Montag, 21. März 2011

Hybridzyklogenese über der Bass Strait

Hallo,

heute wirds ein bisschen technischer als sonst hier gewohnt, aber Wetter ist halt nicht immer einfach zu erklären. Auf der anderen Seite der Welt, im Süden von Australien spielt sich in den kommenden 48 Stunden etwas ab, das akademisch interessant ist. Eine Zyklogenese, also Tiefbildung nach einem Muster, das nicht dem üblichen der gemäßigten Breiten entspreicht, sondern mehr einem tropischen Tief artverwandet ist.

Zur Erinnerung: Bei der typischen Tiefentwicklung der gemässigten Breiten wird potentielle Energie in kinetische Energie umgewandelt (Wind). Die potentielle Engergie kommt daher, dass durch die unterschiedliche Sonnenenergie (wenig im Norden, viel im Süden) die Druckflächen nicht parallel zur Erdoberfläche liegen, sondern schief liegen. Ein Fall wäre, über Skandinavien liegt die 300 hPa Fläche auf 9000m, über Sizilien auf 9600m... Im Rahmen von Zyklogenesen wird dieser Unterschied nivelliert, die freiwerdende Energie in Wind umgewandelt...

Bei einer tropischen Entwicklung steht hingegen die Umwandlung von Latenter Wärme (Phasenumwandlungswärme) in kinetische Energie im Vordergrund. Der entscheidende Prozess ist das Freiwerden fühlbarer Wärme bei der Kondsensation feuchter Luft.

Für den ersten Typ Zyklonen ist ein Temperaturgradient notwendig, solche Zyklonen bilden sich an typischen Fronten. Die tropischen Zyklonen entwickeln sich in einheitlichen Luftmassen.

Gehen wir jetzt zu dem Australischen Hybriden...



Aus einem unbedeutenden Trog, heute über dem Westen Victorias entwickelt sich über Land eine Zyklone, die sich rasch vertieft und im weiteren um die Periferie des sich vertiefenden wickelt.

In der Ausgangslage sieht man keine besonderen Temperaturkonstraste (Front fehlt..)


Auch in den höheren Luftschichten gibt es keinen signifikanten Temperaturgradienten, die 500 hPa Temperatur beträgt etwa minus 15 Grad.

Aus Südwesten läuft nun ein ein zweiter Trog in die Flache Welle und aktiviert mit etwas Höhenkaltluft die Entwicklung:



Dann geht alles sehr schnell, der Bodendruck fällt, die Zirkluation in der Höhe nimmt dramatisch zu, auch das Höhenpotential fällt stark:



Dabei verbleibt in den unteren Schichten das Tiefzentrum in einem Kern warmer Luft:


Wie funktioniert dieses nun dieses Tief (das wahrscheinlich wieder eine Überschwemmungen bringen wird). Entscheidend ist denke ich eine Labilisierung der Luft durch diesen 2. Trog aus Südwesten. Der Temperaturkontrast nimmt vertikal, nicht horizontal zu, Konvektion setzt ein und führt netto im Zentrum Luft nach oben, die an der Tropopause divergiert, der Bodendruck fällt. Im weiteren Verlauf wirkt sich die Zunahme der Zirkulation auch auf die höheren Atmosphärenschichten aus, das Höhenpotential fällt (ohne Kaltluftzufuhr !), dadurch nehmen die Windgeschwindigkeiten, aber auch such solche Dinge wie Vorticityadvektion zu, die wiederum mit dem System am Boden koppeln können und es verstärken. 

Das ganze funktioniert so lange bis der Ofen aus ist, das heisst sämtliche Labilität im Kernberech abgebaut ist. Da keine Zufuhr frischer Luftmassen erfolgt kann das also nur ein paar Tage gehen.

Zusammenfasst: Organisierte Konvektion ausgelöst durch die Annäherung eines schwachen Höhentroges forciert die Bildung eines tropisch-gemässigten Mischsystems über Land.

Regen gibt es dabei en masse:





In Europa gibt es das auch, hauptsächlich aber im Winter, wenn Kaltlufttropfen über warme Meeresoberflächen ziehen, z.B.


nach Europa: Ein sonniger Frühlingsbeginn astronomsicher Natur ist das heute in einigen Teilen Österreichs, über Oberösterreich ist aber halt ein wengerl hochnebelig. Macht nix, denn der rest der Woche bringt mit einem Bombenhoch viele Sonnenstunden, wenngleich es mangels Warmluftadvektion nicht übermässig warm wird und die Nächste noch knackig frisch ausfallen. Spannend wird es wieder am Wochenende:






Die Modelle bleiben bei der Variante, dass der Hochkeit über Mitteleuropa am Freitag/Samstag von Norden her angegriffen wird bzw. nach Westen abwandert um polaren Luftmassen den Weg nach Mitteleuropa frei zu machen. Heute ist eine recht spannende Variante dieses Vorgangs im GFS dabei, nämlich die Verwellung der zugehörigen Kaltfront im Süden der Alpen.
Bei so einer Konstellation ist es nicht weit bis zum Schneefall bis in die Täler...

Also: Unter der Woche Sonne genießen, am Wochenende wirds schirch (wie immer, wenn ich nach Österreich zurückkomme..)

Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Dann bleib doch in Down under.
    Aber es wird auch Schiarch werden wenn Du nicht kommst von daher bist Du natürlich trotzdem Willkommen.

    AntwortenLöschen
  2. Guten Flug.

    Leider die schlechtestmöglichen Aussichten für meine Planungen am kommenden Wochenende.

    Ich freu mich auf den Sommer und Kampfgelsen im Böhmischen Prater.

    AntwortenLöschen

Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !