Sonntag, 23. Mai 2010

Wie hängt die Volkswirtschaft vom Wetter ab ?

Hallo,

zunächst einen schönen Pfingstsonntag wünschend, entferne ich mich heute mal vom aktuellen Wettergeschehen und meteorologischen Phänomenen im Detail, sondern möchte die Verquickung der modernen Gesellschaft mit dem Wetter, unabhängig vom Klimawandel beleuchten. Da tut sich Unheimliches auf...

Früher, in der guten alten Zeit, war es so, dass man durch die Bank das Wetter bei allen Überlegungen so genommen hat wie es halt kommt. Hauptsächlich deswegen, weil man nur sehr beschränkte Möglichkeiten hatten, den Wetterverlauf zu prognostizieren.

Wenns geregnet hat, stand die Baustelle halt still, solange bis es wieder ging. Zeitgleich geschahen in den 60-er Jahre 2 Dinge, die sprichwörtliche Globalisierung der führenden Volkswirtschaften begann, und die Methoden der Meteorologen, das Wetter vorherzusagen, wurden exponentiell besser, verbunden auch mit der Kommunikations- und Hardwarerevolution. Globalisierung heißt neben vielen anderen Dingen Konkurrenz und Wettbewerb, und das Unternehmen, das um eine Sache besser Bescheid weiß, als die Konkurrenz, hat einen Vorteil. Hier sehen wir die massivste Triebfeder, Wetterinformationen in Unternehmensstrategien- und Planungen einzubeziehen: Wettbewerbsdruck. In vielen Wirtschaftsbereichen können Wetterinformationen dazu genutzt werden, um eigene, selbst auf Prognosen fussende Entscheidungen, die die Zukunft betreffen, besser abzusichern.

Beispiel: Energiewirtschaft. Es ist Usus für einen Player im Energiegeschäft Prognosen über das Konsumverhalten der Abnehmer zu machen, wann sie wie viel Strom brauchen werden. Das ist immanent vom Wetter abhängig, wenns kalt , düster und windig ist, wird die Heizung stärker aufgedreht etc... wenns ganz heiß wird, rennen die Klimaanlagen... D.h mit Wetterinfos als Basis kann man für die nächsten Tage Lastprognosen machen. Der tats. Verbrauch spiegelt sich dann gemäß Angebot und Nachfrage im Einkaufspreis für Strom und Gas wider. Hat ein Energieversorger zum Zeitpunkt einer wetterbedingen Lastspitze keine Reserven mehr (schlechte Planung) muss er genau dann Energie zukaufen, wenn sie am teuersten ist. Wasserkraftversorgen können noch was Gefinkelteres machen... vor einer zu erwartenden Lastspitze kann billig Energie eingekauft werden, diese dann dazu genutzt werden, Wasser von unten in Speicherkraftwerke zu pumpen, damit diese, wenn der Strom wetterbedingt wieder teurer ist, Energie zu hohen Preisen ins Netz abgeben können ...

Bleiben wir bei der Energie: Gas- und Ölindustrie. Oftmals operieren diese in unzugänglichen Regionen (Plattformen etc ..) und können nur unter erheblichem logisttischem Aufwand aufrecht erhalten werden (Basiscamps an Land, Hubschrauberversorgung etc.. Weiters müssen die Plattformen aus Sicherheitsgründen vor argen Wetterereignissen evakuiert werden (Orkane, Zyklone ..) und der Betrieb abgestellt werden. Ein einziger  falscher Alarm legt den Betrieb (aus Betreibersicht unnötig) für einige Tage lahm und kostet die Industrie Millionenbeträge. Hier wird also mit Hilfe von Wetterinformationen gezockt und zum letztmöglichen Zeitpunkt bei genügend hoher Eintrittswahrscheinlichkeit des Sturmes evakuiert.

Ganz anders gezockt wird auf der Börse, wo dem hedgen gegen das Wetter immer größere Beliebtheit zukommt (hedgen auf einen kalten Sommer, nassen Winter, dürren Herbst ...). Basis zum Erfolg sind hier belastbare Langfristprognosen (Saisonalprognosen), die dazu führt, dass man höhere Trefferquoten als beim Würfeln erreicht und somit Benefit aus der früheren Information lukrieren kann.

Logistik, Transport, Landwirtschaft .. sind weitere Bereiche, die derart mit Wetterinfos zur Optimierung umgehen.

Unter anderen Aspekten, nämlicher Sicherheitsüberlegungen, gehen Wetterinfos natürlich in noch viel mehr Bereiche ein .. Luftfahrt, Straßennetze, Bahnnetze, Kommunalwesen.

Der prozentuale Anteil der Geldmenge des Bruttonationalproduktes einer Volxwirschtschaft, die unter direkter oder indirekter Abhängigkeit von der kurzfristigen Wetterentwicklung zu Stande kommt, ist demnach erstaunlich hoch. Nur wenigen Bereichen kann man eine absolute Wetterunabhängigkeit nachweisen, zum Beispiel der professionellen Dachiniererei. Nicht einmal der gewerbsmässige Betrug ist wetterunabhängig, genausowenig wie der Gesamtbereich der Kriminalität, die von vielen als erheblicher Anteil einer Volkswirtschaft gesehen wird, in einigen Fällen leider zu recht. Das Semmerl beim Anker, das T-Shirt aus Urwaldbaumwolle, zumindest im Preis wetterabhängig. 

Der geneigte Leser denke daran, dass die Wirtschaft wohl kollabieren würde, würden alle Meteorologen dieser Welt gleichzeitig den Dienst verweigern.

Lg

Manfred

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