Donnerstag, 29. April 2010

Aprilsommer, Alpines Hitzetief und doppelte Kaltfronten

Hallo,

mit etwas Neid blickt meinereiner nach Europa. Ich bin gestern bei der Ankunft Melbourne mit der unwiderlegbaren Tatsache des Südhemisphärischen Herbstes konfrontiert worden. (Stratus und Kampfnieseln)... der Tatsache eingedenk dass in Mitteleruopa der Sommer für die ersten 1, 2 Tage einhalten wird, stimmt das etwas neidisch ...

Weils mich ja quasi aber nur noch als aussenstehender betrifft, darf ich in diesem Rahmen einen besonders objektiven Blick auf die Wetterentwicklung bei *Euch* werfen...

Zur Ausgangslage:


Mitteleuropa liegt am heitigen Donnerstag in einem breiten Warmsektor an der Vorderseite eines ostatlantischen Tiefdruckkomplexes im Zustrom von für die Jahreszeit ungewöhnlich warmer Luft mit Ursprung über dem westlichen Nordafrika. Im Bereich, bzw. ausgehend von dem angesprochenen komplex sind ist eine deutliche Aufspaltung der Fronten in jeweils 2 voneinander getrennte Luftmassengrenzen auf dem Bild erkennbar. Die vordere, östlichere Frontalzone wandert bis Freitag zum Ostalpenraum ...

Die Höchsttemperaturen im Ostalpenraum werden heute ganz gewiss nicht im Flachland sondern in den Alpentälern erreicht. Hier eine auf GFS basierende Prognose der Höchstwerte:





Das hat 2 Gründe. Zum einen ist die Warmluftzufuhr östlich einer Linie Salzburg-Klagenfurt noch nicht abgeschlossen und die Luft im Westen ist etwas wärmer als im Osten. Das alleine wird es aber nicht erklären, sondern es kommt noch etwas anderes hinzu. Die Talgeometrien machen es möglich das ein Strahlungsquant von der Sonne in einem Alpental weniger Luft erhitzen muss, als im Flachland, ganz einfach deswegen, weil die Berghänge einen Teil des Volumens wegschneiden, dieses also nicht erwärmt werden muss. Die Täler heizen sich bei gleicher Einstrahlung tagsüber also stärker auf, als das Flachland. Wir nennen das Volumeneffekt.

Das hat einen netten Nebeneffekt. Wenn sich die Alpine Atmosphäre also stärker aufheizt als die über dem Flachland, müssen sich gemäss der hydrostatischen Beziehung die Isobaren über den Alpen nach oben wölben, in der Höhe also ein Hoch produzieren. Von diesem thermischen Höhenhoch wird Masse abfliessen, also aus der Atmosphäre über den Bergen entfernt werden. Massenverlust heisst aber wiederum Druckfall am Boden, in den talbodennahen Schichten entsteht ein thermisches Tief, das kräftig Luft aus dem Alpenvorland im Süden und Norden des Hauptkammes ansaugt. Wir nennen das Hitzetief, auch wenn es zur Bildung ebendieses nicht unbedingt heiss sein muss.

Zum Freitag hin verschwindet dieser Effekt, weil dann die wärmste Luft über dem osten lagern wird und der Westen unter der hereindrängenden Frontbewölkung zunehmend abgeschattet wird. Dann wird man die 26-28 Grad eher im Wiener Raum und am Neusiedler See antreffen.

Im Zuge der Kaltfrontpassage ist es freitags auch etwas labil, sodass man von Westen nach Ost fortschreitend mit einigen Regenschauern, im Osten am späteren Nachmittag auch Gewittern rechnen muss. Allzu schwer werden diese wiederum nicht ausfallen, aber bei über 25 Grad Höchsttemperatur muss man auch schon in nur schwach gescherten Gewittern mit dem einen oder anderen Hagelkörndl rechnen.

Wie es über das Wochenende dann weiter geht ist eine elende Sache. Nicht weil es so schirch wird, sondern weil die gesamte Entwicklung unsicher ist. Wie bereits vorgestern vermutet wird der Komplex, der jetzt nordwestlich von Schottland liegt, westlich von uns nach Süden tropfen, wenn man so will, finden wir uns am Samstag und Sonntag in einer Art zyklonalen Südwest- Südströmung wieder. Die ist zwar nicht kalt aber wahrscheinlich mit einigen Schauern und Gewittern gesegnet. Und zum Montag hin wird die Sache unprognostizierbar von Hochwasser über Sonnenschein bis hin zu Schnee in den Mittelgebirgen ist in der kommenden Woche alles in den Modellen zu finden, was nicht mehr heisst, als dass wir nichts wissen ...


Lg

Manfred

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