Sonntag, 29. Juli 2012

Schwere Samstagsgewitter - Squall und MCV

Hallo,

des gestrige Samstag in Österreich bedarf natürlich einer Aufarbeitung, um für die Nachwelt festgehalten zu werden. Von Ost nach West sind gestern im Tagesverlauf mehrere mesoskalige (alo richtig große) Systeme über unser Land, man kann bei einer Zuggeschwindigkeit von 100km/h schon gerast sagen und haben Spuren hinterlassen, z.B in den Blitzeinschlägen und Wolkenentladungen:


.. 95316 gesamtblitze über dem Auschnitt... davon


.. etwas mehr als 27.000 Wolkenentladungen. Das ist zwar noch einigermaßen weit vom 24h Rekord der letzten Jahre (145.000) entfernt, hat aber dennoch vielerorts für Weltuntergangsstimmung gesorgt.

Der Ablauf im SAT/Radar/Blitzfilm:





Ausgehend vom Engadin bzw. der Ostschweiz allgemein haben zunächst recht unorgansisierte Gewitter den Westen erreicht, gemeinsam mit Neubildungen von Osttirol her verschmolz das ganze im südlichen Oberösterreich zu einer kräftigen Linie, die sich rasch weiter nach Ostnordost wälzte. Im weiteren Verlauf zieh ein starker Komplex vom Murtal/Unterkärnten kommend nach Osten über das Steirische hinweg ins Burgenland. Schließlich beruhigt sich nach Mitternacht die Situation.

Das große Bild um 18:00Z:


Man sieht die eigentliche Kaltfront noch weit draussen quer über Deutschland und Frankreich. Unsere Konvergenzlinie liegt zu diesem Zeitpunkt in einem Isobarentrog in absoluter Warmluft mit nur wenig frontalem Charakter.

Sehen wir uns die Linie nun im Detail an. Hier passiert über Ostösterreich, also in der Sterbephase etwas ganz typisches: Die Struktur beginnt sich deutlich sichtbar einzukringeln.

Um 17:00 ist die Welt noch ganz gerade:


Um 20:50 ist ordentliche zyklonale Krümmung in der Struktur:


Man hat fast den Eindruck, als hätte man es hier mit einer Miniaturzyklone zu tun, was auch wahr ist.

Erstens befindet sich unter dem Komplex ein mesoskaliges Bodentief, zweitens ist die Verwirbelung in allen Atmosphärenschichten eine direkte Konsequenz der gekoppelten Vorticity- und Divergenzgleichung. Simpel gesagt: Herrscht über Stunden hinweg starke Konvergenz, so setzt Rotation ein. Man spricht hierbei von einem MCV, einem Mesoskaligen Vortex. Die Rotation bleibt auch in den Wolkenresten des bereits toten Systems oft noch stundenlang erhalten.

Isgesamt hatten wir für den Ablauf z.B. mit Race prinzipiell gute Modellunterstützung, wie z.B die vorhergesagte Reflektivität zeigt:


Und auch die Events an der sich abzeichnenden Gewitterlinie waren vorhersehbar:


An der Modellböenfront wurden immerhin Böen von 50 bis 60 knoten, aleo im Bereich um 100 km/h simuliert, Melk hat beispielsweise sogar 115 km/h gemessen.

Apropos Rasen: Hier die Zeitlichkeit der Modellböenfront im WRF im Stundentakt:




Aus der Verlagerung innter dieser 2 Stunden ergibt sich eine Modellzuggeschwindigkeit des Systems nahe 90/100 km/h, also ganz schön ordentlich für Gewitter.

In diesem Sinne wünsche ich eine ruhigeren Sonntag, wohlwissend dass die Unwettergefahr noch nicht ganz gebannt ist.

Gruß

Manfred

1 Kommentar:

  1. Wie sah in dem Fall der Unterschied zw RACE und WRF aus?

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !