Donnerstag, 5. Januar 2012

Sturm ANDREA - TICKER

Hallo,

Die folgenden Informationen beziehen sich auf Österreich bzw. Süddeutschland (man kann ja nicht alles im Auge behalten). Ich möchte in diesem Ticker nicht die 08/15 Dinge abhandeln, denn dass ein Sturm kommt, war ja eh klar, sondern über Auffälligkeiten berichten.

Besonderheit 07:47

Nun, um 7 Uhr hat Andreas Sturmfeld ganz Bayern und Oberösterreich erfasst.


Ein paar Spitzenböen zu dieser frühen Stunde:

Waizenkirchen: 126 (!!!) km/h
Kremsmünster 86 km/h
Weibern (Blogwetterstation) 82 km/h
.....
Bayern/BaWü:

München 101 km/h
Schongau 97 km/h
Konstanz: 93 km/h

Das besondere daran: Dramatisch schlecht war die Prognose für den 6 Uhr Termin in der Region vieler Wettermodelle...

GFS:




EZ:



UKMO:



Gut erwischt hat dieses Mal die Lage hingegen das UBIMET-WRF:



Es ist auch das einzige Modell, dass in Oberösterreich statt Südwestwind Westwind prognostiziert. Darin liegt auch der Clue begraben, warum im westlichen Oberösterreich der Sturm so plötzlich durchgebrochen ist. Man sieht in allen Modellen, dass die Isobaren parallel zu den Alpen verlaufen. Man erwartet hierbei durch den Reibungseffekt Südwestwind am Boden, mit entsprechend geringen Geschwindigkeiten (Sumpfströmung weg von den Alpen). Der Wind in der höheren Luftschichten steht aber auf West und ist stark. Wird der Wind aus diesen unteren 500, 600m heruntergemischt, wie es jetzt der Fall ist, wird nicht nur die Geschwindigkeit sondern auch der Impuls, also die Richtung heruntergemischt ... und aus Südwestwind wird Westwind, der jetzt beobachtet wird.

Schaun wir mal wie es weiter geht ... wenn mir wieder etwas auffällt, kommen weitere Tickereinträge im Tagesverlauf..

Update 12:55

Nun, es hat sich nicht viel aufregendes getan, die Spitzenböen sind mit dem einsetzenden Regen an der Okklusionsfront von ANDREA erst einmal deutlich zurück gegangen. Bei Niederschlag stabilisiert sich durch Niederschlagskühlung die Luftmasse, die Höhenströmung wird weniger effektiv heruntergemischt, und es erfolgte speziell in Oberösterreich ein Rückdrehen des Windes auf Südwest.


Wenn ich genau darüber nachdenke und mir auch den Stationsverlauf von Waizenkirchen ansehe,




dann kann aber genau der einsetzende Regen dazu geführt haben, das für kurze Zeit die Höhenströmung so stark herunter gemischt wurde:

Es war vor der Spitzenböe von 126 km/h sehr trocken: Temperatur 6°, Taupunkt -8. In so einer Luftmasse verdunstet fallender Regen sehr schnell und kühlt die Luft, es entsteht ähnlich wie beim Downdraft eines Gewitters Abwärtsbewegung, die in der Anfangsphase zum Runtermischen der Höhenströmung beitragen kann. Mit den steigenden Taupunkten wurde das Verdunsten dann immer weniger effektiv und jetzt regnet es bei gesättigter Luftmasse und Böen im 80-er Bereich halt dahin.

Im Wiener Raum hat der Wasserstrahleffekt gegriffen, bei Wind aus Süd bis Südwest besteht erstmal keine Chance auf Sturmböen.

Das nächste interessante Kapitel steht nun beim Durchzug der Frontlinie an, die sich schön linienförmig auf  die Alpen von Norden her zuwälzt. Bei ihrem Durchzug kann die Höhenströmung nochmals kurzzeitig turbulent heruntergemischt werden. Das werde ich aber nach einem Arbeitstag wie heute einfach verschlafen und ggf. nachträglich kommentieren.

Am Abend und in der Nacht stehen dann dem Alpenostrand bei stürmischem, kanalisiertem Nordwestwind ruppigere Zeiten an.


Update und Closing Freitag 07:07

Zuallererst: Das fulminate Showdown ANDREA's in Süddeutschland habe ich verschlafen ;( Egal,, das wichtigste: Das Wetter hat immer neue Spassetterln im Gepäck, das macht den Beruf ja so interessant... Wie ich richtig vermutet habe stand das Finale mit dem Durchzug der Kaltfront aus Norden im Zusammenhang. Die Bühne dafür waren dieses Mal Tirol und Vorarlberg.


Besondere Windspitzen nach 14 Uhr: (Österreich)

Tannheim: 112 km/h
Rohrspitz: 108
Haiming: 108
Reutte: 101
Götzis: 100
Galtür: 97
Feldkirch: 94
...
...
...
...

Ausser Konkurrenz: Innsbruck-Kranebitten mit 122 km/h im zuge eines nordföhnlichen tief-nächtlichen Windstosses.

Hier 2 Radarbilder der gewittrigen Kaltfront, bevor sie über die Alpen hergefallen ist (Zeit: 15:55):





.. sowie die Blitzaktivität der letzten 24 Stunden:


(Man sieht hier übrigens wie der Patscher*knofel* einen Blitz getriggert hat :)

Abends und Nachts gab es dann noch die erwarteten 85-er bis 90-er im Osten  bzw. am Alpenostrand, was aber gegenüber den Werten an der KF im Westen recht unspektakulär ist.

 Zusammenfassend: En interessanter Sturm, der zwar mit vielen Schäden an Infratsruktur und Gebäuden v.a vom Rheintal bis in Oberösterreichische verbunden war, aber zum Glück nicht katatstrophal ausgefallen ist.

Ein ungewöhnlicher Sturm mit einigen AHA-Momenten, man denke an das urplätliche Auftreten von Orkanböen in Waizenkirchen in der Früh. So schnell wie sie da waren waren sie dann auch wieder weg.

Abschliessend ein kurzer Blick darauf, wie z.B das WRF mit der regionalen Verteilung der Sturmgefahr, hier in Form einer Wahrscheinlichkeit für Böen über 90 km/h umgegangen ist:



Zusammenfassend recht vernünftig:

Der Osten wurde ausgespart (erst in der Nacht kommen Signale für grössere Gebiete über 90 km/h), Oberösterreich, der Flachgau, weite Teile Nordtirols und Vorarlbergs waren in der 90+ Zone, im Waldviertel gab es auch immerhin bis 86 km/h.

(Hinweis: Modelle spucken natürlich keine Böenwahrscheinlichkeiten aus. Es handelt sich um einen von mir selbst zusammengesetzten Wahrscheinlichkeitsparameter)

Viel Spass im Schnee und auf dass sich die Lawinen zurück halten mögen ...



Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Um 7:00 hat mich der Sturm bereits aus den Federn gehoben, selbst ich hatte in meinem Tal 100er Böen. Aktuell ists weniger, der Niederschlag scheint zu stabilisieren. Ich bin mal gespannt, was da heute noch drin ist. Die Windmaster sind bereits ausgepackt und um Mittag wird Stellung bezogen ;)...ich hoffe von deiner Seite auf weitere News zur Entwicklung.

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  2. Woher hast du das erste Bild? Desweiteren Danke für deinen Service!
    Grüße

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  3. @Robert.. wegen den weiteren News muss ich passen .. aber wie bereits geschrieben glaube ich dass der Regen an beidem schuld war.. der plötzlichen Verstärkung und der darauf folgenden Normalisierung. Bezüglich weiterer Updates muss ich wegen zufallender Augenlider leider passen. Die Front ist aber auf dem Radar nicht mehr weit weg .. ;)

    @Philipp: Das sind die Daten mit denen meine Firma bzw. ich tagtäglich arbeiten ...



    Gut N8 aus Melbourne

    Manfred

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  4. Bei uns haben die Häuser gewackelt ... schon krass

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !