Montag, 10. Januar 2011

Warmfronten an die Macht: Nass in der zweiten Wochenhälfte, aber im erträglichen Rahmen

Hallo,

um das Wichtigste vorwegzunehmen, die beiden prominenten Modelle, ECMWF und GFS haben sich in der Betrachtung der Wetterlage zur Wochenmitte einander angenähert, das ECMWF hat die regenmengen ein wenig nach oben, das GFS nach unten korrigiert. Im Rahmen dieses Blogeintrages können wir also die kommende Wetterlage aus dem Bereich der Speckulation hinein in die kurzfristige Wetterentwicklung transferieren.

Die aktuelle Lage:



An der aus Westen über den Alpenraum ziehenden Frontalzone hat sich südlich der Alpen ein Subtief entwickelt, die östliche Alpennordseite liegt dabei in der Sumpfzone zwischen den Aktivitätszentren im Norden und im Süden. Etwas mehr Dynamik bekommt in den kd. 24h der Süden Österreichs ab, da hier das Tief über Oberitalien mitmischt, und lokal die Niederschlagsaktivität verstärkt. Hier, wie auch im ganz im Westen könnten sich in den kd. 24h einige Schneeflocken bis in die Täler verirren. Verirren ist hier wörtlich zu nehmen, den aufgrund der sich anbahnenden Wetterlage haben sie dort eigentlich nichts zu suchen und sind nur kurzfristige Gäste..

Am Dienstag Abend erfolgt von Westen her schon der Aufzug des *schwachen* Systems, das derzeit noch westlich von Irland liegt in Form einer mäßig ausgeprägten Okklusion.  Die Schneefallgrenze liegt dabei vor allem in der Nacht auf Mittwoch in vielen Tälern.

Die dicke Berta folgt aber auf dem Fusse:


.. dick, weil die heranziehende Warmfront eine markante Erwärmung der Luftmasse kennzeichnet, Berta, weil Warmfronten unter Meteorologen gerne als *träge* typisiert werden, ein Vorurteil, das zu Unrecht besteht.

und sie bleibt bis Donnerstag wetterbestimmend, mit mehreren Schlenkern.


In den neueren Läufen verteilen die Niederschlagsmengen entlang der Alpennordseite etwas gerechter, durch die regionale Auffächerung ist nach jetziger Sicht nicht mehr von 100L/m² auszugehen, sondern substantiell weniger, etwa im Bereich 50mm zwischen Bregenzerwald und Phyrnregion, womit die Flüsse zwar rapide ansteigen würden, aber nur im ungünstigen Falle gröberes passiert. Näheres kann man dann ab Dienstag sagen, wenn Lokalmodelle für diese GWL vorliegen.

Interessant der Blick auf die Höhenströmung am Donnerstag:


Das sieht für das halb geschulte Auge denkbar harmlos aus, man würde keine nennenswerten Niederschläge im Alpenraum vermuten. Warum nicht ? Die teils kräftige Höhenströmung ist antizyklonal gekrümmt, Österreich liegt an der Vorderseite eines Keiles mit Achse von Spanien bis Benelux. Gemeinhin würde man hier Absinken annehmen.

Hinter dieser Annahme steckt aber meist nur die halbe Wahrheit. Aufgrund der physikalischen Kopplung von Temperaturfeld und Strömungsfeld kann man schlußfolgern, dass so gut wie jede Warmfront in einem antizyklonal gekrümmten Strömungsfeld liegt. Schaut euch am Dienstag am Abend den Satellitenloop im ZIB Wetter an, der wird lehrreich sein und diese Aussage untermalen. Ob der Rest des Wetterberichts nötig sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Viele Warmfronten bringen auch Regen, diese hier wird es kräftig regnen lassen, also kann eine antizyklonale Krümmung alleine kein Hinderungsgrund sein. Man muss auch das Scherungsfeld beobachten, denn durch Advektion von pos. Scherungsvorticty plus der Advektion wärmerer Luft kann man die Faustformel zur Entscheidung ob die Luft absinkt, oder aufsteigt dann doch wieder einigermaßen anwenden. Die Scherung bringt nämlich durchaus Felder mit PVA zusammen, siehe die entsprechende Mittwochskarte:


Und ein schöner Jet liegt auch im Bereich der Warmfront....


(Ja, Kritiker, ich weiß, dass da ein paar ganz kleine Fuzziwellen in der Strömung sind, das ist bei derart hohen Geschwindigkeiten kaum zu vermeiden und diese Wellen sind teils hebungsaktiv, dennoch bleibt's eine Warmfront ;)

Eine regionale Einschätzung der Regenmengen werd ich morgen wagen, im Akutfall könnt ihr dann auf www.uwz.at nachsehen, die Kollegen haben die Lage vorhersagetechnsich  im Griff.


Und, um es abzuschließen, für eine Umstellung der GWL auf kühlere Muster muss man mindestens gut weitere 10 Tage einplanen, vorher dürft sichs nicht ausgehen, und ob sichs dann ausgeht, steht auch in den Sternen ;)

Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Für meine ehemalige Heimat Unterfranken bzw. für Franken allgemein schaut es ziemlich düster aus. Ein weiteres Starkregenereignis dieser Größenordnung, wie sie sich abzeichnet, hat es die letzten 16 Jahre nach einem starken Hochwasser noch nicht gegeben.

    Die (mittelalterlichen) Altstädte von Wertheim, Miltenberg und Obernburg sind entsprechend gefährdet.

    Leider wird man darüber in den Medien wieder kaum etwas erfahren, da Rhein und Mosel prominenter sind.

    Gruß,Felix

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  2. Felix, im deutschen Fernsehen wurde über diese Gegend heute Morgen - auch mit Video - berichtet. Speziell in Wertheim dürfte die Lage ziemlich arg sein.

    LG Sabine

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !