Sonntag, 18. Juli 2010

Gewitterwahnsinn am 17.7.2010

Hallo,

dass es gestern mit Ausnahme Kärntens so gut wie überall in Österreich teils schwere Unwetter gab, muss ich der geneigten Leserschaft nicht nochmal erzählen.


Warum es diesen Ausbruch an Unwettern gab ist auch nicht weiter schwer zu erzählen:


Im Vorfeld einer Kaltfront lagerten extrem labile Luftmassen über weiten Teilen Österreichs, die Kaltfront überquerte das Bundesgebiet im Tagesverlauf von West nach Ost, an der Frontlinie und davor wurde die Labilität der Luftmasse entzündet.


Den Frontverlauf erkennt man im Windfeld von 15Z vom Waldviertel bis zum Bodensee.

Die Labilität war auch in den Radiosondenaufsteigen von Innsbruck und Wien zu sehen (3z bzw. 18z):




Innsbruck



Wien

Wenn man hier auf die gemessenen CAPE und LI Werte schaut, sieht man dass die Modellberechnungen in diesem fall überhaupt nicht übertrieben haben.


Ich möchte dieses Ereignis, das also keiner weiteren Aufklärung des *Warum* bedarf in Zahlen und Bilder fassen....

Ein Wahnsinn an sich sind die folgenden Filme die die Entwicklung der Radarechos und Blitzeinschläge  von 9 Uhr bis 4 Uhr in der Früh am Sonntag widergeben







Radar





Blitz

Den Ablauf kann man folgendermaßen zusammenfassen: Die Front ist zu Beginn der Loops gerade mal über dem Außerfern. Um Mittag löst es weit vor der Front weit im Osten aus, dann geht es in Tirol los, Innsbruck und das Unterland, der Pinz- und Pongau werden versenkt, es beginnt im Salzkammergut und Ennstal, greift nach Norden in den Zentralraum aus, nach Süden ins Murtal, löst dann an der Front neuerlich im Wiener Becken aus, überquert im Süden die Oststeiermark und das Südburgenland und zieht dann nach 4 Uhr Richtung Ungarn ab.

Details zur Zelle in Innsbruck wirds mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in nächster Zeit bei Clemens geben, oder auch hier im Beitrag von Felix gibts einiges zu sehen.

Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 240.000 Blitze registriert:



11-23 Uhr



23-11 Uhr

Darüber hinaus noch erwähnenswert die extrem schwüle Luftmasse am nachmittag in Ostösterreich, mit Taupunkten bis 24 Grad bei Lufttemperaturen zwischen 30 und 24 Grad. Das spiegelt sich in gefühlten Temperaturen teils deutlich jenseits von 40 Grad wider:



Mit den Gewittern gab es dann teils extreme stündliche Regenmengen, wie die Animation dieser über den Tag zeigt:




Erwähenswert hier der Rohrspitz mit 44L/m²h, Innsbruck Uni mit 35 pro Stunde, Kalwang mit 50, Gänserndorf bei Wien mit 48 usw usf.
Zusammenfassend kann man sagen. Das Ereignis war in dieser Heftigkeit erwartet, ja. Überraschend war die frühe Auslöse so weit östlich der Front über Ostösterreich, was die Maxima etwas kappte, der späteren Gewittertätigkeit aber keinen Abbruch tata. Auslöser dafür war, genaugenommen, der Durchgang einer kleinen Konvergenzlinie gegen 11 Uhr. Vom Typus her waren überwiegend Mesoskalige Systeme unterwegs, gespickt mit einigen Superzellen (Miß Innsbruck wäre ein Kadidat, von der Form her), die befürchteten Böenfronten und organisierten Linien blieben weitgehend aus.

Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Merci beaucoup, Manfredo.

    Zum Ausbleiben der Böenlinien hab ich mir gestern noch eine Theorie erschustert. Und zwar hatte die Kaltfront in 2 Staffeln Österreich überquert, sodass die erste Staffel mit den langsam ziehenden Gewitterzellen schon die Energie rausnahm und die 2. Staffel zahnlos blieb. Zusätzlich hat es die Trogachse über Österreich in zwei Teile getrennt, sodass der Hebungsantrieb rapide abnahm. Letzteres war schon länger ersichtlich, ersteres hab ich entweder übersehen oder war nicht so deutlich in den Karten erkennbar. ESTOFEX hatte das Wort Squall line nicht einmal erwähnt, also lag es wohl eher an einer Missinterpretation meinerseits.

    Gruß aus dem 16°C-vernieseltem Innsbruck,
    Felix

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  2. Danke, für die tolle
    niedergeschriebene Arbeit hier! -
    Ist sehr interessant!

    Freundlche Grüße! ;)

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  3. @Felix, hmmm.. ich erklärs mir im Nachhinein etwas anders. Eigentlich, schaut man sich die Radiosonden an, war es in der unteren Atmosphäre und am Boden Hölle feucht. Die trockene Schicht oberhalb der Grenzsschicht fehlt sowohl im Innsbrucker als auch im Wiener Aufstieg. Ich teile ie Zwei-Fronten Theorie... wobei die erste thermisch nicht aktiv war, sondern einfach nur eine vorlaufende Konvergenz. Das mit dem rausnehmen der Energie seh ich nicht ganz so, auch der 18Z Aufstieg von Wien hat noch Hölle Cape... ... wo es noch am ehesten klappte mit der Sqall, und es war eine schöne, war von Liezen über Kalwang, Murtal, Graz, Oststeiermark bis ins Südburgenland.. da kommt zweitweise sogar ein klassicher Bogen zum Vorschein .... sehr interessant jedenfalls.

    Lg

    M.

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  4. Hier jedenfalls meine Fallstudie, nach Durchsicht der Daten tendiere ich auch eher zu der Konvergenztheorie.

    http://www.inntranetz.at/events/hailstorm-ibk.html

    Schönen Gruß aus dem verhagelten Innsbrucker Land,
    Felix

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !