Hallo,
dieser Tage ist ein guter Zeitpunkt um zu demonstrieren, dass das natürliche Prinzip des Alterns, vom Werden zum Sterben zumindest auf Zyklonen nicht immer anwendbar ist.
Zwar kann man in vielen Fällen auch bei unseren aussertropischen Zyklonen eine typische Lebenslinie von der Geburt über die Phase maximale Aktivität bis hin zum schnellen oder langsamen *Tod* eines Systems ziehen, es gibt aber deutliche Abweichungen von dieser Standardlinie.
Eine solche, die einer eigentlich todgeweihten Zyklone frisches Leben einhaucht (und dieses frische Leben bringt uns auch den Schnee in weite Teile des Landes, möchte ich heute ein bisschen durchleuchten, man kann das durchaus als das Follow up zu meinem letzten Eintrag sehen.
Am Besten, wir starten mit der Situation, wie sie sich von METEOSAT um 04:45 heute früh darstellt:
Die Zyklone, um die es geht, ist die, die sich schon beschwerlich über Frankreich und der Iberischen Halbinsel windet. Sie ist der alte Überrest eines Systems, das vom Atlantik kommend nach Südosten abrauchen musste, da sich, wie angekündigt, über Skandinavien ein starkes Hoch befindet, das Nichts und niemanden vorbeilässt.
Sieht man sich die momentane thermische Struktur des Systems an, so lässt sich in allen Fällen das fortgeschrittene Alter festmachen:
Anhand der Temperaturverteilung in 500 und 850 hPa sieht man, dass der gesamte Kernbereich von (atlantischer ) Kaltluft erfüllt ist, das heisst, die Temperaturdifferenzen im Kernbereich sind ausgesprochen gering. Blogleser kennen aber das Urprinzip, aus dem unsere Zyklonen ihre Energei zur Entwicklung schöpfen: Horizontale Temperaturunterschiede auf engem Raum. Hieraus kann das System also Nichts mehr gewinnen, es füllt sich auf.
ABER: In quasi allerletzter Minute kommt dem System seine Zugbahn entgegen. Der Komplex wandert nach Süden und erreicht gerade das Mittelmeer. Sieht man sich die Bodennahen Temperaturen im westlichen Mittelmeerraum an, so erkennt man, das die schwächelnde Kaltfront nun auf Vorderseitige Luftmassen trifft, die eine Temperatur von gut und gern 12 bis 15 Grad aufweisen:
Das kommt eine deutlichen Verschärfung des Temperaturgradienten an der Front gleich, ein Umstand, der sogleich auch Wirkung zeigt, denn an den Pyrenäen hat sich schon eine Welle gebildet, in deren Bereich es zu deutlich verstärkter Bewölungsbildung durch Konvektion kommt, z.B hier zu sehen:
Gutes Stichwort, Neben den horizontalen Gradienten verstärken sich auch die vertikalen, da die Kaltluftblase nun beginnt über vergleichsweise warmes Wasser zu ziehen. Die Bildung von Organisierter Konvektion über große Flächen hinweg mündet auch immer in einer Zunahme der Zirkulation (wir kennen das von tropischen Zyklonen !), mit dieser dann auch die horizonatlen Gradienten weiter zunehmen und man ist bei einem schönen selbstverstärken Prozess angelangt.
Als dritte Hilfestellung zum neuen Leben kommt die Jetkonfiguration hinzu:
Die Welle liegt im linken Ausgangsbereich eines starken Rückseitenjets, das liefert einen weiteren Beitrag zur Vertiefung.
Somit kommt man in den nächsten 24 Stunden zur Bildung eines (nicht übermäßig starken, aber dennoch akzeptablen) Tiefs über dem westlichen Mittelmeer, während die *Mutter* über Nordfrankreich das Zeitliche segnet.
Es gibt prinzipiell mehrere Mechansimen, wie sich im Bereich einer sterbenden Zyklone Temperaturunterschide nochmals aufbauen können und so neuer Brennstoff zur Vertiefung zur Verfügung steht. Das ziehen alter Kerne über warmes Wasser ist eine Möglichkeit.
Bisweilen kommt es auch vor, dass in die Rückseite alter Zyklonen kleine Kurzwellentröge mit hochreichender Kaltluft im Gepäck hineinziehen.
Manchmal reicht auch schon der Zug einer Front über ein Gebirge, z.B die Alpen. Nehmen wir eine Kaltfront, die aus Nordwest über die Alpen will. Die Kaluft überschreitet den Alpenhauptkamm erst dann, wenn sie vertikal mächtig genug ist, den immerhin durchschnittlich mehr als 2500m hohen Kamm zu überschreiten. An den Westlapen und auch am Alpenostrand hat die Kaltluft das Hindernis aber schon längst umströmt und die Kaltluft fließt gen Süden. Man endet mit sehr starkren horizontalen Differenzen über Oberitalien und den Südalpen, die Geschichte kann beginnen.
Und weitere Jungbrunnen sind denkbar.
In unserem Fall wird die Entwicklung nicht allzu intensiv, für ordentlichen Neuschnee in den südlichen und östlichen Landesteilen wird es aber reichen.
10 bis 50cm zwischen dem Winviertel und Oberkärnten stehen im Raum, die 50 natürlich in Oberkärnten, die 10 im Weinviertel, der Rest irgendwo dazwischen ;) Für die Details sind da meine Kollegen auf www.uwz.at bzw. dem enstprechenden Facebookkanal zuständig.
Lg und schönen, frischen Sonntag,
Manfred
Sonntag, 13. Januar 2013
Mittwoch, 9. Januar 2013
Bruch mit der Tradition - Das Ende der Westdrift
Hallo,
ein guter Zeitpunkt ist das heute, mal wieder einen kleinen Exkurs dahin gehend zu liefernl, warum gewisse Dinge bei der Entwicklung der Großwetterlage so passieren, wie sie passieren. Den Anfang macht ein eher chaotisches Satelliten- und Frontenbild, von heute früh 06 Uhr:
Das ist die aktuelle Situation, hier nochmals unterlegt mit Falschfarben und der Geopotential ( entlang dessen die Strömungen verlaufen) in der mittleren Atmosphäre:
Optisch sieht man als markantestes Element eine gut entwickelte Sturmzyklone südwestlich von Island, eine fast schon Zyklonenleiche nürdlich von Schottland und ein recht strukturloses Frontensystem östlich von Österreich, das aber eine markante Grenze zur kontinentalen russischen Kaltluft darstellt. Daraus entwickelt sich eine Wetterlage mit ordentlichem Winterpotential für weite Teile Mitteleuropas.
Ihr seht das nicht ?
Na ja, ich würds auch nicht sehen, hätte ich da nicht meine Modelle zur Hand, anhand derer ich ganze erklären werde :)
Heute nehmen wir mal wieder das GFS zur Hand, das ein nettes Szenario bietet...
Jetzt:
Man die die Sturmzyklone bei Grönland, die Leiche nördlich von Schottland, einen tiefen Trog über Osteuropa und ein altes, kaltes Tief über dem Norden Skandinaviens.
An der Vorderseite der Sturmzyklone herrscht also westlich der Britischen Inseln die Zufuhr von Warmluft, was den dort liegenden Keil weiter aufwölbt. In der Gegenbewegung muss aber zwingend nun alles, was sich östlich dieses sich aufwölbenden Keiles befindet nach Süden und Südosten abtauchen, so auch die Leiche und das kalte Tief über Nordskandinavien.
Genau das passiert innerhalb der nächsten 24 Stunden:
Der Keil hat sich aufgewölbt, das ehemalige Skandinavien ist gen Polen gezogen und hat die Reste der Leiche in seine Periferie (noch als Trogspitze nahe den Niederlanden zu sehen). Diese Keilwölbung hat nun die seit mehr als 3 Wochen herrschende Westdrift im bereich Europa unterbrochen, nahfolgende Tröge/Tiefs vom Atlantik können nicht einfach zu uns reinziehen, sondern werden weit nach Norden umgeleitet. Im Gegenzug stösst nun an der Ostflanke des Keils zunehmend polare Kaltluft nach Mitteleuropa.
Wieder 24h später ist das blockierende Hoch (so heißt das im Jargon) noch etwas nach Norden gezogen. und ermglich dem Tief, das sich aus Westen Irland nähert eine weitere Art der Umlenkung.... nämlich nach unten gen Mittelmeer durchzutauchen.... was auch im Modell geschieht... hier 5 weitere Tage am Stück
Womit wir in Mitteleuropa dann in der neuen Woche mit kräftigerTiefdrucktätigkeit im Mittelmeerraum, Kaltluft am Boden und womöglich Aufgleiten in der Höhe und dadurch Schneefall enden.
So irgendwie, es ist ja nur ein Modell, das ich zitiere und demnach ein Szenario. Aber ein nachvollziehbares.
Es ist dies durchaus typisch für das Ende einer Westlage. Eine Welle, in unserem Fall der Keil bei den Britischen Inseln verstärkt sich bei günstiger Konfiguration so stark, dass sie stationär wird und die nahfolgenden Wellen auf längere Zeit umlenkt. Dass daraus bei uns möglicherweise schönes Winterwetter wird, ist mehr Glück als *Verstand*, wenn man diesen Ausdruck beim Wetter gebrauchen kann.
Passiert so etwas 1000 km weiter westlich, enden wir mit Brutalo-Südföhn .. auch das haben wir schon gesehen. Auch das wäre ein Ende des Westwetters, nur kämen Winterfans dann vom Regen in die doppelte Traufe.
Im jetzigen Fall verläuft der Prozess genau an der richtigen Stelle. Blockade bei den Britischen Inseln und damit verbunden Downstream-Development ( Die Skandinavierin zieht mit ihrem kalten Packerl nach Süden...)
Man kann im genauen Ablauf, speziell dann mit der Zyklonenbildung im Mittelmeer aber durchaus noch mit weitreichenden Modifikationen rechnen, Spekulativ kann auch dieser Prozess noch ungünstig mit Warmluft enden...
Lg
Manfred
ein guter Zeitpunkt ist das heute, mal wieder einen kleinen Exkurs dahin gehend zu liefernl, warum gewisse Dinge bei der Entwicklung der Großwetterlage so passieren, wie sie passieren. Den Anfang macht ein eher chaotisches Satelliten- und Frontenbild, von heute früh 06 Uhr:
Das ist die aktuelle Situation, hier nochmals unterlegt mit Falschfarben und der Geopotential ( entlang dessen die Strömungen verlaufen) in der mittleren Atmosphäre:
Optisch sieht man als markantestes Element eine gut entwickelte Sturmzyklone südwestlich von Island, eine fast schon Zyklonenleiche nürdlich von Schottland und ein recht strukturloses Frontensystem östlich von Österreich, das aber eine markante Grenze zur kontinentalen russischen Kaltluft darstellt. Daraus entwickelt sich eine Wetterlage mit ordentlichem Winterpotential für weite Teile Mitteleuropas.
Ihr seht das nicht ?
Na ja, ich würds auch nicht sehen, hätte ich da nicht meine Modelle zur Hand, anhand derer ich ganze erklären werde :)
Heute nehmen wir mal wieder das GFS zur Hand, das ein nettes Szenario bietet...
Jetzt:
Man die die Sturmzyklone bei Grönland, die Leiche nördlich von Schottland, einen tiefen Trog über Osteuropa und ein altes, kaltes Tief über dem Norden Skandinaviens.
An der Vorderseite der Sturmzyklone herrscht also westlich der Britischen Inseln die Zufuhr von Warmluft, was den dort liegenden Keil weiter aufwölbt. In der Gegenbewegung muss aber zwingend nun alles, was sich östlich dieses sich aufwölbenden Keiles befindet nach Süden und Südosten abtauchen, so auch die Leiche und das kalte Tief über Nordskandinavien.
Genau das passiert innerhalb der nächsten 24 Stunden:
Der Keil hat sich aufgewölbt, das ehemalige Skandinavien ist gen Polen gezogen und hat die Reste der Leiche in seine Periferie (noch als Trogspitze nahe den Niederlanden zu sehen). Diese Keilwölbung hat nun die seit mehr als 3 Wochen herrschende Westdrift im bereich Europa unterbrochen, nahfolgende Tröge/Tiefs vom Atlantik können nicht einfach zu uns reinziehen, sondern werden weit nach Norden umgeleitet. Im Gegenzug stösst nun an der Ostflanke des Keils zunehmend polare Kaltluft nach Mitteleuropa.
Wieder 24h später ist das blockierende Hoch (so heißt das im Jargon) noch etwas nach Norden gezogen. und ermglich dem Tief, das sich aus Westen Irland nähert eine weitere Art der Umlenkung.... nämlich nach unten gen Mittelmeer durchzutauchen.... was auch im Modell geschieht... hier 5 weitere Tage am Stück
So irgendwie, es ist ja nur ein Modell, das ich zitiere und demnach ein Szenario. Aber ein nachvollziehbares.
Es ist dies durchaus typisch für das Ende einer Westlage. Eine Welle, in unserem Fall der Keil bei den Britischen Inseln verstärkt sich bei günstiger Konfiguration so stark, dass sie stationär wird und die nahfolgenden Wellen auf längere Zeit umlenkt. Dass daraus bei uns möglicherweise schönes Winterwetter wird, ist mehr Glück als *Verstand*, wenn man diesen Ausdruck beim Wetter gebrauchen kann.
Passiert so etwas 1000 km weiter westlich, enden wir mit Brutalo-Südföhn .. auch das haben wir schon gesehen. Auch das wäre ein Ende des Westwetters, nur kämen Winterfans dann vom Regen in die doppelte Traufe.
Im jetzigen Fall verläuft der Prozess genau an der richtigen Stelle. Blockade bei den Britischen Inseln und damit verbunden Downstream-Development ( Die Skandinavierin zieht mit ihrem kalten Packerl nach Süden...)
Man kann im genauen Ablauf, speziell dann mit der Zyklonenbildung im Mittelmeer aber durchaus noch mit weitreichenden Modifikationen rechnen, Spekulativ kann auch dieser Prozess noch ungünstig mit Warmluft enden...
Lg
Manfred
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