Donnerstag, 11. November 2010

Sturmtief Carmen rupft am Freitag auch Österreich ...

Hallo,


Tief Carmen ist mittlerweile zu einer reifen und und ruppigen Dame herangewachsen, wie man am fortgeschrittenen Okklusionsprozess auf dem aktuellen Satellitenbild gut erkennen kann. 2 Begriffsbelege dazu ..

Warum *Carmen* ?

Die Kollegen aus Berlin führen seit Jahrzehnten taufen von Hochs und Tiefs durch:



Warum Sturmtief und nicht Orkantief ?

Nun der guten Carmen fehlt (zum Glück für Irland) noch etwas Schmackes dazu:


Wie man der Skala sehen kann, sollten die Mittelwinde auch zur stärksten Phase morgen nicht Orkanstärke erreichen (122 km/h im Mittel und mehr), wohl aber schwere Sturmstärke (um die 100).
Gut. Nach Österreich. In meinem letzten Posting habe ich noch vom verhinderten Sturm am Freitag gesprochen, gleichzeitig aber auch auf die Sensibilität der Konfiguration hingewiesen. In den neuesten Simulationen hat sich eine Kleinigkeit geändert, die das Thema Sturm für Teile Österreichs doch wieder sehr interessant werden lässt. Das liegt an Carmen's Kaltfront. Anbei eine Abfolge von Feldern des thermischen Frontparamters, mit der eingezeichneten Interpretation in Warm, Kaltfronten und Okklusionen:




Wir sehen, dass gegenüber den Prognosen von vor 2 Tagen die Kaltfront bis Freitag Vormittag doch den Alpenhauptkamm erreicht und nicht nördlich von uns verweilt. Und genau dieser Frontdurchgang gestaltet die Sache nun spannend.

Wir gehen ins Detail, und zwar in die frühen Freitagsstunden:



Über dem nordwestlichen Kartenausschnitt über Bayern ist die Kaltfrontlinie anhand des Windsprunges von Westsüdwest auf Westnordwest gut zu erkennen. Unmittelbar vor der Kaltfront liegt ein sehr schmales frontparalleles Sturmfeld. Aufgrund der Boden- und Höhenwindsituation können in diesem Bereich, der von der Ostschweiz über den Bodensee weiter quer über Bayern bis nach Tschechien ragt unter Umständen Böen von größer 100 km/h auftreten, direkt beim Frontdurchgang. Die größte Wahrscheinlich hierfür in Österreich besteht im Flachgau, Innviertel, Mühlviertel sowie am Rohrspitz am Bodensee.

Ohne die Front und mit einer Konfiguration wie noch vor 2 tagen prognostiziert wäre man kaum über 60 km/h gekommen .. so aber... immerhin !

Weiter nach Osten hin nimmt die Windstärke rasch ab, im Osten wird nichts besonderes geschehen. Hinter der Kaltfront lässt der Wind dann rasch nach, es bleibt aber in der einigermaßen gut durchmischten kühleren Luftmasse den ganzen Tag recht ruppig mit verbreiteten Böen um 60 km/h.



In der Nacht auf Samstag überschreitet die retrograde Front von Südwesten her wieder Österreich und leitet ein sehr sehr mildes Wochenende ein.

Zusammenfassend: Bayern großflächig von Böen an die oder knapp über 100 km/h betroffen, und zwar ab Freitag Mitternacht. In Österreich am stürmischten bei Kaltfrontdurchgang Freitag in der Früh mit möglichen Böen (Bodensee, Flachgau, Mühlviertel) zwischen 70 und 90 km/h, einzelne um 100 theortisch nicht ausgeschlossen, aber recht unwahrscheinlich. Im Waldviertel teilweise auch bis 80, 90 km/h. Tagsüber dann allgemein Windabnahme, aber kräftige Böen um 60 km/h. Wien kriegt nix.

Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Danke für die wie immer sehr informative Zusammenfassung zum stürmischen Ereignis. Sehr interessant wie unterschiedlich die Windspitzen ausfallen werden.
    Nach der Action am Wochenende scheint ja vorerst mal Ruhe einzukehren, aber kein Grund zur Klage nach fast zwei Wochen Abwechslung.
    Servus, Michaela

    AntwortenLöschen
  2. Naja und vom Winter immer noch keine Spur selbst im Gfs bis zum Ende November. Es könnte sich eine Hochdruckzone über Nordeuropa und Russland nächste Woche bilden, aber ob es bis zu uns Kaltluft schickt ist sehr unsicher.
    Ciao, Paul.

    AntwortenLöschen
  3. Würde Nordföhn mit kaltfrontdurchgang im inntal nicht ausschließen wollen, auch dort dann Böen 90 bis 100 km/h denkbar. In Wien nur mit sehr unwahrscheinlichem fall eines kaltfrontdurchgangs ebenfalls signifikante Böen.

    gruß

    AntwortenLöschen
  4. carmen könnte eine "sukzessorin" bekommen - in der nacht auf samstag mit einem breiten warmsektor und engem isobarenabstand. vielfach wirds an der durchmischung fehlen, aber beispielsweise für münchen ist das eigentlich die klassische sturmlage. und in der zweiten nachthälfte/samstagfrüh könnt sichs mit einem kurzlebigen leetrog auch für wien ausgehen, eh sich die strömung zu sehr aufsteilt und der novembrige südost das frühlingsmärchen beendet

    gruss michel

    AntwortenLöschen
  5. der leetrog ist sehr markant ja, vor allem die temperaturgegensätze in 850 beeindruckend. auffallend sind die höheren mittelwinde am boden bei der nachfolgenden welle. der isallobarische gradient redet da offensichtlich ein wörtchen mit, denn wie du schreibst ist es ja sehr stabil im warmsektor und es besteht demzufolge eigentlich kein grund fürs runtermischen. für ein weitres sturmtief ist aber die baroklinität vmtl. zu klein.

    AntwortenLöschen
  6. ich kann doch nichts dafür! :-(

    lg,
    carmen

    AntwortenLöschen

Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !