Freitag, 27. Januar 2012

Kasachischer Exportschlager: Kaltlufttropfen

Hallo,

wenig weiß man über Kasachstan und seine weite Steppen. Und genauso wenig weiß man hierzulande über das Wetter dort. Macht nichts, man muss ja nicht alles wissen. In diesen Tagen lohnt es sich aber, den Blick ganz weit nach Osten schweifen zu lassen, denn Kasachstan und das nördlich anschließende Westsibirien schicken uns, wenn man EZ und GFS gleichermaßen Glauben schenkt, einen Kaltlufttropfen (oder 2) !

Ein bisschen Hintergrundwissen: Was ist ein Kaltlufttropfen ? Wenn man so will, ein Tief im Greisenstadium, beinahe eine Zyklonen-Leiche. Aber mit erstaunlich viel Leben. Ein Kaltlufttropfen ist die letzte Entwicklungsstufe mancher Tiefs, wenn sich das Tief in Bodennähe vollkommen auffüllt, in der Höhe aber die Kaltluft noch vorhanden ist.

Hat man am Boden kein Anzeichen mehr von zyklonaler Zirkulation, in der Höhe aber noch das Höhentief ergibt sich gemäß den Gesetzen der Thermodynamik zwingend das thermische Gebilde einer von wärmerer Luft umgebenen, meist recht symmetrischen Blase kalter Luft, Kaltlufttropfen genannt. In Ermangelung anderer Antriebsmechanismen verlagern sich diese meist mit der Bodenströmung. An ihrem Hinterrand, wo die Kaltluft *abzieht* findet sich meist ein Aufgleitgebiet mit etwas Niederschlag, an ihrem Vorderrand (mit der Zugrichtung gesehen), wo die Kaltluft ankommt, ist es meist wolkenlos.

Genug der Worte, schauen wir uns Kaltlufttropfen auf den aktuellen Prognosekarten an.....

Für diesen Zweck habe ich diesmal einen Ausschnitt bis weit nach Rußland hinein gewählt.... die EZ Variante der Entwicklung von Bodendruck und relativer Topografie als Maß für die Temperatur:



Man sieht folgendes. Aus Kasachstan kommend zieht ein kleiner Kaltlufttropfen am Südrand eines starken Hochs mit bodennahmen Ostwind nach Westen, dabei verirrt er sich aufs Schwarze Meer und löst sich auf. Das ist das Schicksal von Kaltlufttropfen, die über warmes Wasser ziehen: Sie lösen enorme Konvektion aus, die die Höhenluft erwärmt und dem Tropfen seine Lebensgrundlage entzieht. Das als Sidestep. Weiter mit der Geschichte: Aus Sibirien kommend schlägt aber ein weiterer, massiverer, KLT den Weg nach Westen ein, sein weiterer Weg führt ihn über die Ukraine und Polen nach Deutschland.

Wie sieht das im GFS aus (Control-Lauf) ?




Ganz ähnlich und doch anders... Auch hier entleibt sich der erste KLT über dem Schwarzen Meer, der Sibirskomat zieht wie im EZ daraufhin nach Westen, setzt sich aber über Osteuropa fest und eiert dort auf Tage hinweg herum. Andere GFS-Member lassen ihn einen Weg wie im EZ einschlagen.

Wie man es dreht und wendet. Kaltlufttropfen sind ein Graus in der Prognose, sie verhalten sich recht eigensinnig und sind prognostisch nur auf der kurzen Skala zu beherrschen. Wir werden hier also noch ein paar deutliche Änderungen der Zugbahnen in den Vorhersagen der nächsten Tage sehen. Es scheint aber recht gesichert, dass uns der Sibirier in der einen oder anderen Form in der nächsten Woche treffen wird, dem entsprechend fröstelig schauen Punkttemperaturvorhersagen für Österreich aus...


Ganz im Osten (Poysdorf im Weinviertel)...




gleich wie ganz im Westen (Hohenems im Rheintal)


und auch die Ensembles für die Temperatur sprechen eine deutliche Sprache.




Wer von der Kernmasse dieses KLT's getroffen wird, erlebt 850 hPa Temperaturen mglws deutlich unter minus 20 Grad, das ist in Zentraleuropa ein Ereignis, das nicht jeder im Zuge seines Lebens *bestaunen* kann ...

Lg

Manfred


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