Montag, 8. November 2010

Mai im November .. Jugo-Wassermassen und dünne Luft..

Hallo,

gleich mehrere interessante Details gibt es bei der Wetterentwicklung in der jungen neuen Woche zu behandeln ....

Die Lage:



Quer über den Alpen liegt eine verwellende Frontalzone, ein Sturmtief liegt mit seinem Kern westlich von Irland und wabert langsam weiter nach Südosten..


Bis heute Abend wird das Stuumfeld des westlichen Tiefs weite Striche der südwesteuropäischen Küsten erfassen....

An der Vorderseite des nunmehr verschmolzenen Tiefdruckkomplexes weht warmer Wind aus Nordafrika über das Mittelmeer nordostwärts und trifft auf die Südwestküsten Italiens und des Dinarischen Gebirges. Dieser Wind wird in Dalmatien und südwarts davon Jugo genannt, was sich zu nichts anderem als Südwind übersetzt.  Der zyklonale Jugo ist der Regenbringer an der östlichen Adriaküste und verantwortlich dafür dass von Zadar bis Albanien im Jahr durchschnittlich deutlich mehr als 1500mm Regen zusammenkommen, in Extremlagen, wie z.B rund um Dubrovnik sogar nahe 5000mm.

Bis Donnerstag werden in der Region teils 150-400mm Regen fallen, was kein verachtenswertes Ereignis ist:



Ob das zu verbreiteten Problemen führen wird, ist eine andere Frage, denn der Karst führt das Wasser über die zahlreichen Risse und Spalten rasch ab.


In Österreich hät sich das Ereignis bis auf die Gailtalregion in Grenzen, rekordverdächtig ist ein anderer Parameter... der Luftdruck !



Der reduzierte Luftdruck fällt wahrscheinlich in weiten Teilen des Landes unter 980 hPa, was seit Tief Martin im Dezember 1999 nicht mehr der Fall war. Die Luft wird also rekordverdächtig dünn :D (einer der leistesten und unauffälligsten Extremwettererscheinungen die man sich vorstellen kann ;)

Hier der Martin (Wien damals bis zu 45cm Neuschnee in 12h) :



Rekordverdächtig (warm) dann allerdings die weitere Entwicklung nach der Wochenmitte... nach Auflösung des Tiefkomplexes über Europa ab Mittwoch gelangt der Alpenraum südwestlich einer straffen Frontalzone quer über Europa in eine straffe Wsetsüdwestströmung mit der subtropische Luftmassen vom südlichen Atlantik zu uns gebracht werden ...


Viel wärmer geht es im November gar nicht. Unter Föhneinfluss können die Maximalwerte bei so einer Lage an die 25 Grad steigen....



Die Ensemblerechnungen des GFS zeigten teils Extremsimulationen bis an die 15 Grad in 850 hPa, was selbst für den Juli überdurchschnittliche Werte darstellt.

Diese Extremsimulationen stehen im Einklang mit einem dafür oft verantwortlichen nordhemisphärischen Zirkulationsmuster:

Zwar ist zu sehen, dass der Wirbel gut ausgeprägt ist,  allerdings eine deutliche Längsachse vom Mittelatlantik bis auf die andere Seite der Nordhalbkugel, nach Ostsibirien aufweist, also entlang dieser Achse gestreckt ist. Entlang der anderen Halbachse, von Mittelsibiren bis rüber in den Westen der USA ist der Wirbel gedepscht bzw. gestaucht.

Damit gerät Europa tendenziell auf warme Tiefvorderseiten, solange bis diese Achse verschwindet oder weiter nach Osten wabert.


Lg

Manfred

3 Kommentare:

  1. Interessant und aufschlußreich wie immer. :) Was mich jedoch ein wenig verwirrt - in den bisherigen Wetterprognosen für Wien ist wenig von dem kleinen Hitzepeak im November zu bemerken, die Temperaturen pendeln lt. den Prognosen zwischen 12 und 14 Grad. Scheint also ein rein auf die Höhe bezogenes Sommerlüfterl zu sein, oder?

    Servus, Michaela

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  2. Hallo Michaela,

    wenn ich auf unsere eigenen Prognosen zu sprechen kommen darf. Da steckt immer auch ein stückweit Statistik mit drinnen. Und Statistik reagiert skeptisch auf extreme Entwicklungen in den Modellen und schraubt gerne etwas zurück, speziell nach hinten hinaus.

    Was Wien angeht, so ist es z.B am Wochenende bei der aussergewöhnlichen Höhenwärme die Frage, ob sich der warme Südwest oder Südwind auch in den Niederungen durchsetzen kann oder ob die Inversion hält. Die Frage ist derzeit noch offen.

    Ich sage es mal so, sollte die Inversion klein begeben, wird es in den Niederungen sehhhhhhhhhhhhr warm .... sind aber noch ein paar Tage hin ;)

    Lg

    Manfred

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  3. Die stärkste Erwärmung seh ich bei Westföhn wie am Donnerstag und Freitag, auch in Innsbruck, dort dann besagte 25 Grad möglich. Im Gegensatz zu Nord- oder Südföhn ist die Luft, die leeseitig absteigt, potentiell relativ warm (kein klassischer Kaltluftsee) und die Luft steigt auch von sehr weit oben ab (bei Arlbergföhn > 2800 m), am 18.3.2007 gabs in Innsbruck +22,3 bei Westföhn, am Tag darauf ein Maximum von +1,0 nach Kaltfrontdurchgang. Das war schon sehr beeindruckend.

    Westföhn produziert außerdem die schönsten Lentis im Inntal, da die Leewellen längssseits des Inntals am weitesten ungehindert schwingen können. Dafür ist er vom Wind her im Inntal unauffällig (es gibt einfach einen starken Temperaturanstieg), während er im Wiener Raum bekanntlich sehr kräftige Böen bringt.

    Ach Wetter ist schon *geil*, besonders das Alpenwetter...

    Das nur als Ergänzung und schöne Grüße übern Teich,
    Felix

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !