Samstag, 24. März 2012

Erster Wärmegewittertag

Hallo,

2 Tage nach seinem kalendarischen Einstand hat sich zu den frühlingshaften Temperaturen am gestrigen Welttag der Meteorlogie ein 2. für den Frühling typisches Wetterelement hinzugesellt. Wärmegewitter :)

Zugegeben ...




die *Welt* war das zwar noch nicht, aber wir stehen ja auch erst ganz am Anfang.. dazu später mehr. Dass es wirklich Wärme- und keine Frontgewitteer waren, zeigt der Blick auf die Lage gestern um 12 Uhr:



Kontinentalaeuropa wird derzeit von allen Fronten in weitem Bogen gemieden, die nächsten Frontensysteme befinden sich westlich der Britischen Inseln bzw. über Nordosteuropa. Indizien gibt lediglich der kleine Wolkenkringel im Grenzbereich Deutschland-Tschechien ... den wir uns in den Feldern näher anschauen werden...



In der relativen Topografie sieht man unter dem spiralfärmigen Wolkenfetzen bzw. im Kern dieses eine kleine Kälteblase...


Und der Höhe der 500 hPa Topografie sieht man dort ein winziges Höhentief. In der allgemeinen Wetterblogdiktion handelt es sich also um ein Ei, wissenschaftlich korrekt einen Kaltlufttropfen. In dessen Umgebung war es um die Mittagszeit gerade über den Alpen mit ihren gehobene Heizflächen , doch leicht labil...


In CAPE und Lifted Index sieht man Werte bis 300 J/kg bzw. bis -2


CIN sagt uns, dass zu dieser Zeit die CAPE über dem Salzatal/Semmering bzw. den steirischen Randgebirgen nur schwach gedeckelt war, wie eben auch über dem nordwestlichen Böhmen


Und die Bewölkung zeigt ein typisch konvektives Bild...


....und auch die Spatzierersche Gewitterwahrscheinlichkeit springt an:




Hier ein Modellsounding vom Nachmittag, irgendwo über dem Aflenzer Becken ..



Die Atmosphäre ist in den untersten Schichten gut durchheizt und die Aufstiegskurve liegt bis  400 hPa rechts der Temperaturkurve, was in gemischter CAPE von 160 J/kg resultiert, Modelltops vielleicht bei 8000, 8500m.

Im Vergleich dazu ein Fachlandmodellaufstieg vom selben Zeitpunkt (Wien)


Da geht natürlich nix, die gehobene Heizfläche über dem Steirischen macht den Unterschied.



Von der Bildung von einzelnen gewittrigen Schauern war also durchaus auszugehen. Das ist nunmehr nicht weiter verwunderlich. Die Luftmasse die über den Alpen liegt, ist seit einigen Tagen nicht mehr ausgetauscht worden. Die Strahlungsbilanz ist um den 10. März herum positiv geworden, dass heißt dass die Erde bei uns an sonnigen Tagen tagsüber mehr Strahlung empfängt, als sie Nachts abgibt. Der Energieüberschuß der bodennahen Schichten wird dann allmählich über Konvektion auf die ganze Tropophäre verteilt. Bei so geringen Überschüssen geht das jetzt natürlich noch recht langsam und gemächlich, aber das wird sich mit zunehmendem Sonnenwinkel rasch ändern ...

Wir werden dieses Schauspiel ab nun bis in den September hinein immer wieder sehen. Zieht hinter einer Front ein Hoch herein und bleibt liegen, (das heisst die Luftmasse wird nicht ausgetauscht) so setzen spätestens am 2. oder 3. tag dieser Lage von den Bergen ausgehend Schauer und Gewitter ein... da die Erwärmung und Labilisierung der Atmosphäre immer vom Boden her ausgeht.

Gestern hat zugegebenermaßen auch die Labilisierung in der Umgebung des kleinen KLT's mit geholfen.

Ein zarter Anfang, aber immerhin einer.. und das zeitig im März.

Lg

Manfred

1 Kommentar:

  1. Immerhin gab es 3 cm Hagel in München und 3 cm in Marchtrenk, also gar nicht so schlecht ;)

    und ein Äuzerl Starkregen wurde auch beobachtet.

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !