Freitag, 15. April 2011

Gedanken rund um Klima und Mensch

Hallo,

weil das Wetter der kommenden 5 Tage schön und damit langweilig für einen Wetterblogger wird, schreib ich mir zur. Abwechslung mal ein bisserl was anderes von der Seele.

Ich musste heute gezwungenermaßen mit dem Auto von Favoriten zum Arbeitsplatz fahren, und das zur Stoßzeit. Die Südosttangente war natürlich bummvoll mit Karossen, die witzigerweise nur zur Minderheit mit Wiener Kennzeichen versehen waren .. WU, MD, OP, WN, WB .. alles aus dem Radius von 100km um die Hauptstadt war zu sehen.

Ein bissl populistisch hab ich mich bei den Einzelnen, die so an mir vorbeischlichen, gefragt, warum er/sie denn nicht mit den Öffentlichen in die Arbeit fahren kann. Neben Spassargumenten (Körperfülle, Haartracht) lief es meiner Meinung nach meist auf Bequemlichkeit hinaus. Es ist relativ bequem, allein in einer 100 PS Schüssel von der Haustüre zum Büro zu fahren.

Bequem und dreckig. Klimaschändung, genaugenommen. Ich habe mich als Meteorologe schon recht besonnen damit abgefunden, dass die Erwärmung, die im Gange ist über die nächsten 50, 100 Jahre nicht enden wird, selbst wenn kein einziger Mensch mehr auf der Erde den Zündschlüssel einer benzin/dieselgetriebenen Karosse umdreht. Deswegen stelle ich es mir für die Politik umso schwerer vor, von den Leuten etwas zu fordern, dessen Effekt vielleicht dann zu sehen und zu spüren ist, wenn über den Gräbern der einzelnen Individuen schon 50 Jahre lang das Moos sprießt.

Im letzten Wahlkampf um Wien hat Frau Marek einmal gesagt, man kann es den Leuten nicht vorschreiben, mit welchem Verkehrsmittel sie wohin fahren, und welche Wege, seien sie auch noch so unnötig, zurückgelegt werden dürfen. Stimmt. Das beschneidet die persönlichen Rechte auf Bewegungsfreiheit des einzelnen Individuums. Ich finde aber, man sollte in dem Zusammenhang auch den Impact, also Einfluss auf die Welt um das Individuum herum betrachten und versuchen eine Vollkostenrechnung anzustellen.

Simpel gesagt, wenn du das Auto per Hetz und aus Faulheit nutzt, dann zahlst du dafür genauso viel, wie wir *anderen* brauchen um den Dreck an anderer Stelle wieder gut zu machen. Das würde dann für Bequemlichkeitsfahrer recht teuer... Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich irgendein führender Politiker das traut...

Wenn man das dann vom Individualverkehr weggehend ausdehnt und weiterspinnt, sinkt der Mut zum Aufbruch rasch, denn dann geht man auf direkte Konfrontation mit Wirtschaftsinteressen von Nationalstaaten und noch schlimmer, Wirtschaftssupermächten.. und wie deren Einstellung zu Nachhaltigkeit beim Umgang mit Ressourcen beschrieben werden kann, lässt sich anhand eines Wortes vollziehen: Kyoto.

Wachstum, kurzfristig zufriedene Bürger der Industrienationen, Wählerstimmen versus Nachhaltigkeit. Wer gewinnt da wohl ?

Schönen Abend..

Manfred

P.S Selbstkritik muss sein: Ich hab mir interessehalber gerade eben ausgerechnet, wieviel CO2 ich durch meine Australienfliegerei im Jahr produziere. Ungeschönt: Was ein Auto, einzelbesetzt mit 30.000km im Jahr Fahrleistung im Vergleich dazu produziert, ist ein Witz: es ist um den Faktor 20 weniger. ... stimmt mich umso nachdenklicher.

Kommentare:

  1. Soweit ich das verstanden habe, möchten die Grünen die Langzeittickets günstiger machen und die Kurzzeittickets der Öffis teurer. Weiters sollen die Taktzeiten der S-Bahnen (wieder ?!) verkürzt werden, und das dafür notwendige Geld über eine Ausweitung der Parkpickerln in den Außenbezirken reingeholt werden. Damit will man die Pendler verstärkt auf die Öffis umsteigen zwingen.

    Und die Fahrradwege will man natürlich ausbauen, aber die letzten Gesetzesentwürfe waren diesbezüglich katastrophal, als Radfahrer hast in Wien kaum Rechte und jede (!) Fahrt ist DER Adrenalinhöllenritt. Jederzeit kann Dir ein volldepperter Autofahrer die Vorfahrt nehmen, oder ein anderer Radfahrer Dich absäbeln. Entspannung vor/nach der Arbeit schaut anders aus, außer man fährt extrem zeitig.

    Anyway, ich finds gut, dass die Grünen was bewegen wollen, weg vom Individualverkehr, der Ansatz ist gut.

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  2. "Das Leben ist lebensgefährlich!" - das ist nunmal so.
    Ohne hier in diesem schönen Wetterblog politisch werden zu wollen, aber "die Grünen" sind genauso zahnlos und zahm geworden, wie alle übrigen politischen Parteien in Österreich - Lobgesänge habens da wirklich schwer. Teilweise hatte ich ernsthaft am Klo schon bessere Ideen, als das, was uns da wöchentlich aus dem Parlament heimsucht...

    Aber ansonsten finde ich deine Gedanken, Manfred, sehr interessant und teile sie soweit auch vollkommen, auch wenn es mir ebenso oft leid tut, dass ich als Mitglied einer Wohlstandsgesellschaft ebenso nicht mehr für Mutter Erde tun kann.

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !