Donnerstag, 27. Mai 2010

26.5: Schwerer Unwettertag, Funnel, Tornado + Überschwemmungen

Hallo,

heute muss ich mich im Ton etwas zurücknehmen. Wie die meisten den Medien entnommen haben, war der 26.5 in Österreich ein spektakulärer aber auch tragischer Unwettertag.  Eine Frau ist in der Buckligen Welt in einem reißenden Bach ums Leben gekommen, ein Mann ist aufgrund der Aufregung um eine mögliche Überflutung seines Hauses an einem Herzinfarkt verstorben. Schwer betroffen waren Niederösterreich (Bucklige Welt sowie Hollabrunn und Wien Umgebung), das Burgenland (Bezirk Oberpullendorf) und auch in Teilen Salzburgs und Oberösterreichs kam es zu schweren Gewittern. Vor den Toren Wiens gab es vermutlich im Bereich einer kleinen, giftigen Zellen einen Tornado mit Touchdown in Klosterneuburg-Kritzendorf.

Hier zum Überblick einmal die Animation der Radarechos und der registrierten Blitze:


Radar:




Blitz:







Zwei dieser Ereignisse, den (wahrscheinlichen) Tornado in Kritzendorf mit Funnelcloud über Wien, sowie das Unwetter im Grenzgebiet Niederösterreich-Burgenland nehme ich mir zur heutigen Besprechung heraus.



Beginnen wir nordwestlich von Wien. Gegen Mittag bildete sich in der Region des Manhartsberges ein Gewitter, das sich superzellenartig entwickelte und Südostkurs Richtung Wien nahm. Im Bereich Hollabrunn gab es Schäden vermutlich durch Downbursts, aber auch hier sind andere Phänomene nicht ausgeschlossen.


Die Zelle, es handelt sich um eine Einzelzelle, ist gestreckt und weist am Südrand einen scharfen Gradienten aus, was 2 Superzellenmerkmale auf Radarbildern sind.

Im weiteren Verlauf verkleinert sich die Zelle deutlich, die superzellige Erscheinungsform bleibt aber im wesentlichen bestehen, bis die Zelle bei St. Andrä-Wördern nur noch wenige km vor Klosterneuburg steht.







Das letzte Bild stammt nun vom dem Zeitpunkt des wahrscheinlichen Touchdowns. Kritzendorf befindet sich am scharfen Südwestrand der kleinen Zelle, dort wo man bei dem herrschenden Scherungsprofil den Aufwindschlauch vermuten würde.

Hier ein Video von Barbara Mölcnik, via orf.at





Im weiteren Zug über Wien wurde dann von mehreren Beobachtern die Funnelcloud (Trichterwolke) fotografiert und gefilmt. Zu diesem Zeitpunkt kann man über einen möglichen Bodenkontakt anhand der Bilder nur spekulieren.


Die Aufnahme stammt vom Skywarn-Poster Stefan Hofer, der gesamte Thread und seine anderen Bildern können unter diesem LINK zum Forum von Skywarn Austria bestaunt werden.

Mein Kollege Steffen Dietz hat vom 5. Bezirk aus folgendes Foto geschossen:


UWZ-Meteorologe Martin Puchegger hat das ganze von unserem Firmensitz in der Dresdnerstrasse gefilmt: siehe Video auf unserer Facebook-Seite

Dieser Fall lehrt uns eindrücklich, das Superzellen nicht groß sein müssen, sondern auch auf kleinem Raum sehr giftige Strukturen entwickeln können.


Die nächste Zelle, die ich besprechen möchte entwickelte sich ab 13/14 Uhr über dem Südöstlichen Niederösterreich, der Buckligen Welt.

 




Die Zelle bewegte sich nur sehr langsam und regenerierte sich auch immer wieder, sodass es an einigen Orten über 2 Stunden hindurch schüttete und hagelte.

Die UBIMET Wetterstation Hollenthon, am scharfen Rand der Zelle gelegen, registrierte binnen 30 Minuten 61 Liter Regen pro Quadratmeter, das Zentrum der regenfälle lag aber wie die Radaranalyse andeutungsweise zeigt, noch weiter im Südosten, an der Grenze zum Burgenland, südlich der Ortschaft Landsee.



Die roten Zahlen markieren die Messwerte der Wetterstationen für den Regen über den Verlauf von 3 Stunden.

Im Zentrum des Kernes die burgenländische Ortschaft Karl, an der Verbindungsstrasse von Oberpullendorf nach Kirchschlag.  Aber auch die Bezirkshauptstadt selbst war in Mitleidenschaft gezogen.

Vor dem einsetzen des Regens besteht auch in der Nähe von Hollenthon der Verdacht, dass ein Tornado kurz existiert haben kann, wie die Webcambilder der UBIMET Wetterstation zeigen.




Es könnte hier ein kurzer Touchdown mit Aufwirbelungen zu sehen sein, es könnte sich aber auch nur um einen aufgewirbelten Nebelfetzen handeln, nähere Erkenntnisse können wiederum nur Untersuchungen am Ort des vermeintliche Touchdowns bringen.

Im Bereich Österreich Bayern wurden mehr als 45.000 Blitze (Boden und Wolke) registriert
:

Alle Blitze und Hagelparameter


Bodenblitze


Wolkenblitze


Auch in Innsbruck gab es ein kräftiges Gewitter, das von Blogkollegen Clemens dokumentiert wurde, nachzulesen hier... Alpenwetter-Blog

Eine beeindruckende Superzelle zog auch über Niederbayern, wie dem leser bei betrachtung des von mir geposteten Radarloops sicher aufgefallen ist. Dazu hat der Hagelwalter in der Wetterzentrale einige geniale Bilder gepostet.. LINK HIER


Ein wettertechnisch höllischer und spannender Tag war dieser 26.5, ich bin gespannt auf weitere Untersuchungsergebnisse bezüglich der Klosterneuburger Tornados und des Verdachtsfalles in Hollenthon.

Zur Info noch: Zwischen 13:30 und 15:30 haben irgendwelche Schweine mit einer DDoS Attacke unsere UWZ in die Knie gezwungen.. das wird für die Culprits ein Nachspiel haben.

Lg

Manfred


Quellenangabe: Radar by Austrocontrol, Stationen by UBIMET bzw. zamg, Blitze by UBIMET, Bilder und Videos nach Quellenangabe beim Objekt.

Kommentare:

  1. zu Mannhartsberg Entwicklung Zelle:

    Sichtung: Beginn der Zelle über Kamptal
    Standort: Langenlois Blickrichtung Norden bzw. Kamptal/Gars am Kamp:

    26.5.2010 Uhrzeit 12.20:
    Dunkle, tief hängende Wolken die ca. südlich bis Schönberg am Kamp reichten (also eh im Bereich des des Mannhrtsberges). Westlich reichten die Wolken bis ca. Gföhl. Blitze nicht sichtbar, nur ein leichtes Donnergrollen in Abständen größer von 3-5 Minuten. Zugbahn der Zelle war (wie im Bericht oben sichtbar) Südöst.
    Zentrum der Zelle war meiner Beobachtung nach genau über Kamptal oberhalb Schönberg am Kamp.

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  2. Hallo Manfred!

    Der Touchdown in Klosterneuburg war nicht in Kierling, sondern im Bereich Klosternburg St. Martin bis Kritzendorf, grob entlang der Landesstraße Klosterneuburg-Kritzendorf-Höflein. Kierling liegt schon im Wienerwald, genau in der 1. Taleinkerbung unterhalb der Wienerwaldausbuchtung nach oben.

    LG Nadja/Skywarn Austria

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  3. Hi Nadja,

    danke für den Hinweis, ist ausgebessert.

    Irgendwie ein Freudscher Verschreiber.. Kierling ist sehr lautmalerisch.... KKKlosterneuburg ... KKKritzendorf ... KKKierling ... viel mit K in Klosterneuburg !

    Danke&lg

    Manfred

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  4. War dieses Ereignis vorhersehbar?

    Ich meine nein. Statistisch gesehen bringen nur 10 % der Superzellen auch Tornados hervor, in diesem Fall evtl. 2 Tornados aus derselben Zelle, Hollenthon ist ja noch nicht gesichert.

    Ohne Dopplerradar ist es dann sehr schwierig, sogenannte TVS (tornado vortex signatures) zu erkennen.

    Die Scherung war sicherlich imposant, aber a priori war dieses Tornadoereignis SO nicht vorhersagbar.

    Gruß,Felix

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Da kenntat ja jeder kumman ...! Dennoch ... Hier ist Platz dafür :) !