Dienstag, 17. November 2009

Schmähführen beim Wetter

Am Heimweg kam es mir in den Sinn, eine zufällige Sammlung der besten mir bekannten "Gschichteln", die rund ums Wetter "gedruckt" werden festzuhalten.

Die erste widme ich meinem Vater: "Im März kommt kein Winter mehr". Falsch, Herr Spatzierer Senior. Massive Kaltlufteinbrüche kann es bis weit ins Frühjahr hinein geben, es hat auch im Mai schon einmal in Wien geschneit.


Bauernregeln: Die meisten kann man getrost vergessen, es gibt aber so genannte Singularitäten, wie die Siebenschläferregel, die Eisheiligen oder die Schafskälte, an denen schon etwas dran ist. Zumindest in Mitteleuropa.

Gewitter: Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen. Teilweise tödlicher Irrtum. Blitzen ist es egal, in welche Baumart sie einschlagen.


Staatsfunk: - Weststurm: In Wien, Niederösterreich und im Nordburgenland.... meist falsch. Gerade bei westlicher Anströmung kann man diese Gebiete nicht in einen Satz verpacken. Der Westwind ist dabei in Wien immer am stärksten, weil es hinter dem Wienerwaldsporn ein Leetief gibt. Richtung Neusiedlersee läuft der Wind dann gegen ein Druckpolster und bremst deutlich ab. Anders bei Nordwest- und Nordwind. Der ist im Burgenland am stärksten, was an der Umströmung der Alpen liegt. Am heftigsten ist der Wind dann im Ödenburger- und Günser Gebirge.

Noch etwas zum Wind in Wien: Der Düseneffekt zwischen Leopolds- und Bisamberg ist nicht mehr als eine schöne Theorie. Bei einem ordentlichen Sturm kommt der Wind egal wo in Wien aus 260 bis 290 Grad, also genau über den Wienerwaldrücken. Nordweststurm (der käme durch den Einschnitt) erreicht nie die Stärke eines Weststurmes.

"Föhn unterdrückt Gewitter": Falsch. Gerade bei sommerlichen Föhnlagen kommt es im nördlichen Alpenvorland zur Bildung besonders schwerer Gewitter. Der Mechanismus ist unklar, Föhnwellen können aber eine Rolle spielen, genauso wie die kleinräumigen, krassen Unterschiede zwischen Föhnluft (trocken und heiß) und Nicht-Föhn-Luft (feucht und warm).

Noch etwas für die Wiener: "Westwind mindert den Regen". Falsch. Gut 80% aller Niederschläge in Wien fallen wenn gleichzeitig Westwind weht (Gewitter ausgenommen). So gut wie alle markanten Starkregen- und Überflutungsereignisse fanden bei West- bis Nordwestwind statt.

Blitze (in einem Buch für Erwachsene gelesen): "Blitze entstehen wenn kalte und warme Winde sich aneinander reiben". Das ist natürlich Topfen. Die Wahrheit ist vielmehr dass bei Blitzen die Prozesse beim Gefrieren von Wassertropfen eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Wirbelstürme: (gelesen in einem Physikbuch - Gerthsen). "In der Atmosphäre gibt es Wirbel. Ziehen sich diese zusammen enstehen Wirbelstürme". Man darf mir glauben, dass der Prozess der Entstehung eines Orkanes oder Hurrikanes weitaus komplexer ist. Annähernd hin, wenn auch nicht die Ursache wiedergebend, kommt die Annahme beim Tornado.

Azorenhoch und Islandtief: Beide sind gängig in der Wetterberichterstattung, real sind sie meist nur in der statistischen Betrachtungsweise, nämlich in der Hinsicht, das der Luftdruck im Jahresmittel an den angegebenen Orten eben tiefer bzw. höher als in der Umgebung ist. Und gibt es im Sommer mal ein richtig schönes Hoch bei den Azoren heisst das noch lange nicht, dass es in Mitteleuropa schön ist. Wahrscheinlich ist dann vielmehr, dass es bei uns eine grausige Nordwestwetterlage gibt.

Gewitter machen an Flüssen halt. Ein Märchen.

"Wettbewerb": Nur wer lokal vor Ort ist kann auch das Wetter lokal gut vorhersagen. Falsch. Die Wetterwarte in Innsbruck sieht nicht besser was im Zillertal passiert als wir es aus Wien tun. Sind halt auch Berge dazwischen. Wichtig ist vielmehr, dass die jeweiligen Meteorologen gut um das regionale Wetter Bescheid wissen und die Wettermodelle kritisch hinterfragen können. Von wo aus sie das tun, ist egal.

Sollten mir noch mehr dieser "Gschichteln einfallen", werde ich das Post erweitern.

BG

MS

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