Montag, 29. März 2010

Neuerlich Föhnsturm am Dienstag

Hallo,

beim Wetter gibt es niemals 2 gleich Abläufe einer Wetterlage, wohl aber ziemlich ähnliche. Und da scheint sich am Dienstag etwas anzubahnen, was wir in ähnlicher Ausprägung und Zeitlichkeit schon am Freitag hatten.

Zur Ausgangslage:


Das aktuelle Tief Kerstin mit seinem Kern südwestlich der Britischen Inseln macht Appetit auf Steak: Die Kenner dieses Blogs wissen worauf ich hinaus will.. die Form der Fronten legt die Struktur eines T-Bone Steaks nahe, und das ist natürlich nicht per Hetz so, sondern hat System: Kerstin ist eine Shapiro-Keyser Zyklone. Eine dominante Warmfront und Okklusion, eine bis auf die kleine Verwellung nördlich der Iberischen Halbinsel mickrige Kaltfront mit einer deutlichen Schwächezone nahe des Tiefkerns. Alles Elemente des konzeptionellen SHPK Modells.

Österreich kommt nun im Warmsektor der Zyklone in eine föhnige Vorderseitenströmung, die am Dienstag kulminiert. Dabei ist die Luftschichtung etwas labiler als beim letzten Fall, ausserdem simulieren die Modelle im Gegensatz zum letzten Fall deutliche Stauniederschläge im Süden des Alpenhauptkamms noch vor Durchzug der Kaltfront. Das legt für mich nahe, dass es diesmal auch in den Tälern der Hohen Tauern stärker als beim letzten Mal föhnen sollte und es dort erfahrungsgemäss grössere Ruppigkeit geben wird (Böckstein, Bad Gastein etc..).

Ähnlich zum Freitagsfall wird Kerstins Kaltfront die Sache im Lauf des Nachmittags und Abends von Westen her beenden, wobei es speziell von Bayern her auch wieder gewittern kann. Gewitter möglicherweise bei Kaltfrontdurchzug auch in Teilen Kärntens und der Steiermark. Druckwelle nördlich der Alpen sowie inneralpin: möglich !

Hier die Simulationen des 4km Modells (Niederschlag und Wind)







Nach Australien: Hier tobt relativ unbemerkt der KAT2 Zyklon Paul über dem östlichen Northern Territory. Die Gegend ist praktisch unbewohnt..





(Bild verfällt)

Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Hmmm...

    also mir fallen vor allem zwei Unterschiede zu Freitag auf:

    1. wird weniger Labilität gerechnet trotz der günstigen Tageszeit beim Durchgang der Kaltfront (bezogen auf Deutschland), was damit zusammenhängt, dass die Luftmasse absolut gesehen etwa 10K kälter ist (äquivalentpotentielle Temperatur).

    2. ist der Luftmassenunterschied an der Kaltfront morgen wesentlich schwächer (+7 zu +1 in 850) als am Freitag (+11 zu -1 in 850), und auch nicht so scharf (geringerer horizontaler Unterschied), und die Kaltluft kommt zudem mit einem weiteren Randtief in zwei Staffeln:

    http://www2.wetter3.de/Animation_00_UTC_05Grad/36_3.gif

    (recht komplexe Situation)

    Auch das Druckfeld ist wesentlich impotenter, nachdem das Randtief an der Kaltfront nur vorübergehend geschlossener ist, und schließlich wird auch vor dem Tief schon viel Bewölkung gerechnet (wahrscheinlich aufgrund der massiven Warmluftadvektion).

    Druckwelle an den Alpen ja, Gewitter eher nein, ist mein first guess, und falls doch, dann nur verstreut, nicht so schön linienhaft wie am Freitag.

    Zur Shapiro-Keyser-Zyklone hätte ich auch noch eine Frage, und zwar schaut es im Satloop so aus, als hätte das Tief zwei Kaltfronten, da sich unmittelbar südöstlich vom Tiefkern nochmals frontale Bewölkung ausbildet.

    Auch der TFP springt dort an:

    http://www.satreponline.org/today_06.php?width=1280&height=1024&date=2010032906

    In 300,500 und 700 hPa liegen da markante PVA-Maxima drüber.

    Was ist das? Ein Komma? Satrep bezeichnet es als zurückgebogene Okklusion, scheint aber nach dem Loop eher eine Neuentwicklung zu sein.

    Gruß und thx,
    Felix

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  2. Hei Felix,

    ich gebe dir recht mit den geringeren Gradienten etc., aber das Muster ist doch ähnlich. Klar ist die Synoptik etwas anders (Haupttiefkern sehr weit im Westen was den zweiten Schwall am Mittwoch bedingt, nehme an dass sich dieser aus der umgebogenen Okklusion oder dem Teil, das du kernnah angesprochen hast entwickeln wird).

    Was die Labilität angeht, das GFS hüpft hier sehr mit den Werten, mit fällt sehr positiv das zum Freitag vergleichsweise tiefe 500.-er Geopot. auf und v.a. die Tatsache dass jenes schon vor der Kaltfront sehr schnell fällt, was einer gemächlichen Abkühlung in der Höhe schon vor der Bodenkf gleichkommt. Modell LI- und Cape Werte sind immer noch o.k wobei man von keinen Brummern wie am Freitag ausgehen wird. Der Bodendruckgradient ist aber gerade über den östlichen Ostalpen ziemlich specktakulär, zusammen mit den Luv-Niederschlägen bin ich insbesondere auf das Verhalten der Alpenhauptkammtäler in Salzburg gespannt.

    Was die angesprochene 2. Kaltfront angeht... ist eigentlich nicht neu, nur selten besprochen. Auch hinter Kaltfronten hat es Temperaturgradienten, die durch ein frontogenetisches Windfeld aufkonzentriert werden können und dann auch zirkulationstechnische (PVA !) wirksam werden können. Ich hab das schon öfter vor allem bei gut entwickelten Zyklonen gesehen, wo es die Kaltluft schon einigermaßen weit an die Vorderseite des Kerns geschafft hat. U.U verändert sich das Windfeld sogar derart, dass die T-Gradienten an der primären KF abgebaut werden und die neuen Teile zu den eigentlichen LMGs werden ... da gabs mal einen schönen Fall, ich glaube der 3. oder 4.3.1998 .... über Mitteleuropa.

    Lg

    Manfred

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !