaltluftschicht ist nur noch ein paar 100m dick...
In Linz ist zur selben Zeit nur noch ein hauchdünnes Kaltlufthäutchen übrig ...
.. während sich München schon vollends im Frühlingslüfter aalen kann.
Lg und frohes Schwitzen,
Manfred
Sonntag, 23. Dezember 2012
Montag, 3. Dezember 2012
Viel Äktschn (Action)
Hallo,
um nach der Ganzen Weltreiserei und einer wohlverdienten wettertechnischen Ruhephase nach Beendigung ebendieser so langsam wieder in die routiniertere Betrachtung des zentraleuropäischen Wettergeschehens einzusteigen, heute früh erst einmla ein Kommentar zur aktuellen Wettersituation über good old Europe...
Den Einstieg macht die Frontenkarte auf dem Wasserdampfbild:
Das Bild wird dominiert von 2 Shapiro-keyserlichen Zyklonen, eine am linken Bildrand, eine am rechten, wir befinden und im Trogsumpf in der Mitte ;)
Besonders giftig ist die Zyklone über dem Schwarzmeer, die derzeit die Küste Rumäniens mit Böen jenseits der 100 km/h herbeutelt. Sie hat alles, was eine SHPK optisch braucht: Dominante Warmtfront/Okklusion, Schwammerlform, sowie ein ausgeprägter dry slot (trockener Einschub) im Wasserdampfbild genau zwischen Kaltfront und Okklusion. In diesem Bereich treten derzeit die schweren Sturmböen bzw. einzelne Orkanböen (in Sulina bis zu 126 km/h) auf.
Die Geschichte wird in dieser Form auch von den Modellen gestützt, sei stellvertretend für die Modellwelt einmal das ECMWF hergenommen:
Verfolgt man die Form dieses trockenen Bandes, das sich von der nordwestlichen Sahara über Griechenland bis hinauf zum Donaudelta erstreckt, so ist die Bezeichnung *Sting&Stacheljet hier überaus treffend.
Für uns im Alpenraum interessant wird das Frontensystem, das derzeit auf Frankreich übergreift. Es ist ein altes, weitgehend okkludiertes System, das uns morgen die Aufwartung mit vorübergehender, aber markanter Erwämung und damit Aufgleitniederschlägen an der Alpennordseite macht. Aufgrund der Tageszeitlichkeit wird dennoch zumindest inneralpin alles als Schnee fallen, während an der Alpennordseite und vermutlich auch im mitteleren/unteren schönen Tal des Inns auffrischender Westwind die Temperaturen in der Früh bzw. am Vormittag soweit nach oben treibt, dass unterhalb 800m eher Regen das Thema bleibt. Mit etwas Glück bekommt das Weinviertel etwas mehr Schnee als so manches Alpental ab, da dort der Wind erst sehr spät auf West drehen wird....
Abschließend noch ein Blick auf den Jet und daraus abgeleitet Schlussfolgerungen für den Rest der Woche:
Zum Ende der Woche zeigen die *Big 2* Modelle einen schlenkernden Jetstream im Wesentlichen von der Ostküste Kanadas über jene Südengrönlands und Islands bis zu uns. Es ist bis auf Weiteres daher davon auszugehen dass auf dieser Rutschbahn weitere Kurzwellentröge mit Okklusionen und Kaltfronten gen Europa marschieren und die Alpennordseite in den etwas höheren Lagen allmählich mit ziemlich viel Schnee zumüllen werden, während das Flachland und der Süden, den Schneeräumern mag das gefallen, nur eher spärlich mit Flankerln bedacht werden wird. Dabei bleibt es polarluftig-kalt, aber eben nicht saukalt...
Lg
Manfred
um nach der Ganzen Weltreiserei und einer wohlverdienten wettertechnischen Ruhephase nach Beendigung ebendieser so langsam wieder in die routiniertere Betrachtung des zentraleuropäischen Wettergeschehens einzusteigen, heute früh erst einmla ein Kommentar zur aktuellen Wettersituation über good old Europe...
Den Einstieg macht die Frontenkarte auf dem Wasserdampfbild:
Das Bild wird dominiert von 2 Shapiro-keyserlichen Zyklonen, eine am linken Bildrand, eine am rechten, wir befinden und im Trogsumpf in der Mitte ;)
Besonders giftig ist die Zyklone über dem Schwarzmeer, die derzeit die Küste Rumäniens mit Böen jenseits der 100 km/h herbeutelt. Sie hat alles, was eine SHPK optisch braucht: Dominante Warmtfront/Okklusion, Schwammerlform, sowie ein ausgeprägter dry slot (trockener Einschub) im Wasserdampfbild genau zwischen Kaltfront und Okklusion. In diesem Bereich treten derzeit die schweren Sturmböen bzw. einzelne Orkanböen (in Sulina bis zu 126 km/h) auf.
Die Geschichte wird in dieser Form auch von den Modellen gestützt, sei stellvertretend für die Modellwelt einmal das ECMWF hergenommen:
Verfolgt man die Form dieses trockenen Bandes, das sich von der nordwestlichen Sahara über Griechenland bis hinauf zum Donaudelta erstreckt, so ist die Bezeichnung *Sting&Stacheljet hier überaus treffend.
Für uns im Alpenraum interessant wird das Frontensystem, das derzeit auf Frankreich übergreift. Es ist ein altes, weitgehend okkludiertes System, das uns morgen die Aufwartung mit vorübergehender, aber markanter Erwämung und damit Aufgleitniederschlägen an der Alpennordseite macht. Aufgrund der Tageszeitlichkeit wird dennoch zumindest inneralpin alles als Schnee fallen, während an der Alpennordseite und vermutlich auch im mitteleren/unteren schönen Tal des Inns auffrischender Westwind die Temperaturen in der Früh bzw. am Vormittag soweit nach oben treibt, dass unterhalb 800m eher Regen das Thema bleibt. Mit etwas Glück bekommt das Weinviertel etwas mehr Schnee als so manches Alpental ab, da dort der Wind erst sehr spät auf West drehen wird....
Abschließend noch ein Blick auf den Jet und daraus abgeleitet Schlussfolgerungen für den Rest der Woche:
Zum Ende der Woche zeigen die *Big 2* Modelle einen schlenkernden Jetstream im Wesentlichen von der Ostküste Kanadas über jene Südengrönlands und Islands bis zu uns. Es ist bis auf Weiteres daher davon auszugehen dass auf dieser Rutschbahn weitere Kurzwellentröge mit Okklusionen und Kaltfronten gen Europa marschieren und die Alpennordseite in den etwas höheren Lagen allmählich mit ziemlich viel Schnee zumüllen werden, während das Flachland und der Süden, den Schneeräumern mag das gefallen, nur eher spärlich mit Flankerln bedacht werden wird. Dabei bleibt es polarluftig-kalt, aber eben nicht saukalt...
Lg
Manfred
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