Mittwoch, 15. Dezember 2010

Kurze Nachbetrachtung zum vergangenen Schneefall

Hallo,

die Nachrichten waren ja heute wieder voll mit Meldungen über das Verkehrschaos im Osten, verursacht durch die jüngsten Schneefälle (das nicht die Schneefälle daran schuld waren, sondern die Autofahrer ist eine andere Geschichte...). Und ja, tatsächlich, gerade im Wiener Raum ist der Schneefall beinahe überraschend ergiebig ausgefallen. Die Meldungen bis heute Abend rangieren zwischen 25cm am Wienerwaldhang und 2cm Richtung Schwechat.

An sich hatten die Modelle die Ergiebigkeit und Verteilung recht gut im Vorhinein simuliert:


.. die Verteilung der Schneemengen ist aber dann doch einen zusätzlichen Kommentar wert. Die Großwetterlage, die zu diesem Ereignis führte ist an sich nicht unbekannt, eine alte Okklusion, die um ein Höhentief herum aus Norden zu den Alpen geführt wird:

Dabei waren in tiefen Luftschichten sehr kalte Luftmassen involviert:


.. und im Radiosondenaufstieg der letzten Nacht sieht man recht , aber nicht allzu,  feuchte Luft aus Norden hereinströmen, die bis zur mittleren Troposphäre reicht..


Die tiefen Temperaturen haben zu Folge, dass selbst Wolken, die nur in 2000m Höhe ziehen, substantiellen Niederschlag produzieren können (die ominöse minus 14-Grad Grenze für Vereisung von Wolkentröpfchen). Daß diese Wolken nicht sehr mächtig waren konnte man schön daran sehen, dass während des Schneefalls oftmals der Mond, zeitweise auch die Sterne sichtbar waren.

In diesen tiefen Schichten gab es sehr starken Nordwestwind, bis zu 40 Knoten....

Der Clou im Wiener Raum war dann doch der, dass der Niederschlag zwar hauptsächlich im Stau des Wienerwaldes, also da irgendwo Richtung Tulln produziert wurde, der starke Wind diesen vergleichsweise langsam fallenden Schnee doch kilometerweit nach Südosten Richtung Wien verblasen hat, bevor die Chaosflocken den Asphalt erreichten. Darum auch das Maximum in den Nordwestbezirken und das Minimum bei Schwechat. Noch weiter nach Süden und Osten hat es dann gar nicht mehr geschneit. Auch weiter im Norden, im Weinviertel, dort wo ein Berg oder ähnliches Stau produzieren konnte, fiel deutlich weniger, denn wo nix produziert wird, kann auch nix verblasen werden.

Ein weiteres interessantes Zentrum des Schneefalls lag am Bodensee, wo der Lake-Effekt letztendlich doch mit einigen kräftigen Schneeschauern und etlichen cm Neuschnee zugeschlagen hat, was auch im ARW so vorgesehen war.

Man könnte es so zusammenfassen, mit einer Portion *Glück* macht auch Kleinvieh (alte Okklusion, mäßig feuchte Luft) ordentlich Mist.

Zum Weihnachtswetter habe ich kaum etwas hinzuzufügen ;)

Ich habe fertig

Lg

Manfred

4 Kommentare:

  1. Wobei ein gehöriger Gradient zwischen Monte Laa bzw. Zentralfriedhof und Schwechat vorliegt, denn im 10. und 11. Bezirk waren es ebenfalls rund 10-15 cm pulvriger Neuschnee.

    An sich kann man bei den niedrigen Temperaturen den Faktor 2-3 bei den RR-mm der Modelle draufpacken, die rechneten aber 10-15 mm (!), also deutlich eine Überschätzung, jedenfalls die Lokalmodelle. Was wiederum das bestätigt, was Janek Zimmer (Erfinder von WRF-Leipzig) kürzlich mal schrieb, dass die WRF-Modelle zur Überschätzung von Winterniederschlag neigen.

    Gruß in die Nacht vom tief verschneiten Laaer Berg, kumuliert ca. 55 cm Neuschnee seit 27.11., des is oarg...

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  2. Hallo,

    auf Basis der aktuellen Paper von Case Studies u.ä kann man vielleicht das folgende grob zur ARW-Familie zusammenfassen:

    Orografische Niederschläge sind etwas zu direkt an das Terrain gebunden

    Die nicht postprozessierte 2m Temperatur hat eine Art Bias, kappt Sitzen und dämpft Minima

    Der Bodenwind greift zu stark .. insgesamt wird also die Grenzschicht als zu *schwach* simuliert.

    Lg

    M.-

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  3. Wie darf man folgenden Satz verstehen:

    >Die nicht postprozessierte 2m Temperatur hat >eine Art Bias, kappt Sitzen und dämpft Minima

    Sehr tolldreist von Dir bezüglich der Temperaturen nächste Woche so viel Sicherheit zu versprühen, die Modelle und Wetterdienste sind sich in Summe noch äußerst uneinst - ich verweise mal wieder auf die Unterschiede bezüglich der Temperaturprognosen für Anfang kommender Woche bei orf/zamg und wetter.tv
    Wer wird gewinnen? ;)

    Servus,
    Michaela

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  4. Hallo Michaela,

    wenn man sich Modell-Temps von z.B GFS und EZ ansieht, sieht man, dass sich der Parameter der 2-Meter Temperatur sehr stark von der Temperatur auf der passenden Druckfläche auf Oberflächenniveau unterscheidet, dh. die T2m wird postprozessiert und es werden Grenzschichteigenschaften hineingepackt, so auch beim Wind, soweit ich die Papers verstanden habe.

    Auf diese Grenzschichteigenschaften wird beim ARW nicht so viel Wert gelegt, sodaß mehr Eigenschaften der freien Atmosphäre auch in den Bodenparametern vorhanden sind, dies muß man bei der Interpretation der Modellfelder berücksichtigen.

    Und.. tolldreist bin ich nicht, denn man darf sich von einzelnen Modellläufen nicht verrückt machen lassen. Ich texte *nur* das Meta-Konzept der Großwetterlage nächste Woche, und dieses scheint nicht mehr kippen zu können. Ob es dabei am 23. oder erst am 25. einsetzendes Tauwetter in den Niederungen gibt, ist dafür irrelevant :) Ein Unsicherheitsfaktor ist, und das gebe ich zu, die Stärke einer Inversion bzw. wie lange es braucht bis die bodennahe Kaltluft von Südosten her erodiert oder allmählich angewärmt wird. Beim letzten vergleichbaren Fall vor 1,5 Wochen haben wir gesehen, dass das sehr schnell gehen kann, nächste Woche könnte es etwas länger dauern.

    Lg

    Manfred

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