Sonntag, 11. September 2011

Jetstreaks und bösartige Strukturen

Hallo,

wie so oft in diesen Tagen ist der Blick aus der Ferne, genauergesagt aus 36.000km Höhe der schönste auf das aktuelle Wettergeschehen:


Europa liegt an der Vorderseite eines alternden, umfangreichen Tiefdruckkomplexes mit seinem Kern westlich von Schottland. Das System ist sehr alt und die vorlaufenden Fronten sind schon recht zahnlos geworden. Allerdings findet sich über der Biskaya, dem Meerabschnitt zwischen Nordspanien und der französischen Westküste eine Struktur, die Meteorologen zum Stirmrunzeln veranlasst und oft ein Gefühl des Alarms auslöst (wenn man in diesem Fall Franzose, Belgier oder Niederländer ist. Ich darf den Blick der geneigten Bloggemeinde im folgenden auf diese Struktur richten.

Optisch würde man sie so beschreiben. Ausgeprägte Wirbelstruktur, relativ kleinräumig, zwischen Wirbelkopf und Kaltfrontband befindet sich ein ausgeprägter *dunkler* Streifen, wo nur wenige hohe Wolken vorhanden sind.

Im folgenden untermale ich das Ganze mit Fronten:


Es handelt sich offenbar um eine Welle, die sich an der Kaltfront des alternden Systems gebildet hat. Aber um eine ganz besondere ! Aus der Satellitenmeteorologie kommend hat sich für diese Wellen *Rapid Cyclogenesis* eingebürgert, zu deutsch "Rasante Tiefbildung". Tatsächlich hat diese Welle nur wenige Stunden gebraucht, um zu dieser Form zu kommen, ein Prozess der sich bei *normalen* Wellen über 24 Stunden oder länger zieht. Siehe:







Wenn etwas rasant geht, muss die antreibende *Kraft* dahinter enorm sein, und das ist auch in diesem Fall zutreffend. Ich demonstriere das an der simulierten Niederschlagsentwicklung, heute wieder in Form einer simulierten Radarreflektivität, z.b 8 Stunden nach Start der Simulation:



Den Urgrund dieser Wellenentwicklung erkennt man, wenn man sich die Konfiguration des Jetstreams ansieht:


Schaut auf den linken Bildrand. Das Zirkulationszentrum der Welle kommt ziemlich genau am linken Ausgangsbereich eines Jetstreaks zu liegen (die Lila Insel bedeutet Windgeschwindigkeiten um 130 kt, also etwas über 200 km/h).

Entsprechend hoch ist auch die Advektion von positiver Scherungsvorticity im Bereich des Wellenkopfes:



Warum der linke Jetstreakauszugsbereich so gut für die Entwicklung solcher Wellen ist, liegt daran, dass es im Bereich eines Jetstreaks durch das starke Beschleunigen vor Eintritt  und Abbremsen nach Durchlauf zu einer statischen Inbalanz dahingegend kommt, dass starke Windkomponenten quer zur Richtung der 300 hPa Isohypsen auftreten.

Auf Deutsch: Die Luft ist träge und hat nach dem Durchlaufen des Streaks zuviel Schmackes drauf um balanziert zu sein, und biegt daher von der vorgegebenen Richtung ab. Divergenzen , Konvergenzen und Vorticitygenerierung sind die Folge, alles gute Ingredientien für Aufsteigen und Zirkulationsbeschleunigung.

Generell kann man sagen: Rechter Einzug, linker Ausgang forcieren Divergenz und damit Aufsteigen. Die anderen beiden sind für Absteigen und Wetterberuhigung gut.


Die Simulation zeigt, dass, zum Glück, durch ein Auslaufen des Streaks die Welle in den nächsten Stunden kaum noch Nahrung zur Entwicklung erhält...


Dadurch geht natürlich ersteinmal auch die Niederschlagsaktivität zurück ...



.. allerdings belibt die Frontalzone als solche natürlich erhalten ... es bleibt auch noch später am Tag Antrieb in Form von VA übrig ... :





weswegen, wie in jeder noch halbwegs sommerlichen Situation sich Deutschland am Nachmittag, wie auch schon in der Radarsimulation zu sehen, auf ein paar Brummer einstellen kann ;)

Schönen Sonntag

Lg

Manfred

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