Dienstag, 29. Juni 2010

Modellinterpretation für Fortgeschrittene

Hallo,

heute gibts mal wieder etwas *Feines*, das zeigt, dass wir Meteorologen doch noch etwas mehr Hirn brauchen, um gute Vorhersagearbeit leisten zu können und wir uns nicht auf das sture Abschreiben der Modelle verlassen können.

Zerpflücken wir die Prognose für Österreich morgen Mittwoch ein wenig.

Die Großwetterlage zeigt ein schwer sommerliches Bild:





Mitteleuropa liegt unter einem flachen Keil in sehr warmer Luft. Die kontinentale Luftmasse ist mittlerweile gut durchgeheizt und wird langsam labil, wie die CAPE Werte am Nachmittag eindrucksvoll demonstrieren.

Dies äußert sich im groben Modell in konvektiven Niederschlägen:


Aber was heißt das nun ? Werden in ganz Tirol und Vorarlberg morgen den ganzen Nachmittag über Schauer und Gewitter niedergehen ?. Die Antwort ist NEIN. Es wird supersonnig. Das kann man als Met auch aus dem Modell herauslesen, wenn man denn überhaupt weiß wie ein Modell funktioniert.

Die Konvektion ist im Modell (GFS) implizit verarbeitet, also nicht explizit. Sie wird parametrisiert. Das führt dazu dass an den Gitterpunkten Energieüberschüsse entstehen, die über Modellniederschlag abgeleitet werden. (Fachterminus: hydrostatisch approximiertes Modell). Was wir hier sehen ist also nichts anderes als ein Signal für einzelne Wärmegewitter, die über mehrere Gitterpunkte verschmiert werden.

Um dies zu beweisen gehen wir in die feinere Skala und verwenden ein Modell, das seine Randbedingungen aus GFS erhält, damit aber die Konvektion explizit als Modellschauer- und Gewitter berücksichtigt.

Auf 36km Gitterpunktsdistanz sieht das Bild noch ähnlich verschmiert aus....



Auf 12km wird das Muster schon etwas deutlicher:



Und auf 4km wird klar wie der Hase läuft:


In Wahrheit bilden sich über den markanten Gebirgsgruppen, einzelne, stillstehende Wärmergewitter, die lokal zwar sehr viel Regen bringen können, im Mittel aber nur für sehr wenig Flächenniederschlag sorgen.

Wo diese Gewitter stehen werden, weiß auch das 4km Modell nicht, das ist dann im Anlaßfall der Natur überlassen, die sich die besten Gewitterberge und Riegel spontan (auf einer gewissen Skala) aussucht. Selbst wenn man also morgen Nachmittag von der Alpenhauptstadt Innsbruck aus ein paar Gewittertürme in der Umgebung sehen kann, ist es denkbar unwahrscheinlich, dass diese in die Täler übegreifen. (überhaupt keine Höhenströmung vorhanden) Für die meisten Bergbewohner wirds also auch morgen ein

sehr sonniger

sommerliche heißer

trockener


letzter Junitag. Den blauen Modellniederschlägen zum Trotz.


Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Hoi Manfred,

    ich tendiere zu 60 % zu Deiner Einschätzung, die anderen 40 % sehen es weniger sonnig und deutlich konvektiver als in den letzten Tagen, da GFS recht eindeutig den Durchgang einer Trogachse in 300 hPa simuliert, die auch synoptischen Hebungsantrieb bedeutet:

    http://www2.wetter3.de/Animation_12_UTC/24_8.gif

    Die Sonneneinstrahlung wird nicht ausreichen, um die Absinkinversion zu überwinden, aber mit dem bisschen QG-Antrieb könnte es durchaus reichen, und dann nicht aufs Gebirge beschränkt. Die Lokalmodelle neigen dazu, die Konvektion überm Gebirge zu überschätzen und in den Tälern (nach abendlich voll durchgeheizter Grenzschicht) zu unterschätzen.

    Ich lehne mich mal bisserl aus dem Fenster: mittags bereits größere Quellungen, aber noch trocken, abends dann auch talübergreifend einzelne Gewitter. Jedenfalls vom Sonnenschein her kein Vergleich mehr zu heute.

    die 20 % zu Deiner Prognose lässt mich jedoch die Höhenströmung tendieren, die wirklich extrem schwach ist (lediglich in 300 hPa nennenswert).

    Lassen wir uns überraschen ;-), wenn GFS so flächige Signale über den Hauptkamm übergreifend rechnet, bin ich immer gewarnt, obwohl es "nur" das Globalmodell ist.

    Gruß,Felix

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  2. würde sagen, das ging salomonisch daneben ;-)

    In Tirol derzeit ausgedehnte Ac-Felder (Altocumulus stratiformis opacus), die keine Sonne mehr durchlassen.

    sieht man auch gut im Morgensounding:

    http://weather.uwyo.edu/upperair/images/2010063000.LOWI.skewt.gif

    im Chiemgau gleichzeitig Schauer/Gewitter.

    http://weather.uwyo.edu/upperair/images/2010063000.10868.skewt.gif

    vmtl. startete die Konvektion vom mittleren Niveau aus Ac cas heraus. würde jedenfalls zur Anfeuchtung passen.

    Gruß,Felix

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  3. Jo, das war anders geplant .... wobei die AC's auch etwas zufällig sind, da sie dem Bayern-Teil entstammen, das die Nacht überlebte und sich von Norden her sterbend an die Alpen legte. So etwas kann bei dieser Lage natürlich kommen, muss aber nicht und war deswegen vielleicht auch nicht direkt so vorherzusagen. In den anderen teilen der Alpen halten sich die Cumulanten schön an die Hänge. Hätt ich nicht Innsbruck gesagt, sondern, was genausogut als Beispiel hätte herhalten können, Landeck, hätts geklappt ;)

    Einen interessierten Meteorologen zeichnet halt auch aus, wenn er im Nachhinein erklären kann warum die Prognose nicht hingehauen hat .... :D

    Lg

    Manfred

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  4. ab Salzburg ostwärts löst es nun aber doch recht verbreitet aus und im Grenzbereich Bayern-Innviertel sitzt eine massive Gewitterzelle mit leichtem Überhang im Aufriss. Auch in der Arlbergregion hat es ausgelöst.

    Meine Erklärung:

    der Hebungsantrieb der Trogachse ist ausreichend, um die Absinkinversion auszuhebeln, durch die Feuchteadvektion in mittleren Schichten trocknen die Cu/Cbs nicht mehr so leicht aus, und bodennah sind die Taupunkte auch angestiegen (verbreitet 15-18°C).

    http://weather.uwyo.edu/upperair/images/2010063012.10868.skewt.gif

    Damit ist dann alles klar...

    Gruß,Felix

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !