Donnerstag, 19. Mai 2011

Zurück im Frühsommer: Gewittervorschau

Hallo,

routinemäßig und ohne gröbere Probleme bin ich seit gestern 10:52 wieder auf österreichischem Boden.. Damit sind seit dem Abheben in Melbourne am Dienstag exakt 26 Stunden und 22 Minuten vergangen, exakt 8 Minuten weniger als geplant ;).

Weitaus wichtiger als diese Zenitersparnis ist der Umstand, dass man über das Wetter dieser Tage nichts zu meckern hat. Es ist warm, es ist sonnig und es wird gewittrig ! Herz, was willst du mehr. Die Ausgangslage:



Über Mitteleuropa dominiert flacher Hochdruckeinfluss. Nennenswerte Luftmassengrenzen findet man im nördlichen Mitteleuropa in Form einer Kaltfront, in Westeuropa in Form einer wellenden Frontalzone und über Nordafrika in Form des Vorstosses heißer Saharaluft aus Südwesten. Dabei besteht für uns erst einmal keine Chance, dass die Kaltluft vom Atlantik zu uns kommt, das Tief über Spanien hält mit einer Gegenbewegung dagegen.

Ohne großartigen Zustrom von Warm,- oder Kaltluft kann man bis Samstag ein Sommerphänomen über Zentraleuropa beobachten, das in flachen Sommerhochs immer wieder auftritt: Zunehmende Labilisierung durch bodennahe Aufheizung. Ich zeige das am 72h Forecastloop von CAPE und LI:



Man sieht das tageszeitliche Pulisieren der Labilität und die Grenze zu den stabilen Luftmassen quer über Polen, Deutschland und Frankreich. Bis inklusive Samstag haben wir es , auf den Alpenraum bezogen, also mit einer typischen Verteilung von Luftmassengewittern jeweils an den Nachmittagen zu tun.  Auslösung zuerst über dem Gebirge, und dann auch zaghaft über dem Flachland. Während es heute nur einzelne Zellen über dem Flachland schaffen werden, werden es morgen schon mehr und am Samstag dann noch mehr. Dabei darf man sich keine Besonderheiten erwarten, die Luftmasse steht beinahe und wenn die Orografie nicht wirklich mithilft, werden wir einige zwar fotogene Zellen aber ohne besonderes Schwergewitterpotential (Hagel, Sturm, Tornado) bekommen. Wiederum wird das Glück denen helfen, die mit Fotoapparat ausgerüstet durchs Leben gehen.

Am Sonntag ändert sich das Ganze:




Ein atlantischer Trog greift von Westen her auf den Kontinent über. An seiner Vorderseite erreicht eine Kaltfront Österreich.  Gerade das GFS fährt wiederum mit einer interessanten Variante des Ablaufes auf. Ein Blick auf die CAPE-Prognose:




Am Sonntag Nachmittag sieht man eine Biforkation (Zweigabelung) der CAPE-Verteilung über den Alpen. Ein Maximum im Osten, eines über den zentralen Bereichen, zwischen stabilere Luftmassen..



Man sieht in der Windprognose, dass die stabilen Werte hinter einem Windsprung auf West, der quer über Niederösterreich verläuft auftreten.



Um alle Zweifel zu besteigen, der Blick auf die Luftmassenverteilung: Der Windsprung (rote Linie) bringt keinen Luftmassenwechsel mit sich, die eigentliche Kaltfront erreicht im Modell zu diesem Zeitpunkt erst die Schweiz. Im Bereich der präfrontalen Warmluft bildet sich im Model eine Konvergenzlinie (wie letzten Samstag ..), an der Gewitter ausgelöst werden, die dann organisiert nach Osten ziehen. Vor dem Eintrffen der wirklichen Kaltfront am Abend kann es dann nochmals labilisieren.

Das Potential für Schwergewitter ist nach den klassischen Parametern (CAPE, Scherung) wiederum nicht festzmachen.  Hoher CAPE, aber geringe Atmosphärische Scherung lassen keine Schwergewitter zu. Allerings kann die  Konvergenzlinie und vor allem die orografische Modifikation der Strömung durch die Alpen kleinräumig sehr wohl gute Bedingungen zur Entwicklung organisierter Konvektion schaffen. Es wäre nicht weiter verwunderlich, denn die Merkregel sagt, dass in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte August jeder markante Kaltfrontdurchgang zur Bildung heftiger Gewitter über Österreich beiträgt, egal wie das Scherungsfeld großräumig aussieht.

Lg und schönen Nachmittag

Manfred

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