Montag, 13. Dezember 2010

Kaltluftsumpf

Hallo,

ich hab mir heute wirklich etwas schwer getan, etwas Interessantes oder Besonderes beim mitteleuropäischen Wettergeschehen zu finden. Eine Kleinigkeit hab ich dann doch gefunden...

die aktuelle Lage:


Weite Teile Europas befinden sich unter einem Höhentief, das mittlerweile schon recht zahnlos geworden ist, dem entsprechend schwach sind auch Frontsignale ausgeprägt. Mehr Dynamik herrscht noch östlich des Bildausschnittes über dem Schwarzen Meer, wo sich rege Wellentiefs bilden werden.

Recht schön zu sehen ist der Stau an der Alpennordseite mit weiter andauernden mäßigen Schneefällen, und eine Okklusion nordöstlich von uns, die uns morgen erwischen wird und ein paar mehr Flocken auch ins mittlerweile grüne Fachland bringen wird.

Das für mich interessanteste habe ich in den Simulationen der Höhenströmung der nächsten Tage über Zentraleuropa gefunden:



Ausgehend von der aktuellen Situation sieht man, wie sich der Kern des Höhentiefs in den nächsten 72 Stunden über uns hinweg bewegt und wir lange Zeit im ganz ruhigen Kernbereich bleiben.

Für das Auge kaum sichtbar bewegen sich aber zahlreiche Kurzwellentröge um das Zentrum  herum, diese hinterlassen aber in den Feldern der Vorticityadvektion eine deutliche Spur.

Besonders schön zu sehen ist dies im Nordostquadranten des Ausschnittes, wo man zu Anfang gleich mehrere Wellenzüge (bandförmige PVA gefolgt von bandförmiger NVA) von Ost nach West wandern sieht.

Weiters kann man daran einen Spezialfall der Lösung der stark vereinfachten Vorticitygleichung visualisieren. Der sagt nämlich, dass sich Zentren der Vorticity, so genannnte Vorticitymaxima oder Minima, genau mit der zu der Zeit herrschenden Strömung verlagern. Wenn man das ein paar mal übt kann man aufgrund eines einzigen Blickes auf die Höhenströmungskarte feststellen, in welche Richtung sich Kurzwellentröge und Keile verlagern, bzw. in welche Richtung sich die mit diesen verbundenen Bodentiefs und Hochs verlagern.

Zum Ende hin angedeutet sieht man aus Nordwesten den neuen Trog hereinkommen, der allen Spekulationen über weiße Weihnachten auch im Flachland derzeit noch einen dicken Strich durch die Rechnung macht.





Die Vorticitymaximumaussage von vorher auf das erste der drei Bilder anwendend kann man schon aufgrund dieses Bildes sagen, dass dieser Trogvorstoß nicht nach Kontinentaleuropa weisen wird.

Das geschulte Auge erkennt das VortMax in der 500-er Höhenströmung etwas östlich von Island, wo die Strömung direkt nach Süden weist. Dem entsprechend verlagert der Komplex seinen Schwerpunkt zu den Briten und Iren, Europa gelangt an seine milder werdende Vorderseite.

Ich denke, das ist in etwa die Situation mit der wir zum Beginn der kommenden Woche konfrontiert sein werden, und die eine Abschätzung ob wir mit einem Fortbestand des kalten Wetters oder tendenziell mit durchgreifender Milderung zu rechnen haben, auch nicht gerade einfacher oder fundierter macht. 

Lg

Manfred

Kommentare:

  1. Danke Manfred für deine Mühe, eine Erläuterung fürs kommende Geschehen in der Wetterküche - wenn Wetter so einfach wäre, müssten wir auf fundierte Kommentare deinerseits verzichten :-)

    mfG
    birgit

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  2. Hi!
    Und wieder auf ein neues massig dazu gelernt, iss echt immer wieder ein Genuss deine Beiträge durch zu studieren und vor allem zu begreifen.
    Freu mich jedesmal wieder wenns was neues gibt und es muss wirklich nicht immer nur von der derzeitigen Lage handeln, Hauptsache Informativ interessant und amüsierend, und des is es mit Sicherheit!!

    Mit besten grüssen ausm Oö Alpenvorland
    Chris Maier
    Ps Da gabs doch mal so ein Thema,... Linux User ;-)

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  3. Danke für die Lorbeeren ... :) An das Thema *Linux kann ich mich nicht mehr ganz genau erinnern ... bei an die so 300 Blogeinträgen, manche davon nicht unbedingt nüchtern verfasst, ist das aber verzeihbar, oder ? ... Meine Meinung ist jedenfalls recht klar... mir kommt kein Windows mehr ins Haus.. und auch nicht in die Firma. Ohne Konsole fehlt mir etwas....

    Lg

    M.

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !