Dienstag, 10. Mai 2011

Vergangene Hochwasserlagen und Ähnlichkeiten zur kommenden Entwicklung

Hallo und guten morgen,

ohne ständig das unheilvorhersagende Orakel sein zu wollen, drängen sich unwillkürlich in meinem Kopf ein paar historische Vergleiche auf, betrachtet man die mögliche Wetterentwicklung nach dem Wochenende. Ich hab mich deshalb heute mal in die GFS Reanalyse-Kammer begeben und die wesentlichen Karten, die den meteorologischen Ablauf der letzten großen Hochwässer in den Alpen aufzeigen, animiert.

Hinweis in eigener Sache: Ohne Anklicken der Animationen wird selbst das geschulteste Auge nichts erkennen können ;)

Beginnen wir mit dem Jahrhundertereignis im Juli 1997:



Ein atlantischer Trog verlagert seinen Schwerpunkt erst in den nördlichen Mittelmeerraum, dann quer über Österreich hinweg nach Osteuropa. Neben schweren Gewittern an der Vorderseite ist es vor allem die umgebogene Okklusion an der Rückseite des Höhentiefs, die tagelang enorme Regenmengen auf die Alpennordseite, Tschechien und Polen niederprasseln lässt.


Mai 1999:



Ein sehr ähnlicher Ablauf wie 1997: Ein Höhentief zieht von Südwesten kommend knapp südlich der Alpen vorbei nach Osten. An der Vorderseite gibt es teils heftigen gewittrigen Regen, an der Rückseite versenkt die Okklusion das Tiroler Oberland, Vorarlberg und die Ostschweiz. Ostösterreich kommt glimpflich davon. Unterschied zu 1997: das Tief kommt aus Westsüdwest und nicht von GB herein.


Weiter im Text: Das Katatrophenhochwasser im August 2002 (Teil 2)


Wiederum, sehr große Ähnlichkeit mit dem Ablauf von 1997 und 1999.. der Trog zieht von GB zuerst Richtung Genua und verlagert sich dann nach Nordosten über Zentral-Osteuropa. Die Folgen war verheerend.

Wir schreiten weiter: September 2007:


Hier sehen wir vielleicht die wesentlichste Abweichung zu den anderen Lagen: Der Trog tropft aus Nordwesten über die Alpen hinweg zur Adria und zum Balkan ab. Wiederum wird aber an der Rückseite des Höhentiefs die Okklusion an der Alpennordseite über Tage hinweg ausgepresst.

Juni 2009: Das selbe Spiel wie Jul97, Mai 99, Aug. 2002 mit einem Touch von Sep 2007:


Das Tief tropft aus Nordwesten über die Alpen hinweg zur Adria ab, die Okklusion dreht sich an der Rückseite des Kernes ein und lässt die Flüsse übergehen. Es folgen dann noch tagelang Gewitter nach.


Succus: In den letzten 15 Jahren findet man vor nahezu JEDER Hochwassersituation in den Ostalpen den oben mehrfach skizzierten Vorgang. Atlantischer Trog tropf aus West/Westnordwest kommend über Zentraleuropa hinweg ab, bekommt Anschluss an Mittelmeer- oder Adrialuft und nistet sich anschliessend östlich, oder südöstlich der Alpen über dem Kontinent ein. In der verschwindenden Minorität sind repetitierende Westlagen oder einzelne Warmfronten aus Nordwest im Winter für Hochwasser verantwortlich zu machen. Der erste Ablauf kann im Sommer daher als zwingende Vorausetzung für ein flächiges Hochwasser im Alpenraum gesehen werden.  Das ist eine starke Aussage: Ohne diesen Ablauf: KEIN schweres Hochwasser denkbar.

Es halten sich teilweise in der Welt der Alpinen Meteorologen noch Gerüchte, dass starke Stauniederschläge, die dem Label *extrem* gerecht werden, nur auftreten können, wenn sich das verursachende Höhentief noch nicht abgeschnürt hat. Mit solcher Argumentation muss man sehr vorsichtig sein. Genau genommen gilt sie in den Alpen nur:

- im Südstau
- besser gesagt: in den extremen Lokationen des Südstaus

also z.B im Tessin oder in der Wochein, ansatzweise in Oberkärnten. Für Extremniederschläge an der Alpennordseite, sei es in Vorarlberg oder am Alpenostrand ist die Existenz eines Höhentiefs eine zwingende Bedingung für eine umgebogene Okklusion, die all diese oben geschilderten Fälle ausgelöst hat.



Und jetzt ... was sagt uns z.B GFS für die Lage nach dem Wochenende ?



Man sieht einen Ablauf wie in den beschriebenen historischen HW Lagen: Trog tropft von GB kommend Richtung Italien ab, der Kern verlagert sich in weitere Folge nach Osteuropa.  Das ist zumindest eine Grundzutat für massive Regenfälle im Ostalpenraum, die ab Samstag/Sonntag allmählich wirken können. Ob es dann wirklich auch zu einer HW Lage kommt, steht in den Sternen bzw. in den Kurzwellentrögen geschrieben.. offen ist wann welche Wellen sich wohin verlagern etc .pp.

Es ist insgesamt bemerkenswert, wie nach der massiven Trockenheit plötzlich eine Lage ins Haus stehen kann, die das Potential für sehr starke Regenfälle hat. Es ist für mich unüblich, dass es innert von wenigen Tagen zwischen den Extremen springen sollte...


'Schau ma' morgen weiter

lg

Manfred

Kommentare:

  1. was ist mit dem katastrophalem HW 2005?

    und wie hoch könnten die summen füe Dornbirn , VBG sein?

    thx

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  2. Hallo Ano,

    an den August 2005 habe ich gedacht und mir die Karten angesehen. Allerdings sieht die Entwicklung ziemlich genau so aus, wie im Mai 99 oder August 2002, am besten kann man es als Mischvarinate zwischen den Ereignissen bezeichnen, es passt genau ins Muster. Deswegen habe ich es in der Aufstellung ausgelassen, obwohl mir die Ereignisse damals, wie allen VBGlern und Oberländern noch im Nacken sitzen.

    Summen traue ich mir für de kommende Lage noch keine nenne, zu sehr kommt es noch Details an. Aber ich werde sicher rechtzeitig hier eine Schätzung, wenn es wirklich schlagend wird, abgeben.

    Lg

    Manfred

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  3. Sauber! Nach GFS-Sichtung haben mich gestern auch schon mal solche Bilder diffus angefixt. Aber ich war zu faul, um auf den schemenhaften Verdacht hin gleich nach Vergleichsfällen zu suchen. Was Du da erwühlt hast, scheint mir aber jedoch ein bedenkenswertes, um nicht zu sagen bedenkliches Szenario, das die Tage genau verfolgt werden will. - Brauchen tuts freilich kein Mensch!

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !