Dienstag, 24. Januar 2012

Zum Teu** mit dem Westwetter, 2. Versuch

Hallo,

nachdem mein erstes Wagnis (vor ca. 10, 12 Tagen), das Westwetter in Mitteleuropa auf ein paar Tage hin zu begraben, schon 2 Modelläufe später ad absurdum geführt wurde, folgt nun der zweite Versuch, diesmal fundierter und weniger gewagt ;)

Langer Einleitung kurzer, aber umso wichtigerer Sinn: Es tut sich das und der Winter könnte mit doch recht hoher Wahrscheinlichkeit auch außeralpin seinem Namen zumindest teilweise gerecht werden.


Die Einleitung der Umstellung der Großwetterlage vollzieht sich über ca 5 Tage, und man kann das Ganze nur auf der ganz großen Skala verstehen. Wir begeben uns blicktechnisch über den Nordpol:




Der Nordpol ist in der Mitte der Karte, links ist Nordmaerika, unten Europa, und rechts Rußland bzw. Sibirien.

Was wir sehen ist in Farbe die mittlere Temperatur der Atmosphäre, in Linien das Geopotential in 500 hPa, was ähnlich zu einer Isobarenkarte auf ca. 5000m Höhe ist. Wir Meteorologen schauen uns diese Karte gerne an, weil die uns Aufschluß über die Form des polaren Wirbels gibt. Im Moment ist dieser noch recht zügig durchgängig, aber bereits mit vielen kleinen Wellen versehen. Das Zentrum der Kälte lagert über Sibirien bzw. Alaska. Bis zum Wochenende ändert sich die Form des Wirbels recht dramatisch .... wie ihr an der folgenden Sequenz im 24 Rhytmus sehen könnt:






Ein vom Atlantik kommender Keil bäumt sich weit nach Norden auf, im Gegenzug stösst (Downstream-Development) ein Trog mit eiskalter Luft über dem westlichen Russland nach Süden und auch nach Westen. Am Sonntag sehen wir den Polarwirbel beinahe komplett in 2 Subwirbel augespalten, man sieht eine Bohnen oder Nierenform. Diese Konstellation blockiert das übergreifen der atlatischen Tiefs auf Europa, im Gegenteil, die Wettersysteme kommen aus Osten nach Europa herein. Dies ist die Simulation des EZ-Modells, um mich ein wenig abzusichern habe ich mir das britische UKMO-Modell..........







und die Ensembles des GFS ebenfalls für den Sonntag angesehen:


Diese Karte zeigt den Mittelwert über 22 verschiedene Simulationen des GFS, gestartet heute morgen um 6 Uhr. Selbst im Mittel über alle Läufe kommt die Nierenform, genauso wie in EZ und UKMO, und die extreme Störung bzw. Spaltung des Polarwirbels mit einer Schwächezone von den Britischen Inseln bis zum Pol sehr deutlich heraus. Das Szenario hat also nach all dem, was man heute über Wettervorhersage weiß Regeln der Kunst der Wettervorhersage eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit !

Ich weiß, dass nicht jeder geneige Leser und die noch geneigtere Leserin, mit diesen doch recht komplexen und abstrakten Karten bzw. Aussagen etwas anfangen kann, deswegen will ich da ein paar dieser Szenarien auf Punkte in Österreich bezüglich des Wetterablaufes herunter brechen ..



Linz im EZ Trockenfrost ..



Wien im eisigen Griff des Control-Laufes des GFS..

Zusammengefasst: EZ, GFS, UKMO, sowie die Mehrzahl der GFS Ensembles gehen von einer massiven Störung des Polarwirbels ab Samstag/Sonntag mit Aufsplittung aus. In der Folge käme Zentraleuropa unter ein östliches Höhenregime (nein, der Kommunismus kommt dennoch nicht zurück), mit der Zufuhr kontinentaler Kaltluftmassen.

Dies kann trocken von statten gehen (massiver Hochdruckeinfluss) oder auch mit zeitweiligem Schneefall in weiten Teilen Österreichs, z.B wenn die milde Luft vom Atlantik Richtung Mittelmeer abtauchender Tiefdrucksysteme über die kontinetale Kaltluft aufgleitet.

Die Zeiten des nicht-Heizen-müssens im Osten sind jedenfalls vorbei und der Westen kann beruhigt der Konservierung seiner enormen Schneemassen entgegensehen.

Lg

Manfred

(Wenn das jetzt wieder nichts wird, dann ........)

Kommentare:

  1. ...dann war es für mich perfekt erklärt u hab vielleicht was dazugelernt,
    ...dann macht das wetter was es will u nicht was die karten hergeben,
    ...dann haben die meteorologen keine schuld,
    ...dann geniessen wir weiter die milde irgendwasjahreszeit,
    ...und sagen lieb danke für die müh´und plag´ dem laienauge wettervorhersage näherzubringen.

    mfG
    birgit

    AntwortenLöschen
  2. Danke auch von mir einmal für die sehr anschauliche Erklärung und die Bemühungen deinerseits...

    LG
    Rupert

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Manfred,

    Danke für deinen Blog :)

    Was denkst du eigentlich über den AO und den NAO-Index in Sachen Tauglichkeiten zur Langfristprognostik?

    AO wird ja wieder aufsteigend berechnet, demnach eher negativ für meridionale Wetterlagen?

    lg

    AntwortenLöschen
  4. dann komm ich um die ecke und stelle dich zur rede ob du nicht doch einer von der zamg bist...

    ps: zu ubimet kann ich rüber sehn ;)

    AntwortenLöschen
  5. @Dominik... ich schaue mir ehrlicherweise die Indices nicht tagtäglich an, da ich deren Bedeutung für die Mittelfristvorhersage im konkreten für gering halte. Klimatologisch gesehen bzw. über viele Fälle gemittelt kann ich deiner Aussage viel abgewinnen. Im Einzelfall aber muss das nicht zwingend etwas für die meridionalität der Strömungen über good old europe bedeuten. Beispielsweise kann ein straffer Jet gerne von den Staaten bis Island reichen und weiter stromab über Wochen hinweg fröhlich mäandrieren .. das ist das wovon man über die nächsten 10 Tage ausgehen müsste.. denn das russische Kälteei lässt sich nicht leugnen, und es ist dieses, das über Kälte oder Milde entscheiden wird....

    Lg

    Manfred

    AntwortenLöschen
  6. Interessanter Artikel. Nützliche Informationen, danke für den Austausch. Ich besuchte einmal den Nordpol, ich habe mit ihnen auf Tour https://poseidonexpeditions.com/de/. Das Wetter beobachten ist sehr wichtig, wenn du da bist. Wer Fiktion gibt, rate ich Ihnen, zu besuchen. Es war die beste Reise meines Lebens.

    AntwortenLöschen

Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !