Samstag, 20. März 2010

Update Kat 3 Zyklon Ului und Gefahren des Synoptikerlebens

Hallo,

Ului erreicht nun die Küste, am Reef wurden 3s Böen bis 119 km/h gemessen, was hochgerechnet ETWA einem Stundenböenwert von knapp 160 km/h entspricht.Leider kann ich aufgrund der geringen Stationsdichte keine extremeren Angaben machen, das Zentrum schwindelt sich zwischen den Inselstationen durch.




Vor einer Stunde hat das BOM den Zyklon Ului unmittelbar vor der Küste auf Kat 3 und damit als Severe Tropical Cyclone eingestuft. Der Landfall steht unmittelbar bevor,  er wird wie bereits angekündigt um Mackay herum geschehen. Danach sollte sich Ului kontinierlich abschwächen, weil ihm (ihr ?) der Saft, sprich latente Energie ausgeht.




Das Problem wird dann der heftige Regen in Kombination mit Mittelwinden bis 40kt sein,was aufgrund des Übergangs in Stationarität noch einige Zeit anhalten wird.




Ich bin aufgrund von firmentechnischen Ereignissen der letzten Wochen einigermaßen angefressen und mir ist wieder einmal nach einem schönen Stänkerposting.

Da weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll... meiner Meinung nach läuft im Europäischen Wettermarkt sehr viel schief und zu Ungunsten eines fairen Wettbewerbs bzw. einer gesunden, qualitätssteigernden Konkurrenzsituation.  Es fällt mir als zumindest leicht alternativ angehauchter stets leicht über die *Amerikaner* und deren Imperialismus of the second kind zu stänkern, nur nicht beim Wetter. Hier ist Europa in der kartellartigen Steinzeit gelandet und fühlt sich offenbar sehr wohl darin. Nur hier gibt es in der westlichen Welt so schöne Organisationen wie Eumetsat oder Ecomet (Dachorganisation vieler Europäischer staatlicher Wetterdienste zur einheitlichen *Bepreisung*), die dem Steuerzahler viele schöne Dinge, die dieser mit Steuergeldern entweder direkt über Mitgliedsbeiträge der einzelnen Länder oder EU-Mittel bereits finanziert hat, teilweise mit einer Dreistigkeit, die ihresgleichen sucht, nochmal um ansehnliche Summen verkaufen. (Der Grad der Dreistigkeit variiert sehr stark zwischen einzelnen Mitgliedsländern)

Das wäre ja zumindest noch fair, weil für alle gleich streng bzw,. hart, würden nicht einige nat. Wetterdienste im Rahmen so genannter Teilrechtsfähigkeit nicht auch noch selbst veredelte Produkte in die Ökonomie werfen. In vielen Bereichen sind wir die verstaatlichte Industrie im lauf der 80-er und 90-er teils unter Jubelchören losgeworden und grad beim Wetter führen wir sie schärfer ein denn je. Die Angst vor Machtverlust ist schon eine gehörige Triebfeder für dieses Vorgehen, hat aber in modernen Gesellschaftsstrukturen nichts verloren. Die Infragestellung dieser Sonderpositionen ist denke ich berechtigt.

Dass es anders geht zeigen z.B die Vereinigten Staaten oder Australien, hier kann jeder gegen etwas Bereitstellungsgebühr so gut wie alles wettertechnische haben, die nationalen Dienste sind aber dennoch omnipräsent, und das auch zu Recht.

Da kann das ECMWF in 10 Auswertungen besser sein als das GFS Modell, es ist mir das GFS um Ecken sympathischer, weil es frei zugänglich ist und keine Doppelfinanzierung von Nöten ist, mit der ich als Unternehmer auch noch die Dienste finanziell unterstütze, die mir auf dem freien Markt auch noch mit dem selben Produkt Konkurrenz machen. Eigentlich pervers, aber das zu ändern liegt nicht mir und da sind auch schon ganz andere daran gescheitert. Anscheinend haben die Europäer eine Geduld bzw. gerade zu masochistische Veranlagung was Wetter und Wetterdienste betrifft, die ihresgleichen vergeblich sucht.

Damit man mich recht versteht. Diese Stänkerei ist keine Miesmacherei der Leistungen nationaler Wetterdienste sondern richtet sich mehr an die Europäische Politik, die hier wirtschaftsfeindliche  Strukturen zulässt, weniger aus Bewusstsein als viel mehr durch Nicht-Kümmern um einen vermeintlichen Nischenbereich.

Wenn wir schon von Modellen sprechen.. ich hab mir wieder mal Wettertexte verschiedener Dienste, durchgelesen.

Ohne im Detail zu werten, die gigantische Verbesserung der Modelle über die letzten 15 Jahre hat auch sehr negative Seiten, die sich tw. verheerend auf das Dasein von Synoptikern auswirken. War man früher dazu sehr stark angehalten, sich als logisch denkender, erfahrener Synoptiker mit seinem Wissen über die Modelle zu stellen und sie nur als groben Anhaltspunkt für die Prognose zu verwenden, also wirklich Hirnschmalz in einen Wettertext zu stecken, so kann das heute jeder mittelmässige Met. durch Abschreiben von Modellfeldern, Gitterpunktswerten oder MOS Ergebnissen. Das wird einem zunehmend als meteorologische Kompetenz verkauft.... es ist schon fast pervers wie ich aus einem Text leicht erkennen kann, welches Modell da abgeschrieben oder übersetzt wurde.

Wo geht es also hin mit der Zukunft des Synoptikers ? Die letzte Stärke in Mensch gegen Maschine liegt in der Lokalprognose und der Extremwetterprognose und ich habe das Gefühl, dass das auch einige Zeit so bleiben wird.... hoffentlich.

Was ich zur Weltverbesserung tun möchte, ist im Rahmen dieses Blogs eine kleine Serie zu starten, die man mit *Hilfe zur Selbsthilfe*  betiteln kann.. ein Leitfaden in 6-7 Kapiteln, wie man  sich mit den frei zur Verfügung stehenden Daten seine generelle Wetterprognose selbst machen kann und somit nicht mehr auf Wetterfeen, -hexen, -menschen -fuzzis und -fritzen (für die deutschen Leser) angewiesen ist, bzw. die vermeintliche Kompetenz dieser leicht selbst verifizieren oder falsifizieren kann.

Ich denke nicht, dass mit ich der Veröffentlichung dieser Meinung in die Unfairness abgedriftet bin, es ist viel mehr das Reden über etwas über das man in Österreich nicht redet und den meisten eh wurscht ist...

Lg

Manfred

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