Donnerstag, 3. Juni 2010

Sommerprognose 2010 ? Zu warm ? Echt ?

Hallo,

wie das Amen im Gebet wurden dieser Tage in der Presse wieder die Saisonalvorhersagen des ECMWF durch die ZAMG veröffentlicht (siehe z.B am Ende dieses Standard-Artikels. Der Tenor dieser in diesen algendruckbehafteteten Tagen durchaus wohlklingenden Nachricht: Der Sommer wird (von 1. Juni bis 31. August, Anmerkung der Redaktion) mit 60% Wahrscheinlichkeit zu warm (signifikant zu warm, also mehr als 0,5° im Schnitt, weitere Anmerkung der Redaktion). Also nur mit 40% Wahrscheinlichkeit zu kalt oder normal. Das sind schon starke Zahlen ....

Unsereines fragt sich, ja stimmt denn das ? (Nicht nur weils von der ZAMG kommt, denn als Meteorologe mit eigener Meinung ist in erster Instanz mal Skeptiker, (nicht Kritiker), sondern, weils irgendwie nicht ins Großwetterlagenmuster passt). Die Antwort ist: Waas maas ? Nein. Denn die angegebenen 60% stammen aus einer konditionierten Aussage, das heißt einer Aussage, die an eine Vorbedingungung gebunden ist. Die Vorbedingung ist: Glauben wir dem ECMWF, so wird der Sommer wahrscheinlich zu warm.

Blogleser wissen nun, dass es ja nicht nur das ECMWF gibt, also schauen wir uns einmal die Aussage der Amerikaner (NCEP) für den selben Zentraum an:

Die berechneten Temperaturanomalien für Europa:

Und hier mit den Vorhersagewahrscheinlichkeiten versehen:

Hölle, Hölle, die Amerikaner zeichnen leider ein ganz anderes Bild ! Hier gibt es im Juni kaum signifikante Abweichungen, im Juli negative und auch die postiven Abweichungen im August sind trügerisch, wenn man die Ensembles clustert, ergibt sich eine Übermacht für einen zu kalten August...

Schauen wir uns die Niederschläge an:

Und mit Wahrscheinlichkeiten:

Hier sieht die Aussage so aus, dass der Juni mit aller Wahrscheinlichkeit zu nass ausfällt, Juli und August indifferent und tendenziell trockener.

Was heißt das jetzt, wirds wirklich kalt und nass, statt deutlich zu warm ? Die Antwort: das weiß keiner und die 60 % vom Standardartikel sind nicht mehr, als das was ich beschrieben habe, eine konditionierte Wahrscheinlichkeit. Das entscheidende ist also nicht das Ergebnis des Modells, sondern vielmehr auf welches Modell man sich als Meteororolge verlässt. (Am besten auf keines..)

Das ist ähnlich wie, also würde man eine verarbeitete (unparteiische) Agenturmeldung zum (geplanten und vom Tisch gestimmten) Asylaufnahmezentrum Eberau/Bgld sowohl auf der Website der Grünen, als auch auf der der FPÖ lesen. Die Kondition (links/rechts) bestimmt hier wiederum den Inhalt.

Wenn man mich persönlich fragt, so sehe ich die Simulation des NCEP für den Juni als plausibel an, denn sie ist durch den Trend der Großwetterlagen irgendwie gestützt, darüber hinaus, also für Juli und August habe ich selbst als Meteorologe gar keine Meinung, die selbe Vorgangsweise empfehle ich auch der Leserschaft.


Die Ergebnisse der Saisonalvorhersagen des NCEP sind im Gegensatz zum ECMWF, wohlgleich diese auch durch europ. Steuergelder finanziert sind, allen frei zugänglich, Bookmark hier setzen. Bitte aber stets Vorsicht walten zu lassen, und nicht der Mitzi-Tant jetzt schon sagen, dass es bei der Weinlese sonnig und warm werden wird....

Lg

Manfred

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